Nachdem vor einem Jahr die Laufente – auch Schneckenente – als „Rasse des Jahres“ zusätzlich auf den Klimawandel aufmerksam machte, möchte Stefan Raindl diesmal beim „Lichterfest der Geflügelzucht“ auf die noch wenig beachtete Lichtverschmutzung hinweisen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, vielmehr nutzt der Vereinsvorsitzende die Ausstellung, um aufzuklären, und lädt die Besucher zu anregenden Gesprächen ein.

Es sind die Tiere, die durch die allgegenwärtige Beleuchtung von Straßen, Plätzen oder Reklame und die derzeit mancherorts mannigfachen Weihnachtslichter über mehrere Wochen keine ausreichende Nachtruhe finden, weiß der Züchter zu berichten und erklärt: „Gefährlich im Winter, wenn der Stoffwechsel mangels Nahrung reduziert wird.“

Indes, auch im Sommer, aufgrund der künstlichen Verlängerung des Tageslichts, wird die von Mutter Natur vorgesehene Fortpflanzungsperiode angeregt – dadurch werden die Elterntiere geschwächt. So wurde vergangenen August vom Nabu ein Amselsterben bestätigt – Krankheitserregern werde es durch die Schwächung leicht gemacht.„Wenn es wie meiner Frau jedem von uns gelingen sollte, durch einen grünen Garten eine ,Hausamsel’ sein Eigen zu nennen, sind wir auf dem richtigen Weg“, betont der Tierliebhaber.

Beim vergangenen Sommertreffen in Faurndau konnte der Verein den Leiter des Göppinger Nabu, Dr. Wolfgang Rapp, als Referenten gewinnen, verrät Stefan Raindl und sagt: „Die Dinge beim Namen nennend, kamen wir außerdem auf den so niedlich aussehenden ,Räuber mit Maske’, den Waschbär, zu sprechen. Dieser ist konsequent zu verfolgen und beseitigen.“

Wenig Schatten sehen der Vereinsvorsitzende und die aktuell 175 Mitglieder, „der Höchststand unseres Vereins“, so Stefan Raindl, der erfreut verrät: „Darunter sind zehn Jugendliche, die gleichfalls ihre Tiere ausstellen“.

Wie zum Beispiel seine Söhne Jannik (19) und der 16-Jährige Marius, beide frönen schon seit ihrer Kindheit diesem Hobby. „Gelb mit schwarzem Schwanz“ sind die Chabos des Jüngeren. Neben ihrem ruhigen Naturell ist es auch die Farbenzusammenstellung, die ihm gefällt. Einschließlich des roten Kamms erinnert ihn dies an das „Schwarz-Rot-Gold“ der Deutschlandflagge, wie der junge Züchter verrät. Zwei Hähne und vier Hennen hat er davor gewaschen, geföhnt und die Schwanzfedern „glattgebügelt“.

Einzeln nimmt der junge Züchter jedes Tier behutsam aus der Transportkiste, kontrolliert noch mal den Istzustand und setzt es vorsichtig in den Käfig. Und im Gegensatz zu ihren lautstarken gackernden Verwandten hört man von der japanischen Zwerghuhnrasse keinen Mucks.

Anschaulich erklärt der angehende Abiturient wie „Kamm, Kehllappen und Schwanzfedern“ auszusehen haben, und dass die hellen Flecken oder Tupfen im Gefieder ein Schönheitsmerkmal sind. Gerade für die Weiterzucht werde dann eine gewisse Disziplin notwendig, sonst läuft das gewünschte Farbenspiel schnell aus dem Ruder.

Die Stauferschau erfreut sich mit 870 Tieren von 86 Ausstellern eines sehr guten Zulaufs. Doch die „Stars“ der Ausstellung glänzten am Freitag noch mit Abwesenheit. Ihr Freigehege ist bereits hübsch-wohnlich hergerichtet, ausgelegt mit grünem Teppichboden, umrahmt von einer beleuchteten Tannengirlande, Kunstblumen und frischem Efeu und als Hingucker: ein Riesenposter von der Elbphilharmonie Hamburg einschließlich eines zum Reinbeißen lockenden XXL-Hamburgers.

Es sind die Ideen von Stefan Raindl, der Ottenbacher Vereinsvorsitzende hat sich die vergangenen Jahre in Sachen Werbung immer etwas Besonderes für die Ausstellung „seines“ Vereins einfallen lassen – zugegeben, etwas crazy, aber mit Charme.

Warum jetzt allerdings im schönen Albvorland Werbung für die Hansestadt gemacht wird hat natürlich seinen Grund: Der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) hat den „Zwerg Hamburger“ zur Rasse des Jahres 2019 auserkoren. Eine alte deutsche Geflügelrasse, die vor 1930 entstand und ihren Hauptverbreitungsschwerpunkt in Deutschland hat.

Ganze Vielfalt des Rassegeflügels


Termin An diesem Wochende, 4. und 5. Januar, findet in der Ausstellungshalle des Kleintierzuchtvereins Heiningen (gegenüber der Voralbhalle) die 64. Staufer-Rassegeflügelschau des Tauben- und Zwerghuhnzüchtervereins 1955 Stauferland statt. Einlass ist an beiden Tagen jeweils um 9 Uhr, geöffnet ist samstags bis 17 Uhr und sonntags bis 15 Uhr – ausreichend Parkplätze sind vorhanden.

Tiere Gezeigt werden Enten, (Zwerg-)Hühner und Tauben. Neben einer Tombola, Bewirtschaftung sowie Sonder-Werbeschauen von Chabo, Kölner Tümmler und Deutsche Modeneser. ack