Staufer-Festspiele Staufer-Festspiele: Gedanken zur Zauberflöte

Mozarts „Zauberflöte“ ist in ihrer mehr als 200-jährigen Aufführungsgeschichte schon völlig unterschiedlich interpretiert worden. Julie Taymor etwa inszenierte das Werk 2016 für die Metropolitan Opera in New York als bunte, familientaugliche Opernrevue.
Mozarts „Zauberflöte“ ist in ihrer mehr als 200-jährigen Aufführungsgeschichte schon völlig unterschiedlich interpretiert worden. Julie Taymor etwa inszenierte das Werk 2016 für die Metropolitan Opera in New York als bunte, familientaugliche Opernrevue. © Foto: Richard Termine
Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 03.08.2018

Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ von 1791 ist die meistgespielte und bekannteste Oper überhaupt. Eine Mischung aus Märchen, Zauber, Posse und einem aufklärerischen Idealismus, gespeist durch die Freimaurer-Ideen der damaligen Zeit, fasziniert bis heute das Publikum. Auch die Staufer-Festspiele unter ihrem Intendanten und Regisseur Alexander Warmbrunn haben sie im kommenden September in der Göppinger Werfthalle auf dem Spielplan.

Der Komponist hat „Die Zauberflöte“ in seinem Todesjahr neben dem nicht vollendeten Requiem komponiert und war wirtschaftlich in großen Nöten. Als Oper im Zeitgeist der Wiener Klassik enthält sie viele Aspekte, von denen drei für das Verständnis besonders wichtig sind: Welche musikalischen Mittel und Formen benützt Mozart, welche Bedeutung hat die Zahl drei in dieser Oper, und welche Konflikte stecken hinter der Königin der Nacht und Sarastro?

Mozart war kein Revolutionär

Mozart ist in den musikalischen Mitteln und Formen kein Revolutionär, er hat jedoch viele von außen kommende Anregungen verschmolzen und zu einem eigenen Stil entwickelt. Er vertrat allerdings in einem Brief von 1781 die Ansicht, dass „die Poesie der Musik gehorsame Tochter sein“ müsse. Wenn man Mozarts Musik charakterisieren wollte, dann könnte man sagen, dass er in der Ouvertüre die Fugentechnik verwendet, für die Königin der Nacht eine halsbrecherische Koloratur-Arie, um ihren Rachedurst auszudrücken, für den einfachen Naturmenschen Papageno den Buffo-Stil und bei den Priestern einen harmonisch-kontrapunktischen Stil.

Mit sprechenden Melodien wie bei den Arien von Tamino, Pamina oder Sarastro charakterisiert der Komponist die Menschen und deren Gefühle. Er drückt etwa eine Stimmung durch das Orchester aus, wie bei der Figur des „Bösewichts“ Monostatos, der die Fronten von Sarastro zur Königin wechselt, oder er nimmt die Klangfarbe einzelner Instrumente wie die der drei Instrumente (Zauber-)Flöte, Panflöte und Glockenspiel quasi als Erkennungsschub.

Die magische Zahl Drei spielt in der Oper eine große Rolle. So gibt es mit einer psychischen Ebene (Tamino/Pamina), einer sinnlichen Ebene (Papageno/Papagena) und einer metaphysischen Ebene (Sarastro/Königin) drei Paare. Es kommen drei Damen, drei Knaben, drei Prüfungen und drei Tempel (Vernunft, Weisheit, Natur) vor; und in der Musik, beispielsweise in der Ouvertüre, gibt es drei feierliche Akkorde und drei Posaunenstöße bei der Aufforderung an Tamino, „standhaft, duldsam und verschwiegen“ zu sein. Auch bei Sarastro spielt diese Zahl eine Rolle.

In den Figuren Sarastros, der das Licht verkörpert, und in der Königin der Nacht stehen sich zwei Welten – Gut und Böse – gegenüber. Eine Bruchstelle zum zweiten Akt könnte man darin sehen, dass die Königin, die zunächst im Umgang mit ihrer Tochter Pamina als sympathisch besorgte Mutter erscheint, plötzlich zu einer böse rächenden Furie in der männlichen Sichtweise eines guten Sarastro mutiert.

Eine Erklärung: Im Geschlechterkampf konnte damals nur der Mann über die Frau siegen, die im Männlichen verortete Weisheit über die weibliche Rache und der Tag über die Nacht, der Gott über die Göttin. Bei den Freimaurern bleibt die Frau von den Männermysterien ausgeschlossen, und die Liebe wird einer patriarchalen Metaphysik untergeordnet. Hier sind viele Einflüsse eines modischen ägyptisch-griechischen Zaubermärchens im Sinne der Freimaurer verarbeitet, die in modernen Inszenierungen durchaus einer anderen Konfliktlösung zugeführt werden könnten.

So darf man gespannt sein, wie Regisseur Warmbrunn bei den Staufer Festspielen seine Interpretation anlegen wird. Siegt Sarastro wie in der Vorlage, bekommt die Königin der Nacht zu Lasten von Sarastro eine Chance, oder gibt es gar eine Hochzeit zwischen Sonne und Mond?

Termine für die Zauberflöte in Göppinger Werfthalle

Aufführungstermine für die „Zauberflöte“ sind am 7., 8., 9., 13., 14. und 15. September. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Eine Zusatzaufführung für die NWZ findet am 11. September ab 19.30 Uhr statt.

Tickets gibt es in Göppingen beim i-Punkt im Rathaus, bei der NWZ und bei Gebauer in der Dieselstraße, außerdem in Geislingen bei der Geislinger Zeitung und im Internet unter www.staufer-festspiele.de . Die Karten gibt es für 55, 45 und 33 Euro.

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