Mit dem Einmarsch des neuen Grafenpaares begann die Prunksitzung im voll besetzten Haug-Erkinger-Festsaal. Begleitet wurden sie von den Blau-Weißen Rutschern, einer der drei Tanzgarden der Narrenzunft. Vom abgelösten Grafenpaar wurde ihnen der Saisonorden überreicht, das wiederum erhielt auch einen Orden.

Michael Schilling, der Präsident der Furchenrutscher und Moderator der Veranstaltung, bat um Nachsicht und viel Applaus für die in neuen Kostümen auftretenden Lolli-Pops, die jüngsten Garde-Mädchen. Nötig gewesen wäre das nicht, denn die kleinen Mädchen waren mit Feuereifer bei der Sache und erwärmten die Herzen des Publikums, da kam der Applaus automatisch und die anfangs angespannten Mienen der Mädchen wichen einem strahlenden Lächeln. Natürlich bekamen auch sie einen Orden. Die Verleihung durch das Grafenpaar war noch etwas holprig, aber sie sollten an diesem Abend noch genügend Gelegenheit zum Üben bekommen.

Temporeicher Showtanz und lustiger Dorftratsch

Traditionell wurde dann von allen das Furchenrutscherlied gesungen: trotz abgedrucktem Text auf dem Programmblatt machte das doch gewisse Schwierigkeiten. Nichts zu rügen gab es an der Schlossgarde und  deren temporeichem Showtanz. Etwas gemütlicher wurde es beim Dorftratsch mit Rosi und Aloisia vor dem Eiscafé Fratelli. Die gut informierten Damen räsonierten über das Unvermögen der Gemeindeverwaltung, Kinder zu zählen, denn der neu gebaute Kindergarten sei schon wieder zu klein. Auch die bisherige Praxis des Versendens von Einladungen an Gemeinderäte in zugetackerten Umschlägen beschäftigte die Beiden.

Rechberghausen

Regelrecht Sorgen machten sie sich um ihre Bürgermeisterin, die schon zwei Anschlägen entkommen sei: durch einen manipulierten Hammer beim Fassanstich und eine Rasensprengerattacke. Gekränkt zeigten sie sich, dass „ihr“ Pfarrer Schmid kürzlich in Wäschenbeuren verabschiedet wurde, obwohl doch in Rechberghausen die katholischere Kirche sei. Das ortskundige Publikum lauschte beim Dorftratsch aufmerksam, denn den will doch keiner verpassen.

Mit den Blau-Weißen Rutschern nahm das Programm wieder Tempo auf: eine rasante Vorführung mit fliegenden Beinen und perfektem Spagat begeisterte die Zuschauer jeden Alters, selbst Babys wurden im Publikum gesichtet.

Von den Tücken eines Urlaubs an der Nordsee berichtete Hans-Peter Riedmüller. Das zustimmende Gelächter ließ vermuten, dass dem Einen oder Anderen schon Ähnliches widerfahren ist. Sein Fazit: „Am besten erholt man sich in Rechberghausen, und nördlicher als Oberhausen braucht man wirklich nicht.“

Nach der Pause zeigte die Schlossgarde ihr Können, nur jahrelanges Training ermöglicht eine solche Performance.

Ebenfalls gekonnt, aber weit weniger elegant, präsentierten die Dorfhexen ihren Brauchtums­tanz: nach einem noch verhaltenen Einstieg zu mystischer Musik wurde die Sache dann richtig wild, und die zahlreichen Hexen mit ihren schweren Stiefeln ließen die Halle regelrecht erbeben, aber mit waghalsigen Pyramiden haben sie auch Akrobatik in ihrem Repertoire.

Das Wunschkonzert der „ToFuHes“ riss das Publikum mit

Musikalisch wurde es mit „Radio RBH: das Wunschkonzert“. Gedoubelt wurden wirkliche Weltstars wie Montserrat Caballe und Freddy Mercury, aber auch Vertreter der Stimmungsbranche, wie die Draufgänger mit Cordula Grün.

Die eingängige Musik und der schonungslose Einsatz der „ToFuHes“ rissen das Publikum mit und animierten zum Klatschen und Mitsingen, Kostüme und Perücken taten ihr Übriges. Wirklich realistisch wurde es durch die Körpersprache der Showgrößen „Tina Turner“ und „Engelbert“. Den stimmungsvollen Abschluss des Wunschkonzertes machten „Abba“ mit „Thank you for the music“, bei dem sich zunächst alle „ToFuHes“ und schließlich alle Aktiven der Veranstaltung auf der Bühne versammelten. Nach vier schnell vergangenen Stunden lief passenderweise: „Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?“. Aber der Text geht ja weiter: „Ich komm wieder, keine Frage!“