Groß und vom Verfall bedroht - so lag all die Jahre ein denkmalgeschützter Schafstall vor der Haustür der Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte, die in Randeck und in Außenwohngruppen 34 Jugendliche an ein selbstständiges Leben heranführt. Die Gemeinde Bissingen, der der Schafstall gehört, bekam immer wieder Ideen für eine Nutzung auf den Tisch. Aber daraus wurde nie etwas. Die Ziegelhütte hat den Dreh gefunden: Der Stall soll für eine Million Euro instandgesetzt werden und im Obergeschoss einen Versammlungsraum bekommen. "Noch Zukunftsmusik" ist für den Leiter Hendrik van Woudenberg, ein Bad Boller, eine Kantine im Erdgeschoss. Die Küche wird aber schon vorbereitet.

Unmittelbarer Nutzen steckt im Bau selbst. Die Jugendlichen der Ziegelhütte, die teils aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen oder in der Schule abgestürzt sind, können hier Bauberufe in der Praxis kennenlernen, vom Zimmermann bis zum Fliesenleger. Dafür ist fünf Jahre Zeit: So lange darf der Umbau dauern. Das ist Berufsorientierung vor der Haustür - und mehr: Van Woudenberg hofft, dass sich für die Bauhelfer Ausbildungsverträge mit den Handwerkern ergeben. Die Idee stammt von Gerd Kälberer, Lehrer und Zimmerermeister in der Ziegelhütte.

Viele ziehen mit: Die Gemeinde überlässt das Grundstück zur Erbpacht, für die happigen Baukosten fand die Ziegelhütte Sponsoren, vom Europäischen Sozialfonds über den Lions-Club bis zu Stiftungen. Architekt Andreas Schober bringt Licht in den Schafstall: Er öffnet eine Giebelwand mit Glas und setzt für den Saal eine Gaube.

Der Schafstall wurzelt in der württembergischen Geschichte. Als herrschaftliche Melkerei und Viehhaus ist er 1669 entstanden, berichtet Rainer Laskowski, Archäologe und langjähriger Museumsleiter in Kirchheim. Der Herzog hat Rinder der Rasse Teckschlag geholt, zum Bau wurde Nadelholz auf dem Neckar herangeflößt. Aus der Schweiz kamen Melker - "Wanderarbeiter gab es schon damals." Als die Viehwirtschaft endete, wahrscheinlich wegen Seuchen, hielten Schafe Einzug. Im 19. Jahrhundert kam ein Anbau hinzu. Die Bausubstanz sei überraschend gut, sagt Laskowski.

Ein Baudenkmal und alte Handwerksberufe: Viel Kultur bescheinigt die Bad Boller Regionalrätin und zweite Vorsitzende der Kulturregion, Dorothee Kraus-Prause, dem Projekt. Die Verbindung zum Europäischen Sozialfonds hat eine Faurndauerin geknüpft: Barbara Ziegler-Helmer, Jugendamtsleiterin im Kreis Esslingen.