Göppingen Stähle attackiert Amtsinhaber Guido Till

Auch im OB-Wahlkampf setzt der Göppinger Stadtrat Christian Stähle vor allem auf scharfe Kritik gegen den Amtsinhaber. Stähles Wahlkampf wird nach eigenen Angaben weitgehend von der Linkspartei finanziert.
Auch im OB-Wahlkampf setzt der Göppinger Stadtrat Christian Stähle vor allem auf scharfe Kritik gegen den Amtsinhaber. Stähles Wahlkampf wird nach eigenen Angaben weitgehend von der Linkspartei finanziert. © Foto: Staufenpress
Göppingen / HELGE THIELE 20.09.2012
Der Linke-Stadtrat Christian Stähle fordert bei der Göppinger Oberbürgermeisterwahl am 14. Oktober Guido Till heraus. Stähle hält den Amtsinhaber für "inkompetent" und will dessen Abwahl.

Auch im OB-Wahlkampf bleibt sich der Göppinger Linke-Stadtrat Christian Stähle treu: Im Gespräch mit unserer Zeitung hat der 53-Jährige Amtsinhaber Guido Till scharf attackiert. Till sei "inkompetent", Göppingen habe einen anderen OB verdient, deshalb plädiere er für Tills Abwahl. "Oktoberrevolution toppen heißt Till stoppen", steht auf einem von Stähles Wahlplakaten. Zu sehen ist eine Büste von Lenin, auf die Stähle Tills Konterfei montiert hat. Soll bedeuten: Tills Führungsstil sei genauso patriarchalisch wie seinerzeit jener von Lenin. Im Gegensatz zu Till stehe er, Stähle, für "Teamgeist und Menschlichkeit" im Rathaus, also für Werte, die der Amtsinhaber "nicht kann".

Dafür, dass Stähle, wie er selbst versichert, "keinen reinen Wahlkampf gegen Till" machen will, spricht er viel über die vermeintlichen Fehler und Versäumnisse des aktuellen Rathauschefs. Der gebürtige Göppinger und Diplom-Psychologe, der auf Honorarbasis an einer Stuttgarter Privatschule tätig ist, fordert einen "sozial gerechten Kurswechsel" in der Stadtpolitik, wettert gegen die "neoliberale Einheitspolitik" im Göppinger Rathaus - und attackiert in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch den OB-Kandidaten der Grünen und den Bewerber mit SPD-Parteibuch. Stähle, der seit seinem Einzug in den Gemeinderat 2009 immer wieder Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Till eingereicht hat, die jedoch alle vom Regierungspräsidium zurückgewiesen wurden, findet es "schlimm", dass Till es bis heute nicht geschafft habe, "die Kraft zu besitzen, die Stärke seiner Verwaltung effektiv zum Wohle der Bevölkerung auszuschöpfen".

In den kommenden Wochen will der streitbare Kommunalpolitiker sein 17-Punkte-Wahlprogramm in Veranstaltungen und Bürgergesprächen vorstellen. Außerdem will Stähle rund 1500 Plakate aufstellen. Sein Wahlkampf wird, wie er betont, abgesehen von einem kleineren persönlichen Beitrag komplett von der Linkspartei finanziert. Bei der Gestaltung und Herstellung der Plakate und Prospekte konnte Stähle professionelle Hilfe der parteieigenen Werbeagentur in Berlin in Anspruch nehmen.

Wenn er je zum neuen Göppinger Oberbürgermeister gewählt würde, woran Stähle selbst nicht recht glauben mag, würde er als erstes auf ein Drittel seines Gehalts verzichten und den Betrag einer sozialen Stiftung zukommen lassen. Außerdem würde er den Dienstwagen des OB abschaffen.

Stähles Wahlprogramm streift viele Politikfelder. Aufhorchen lässt seine Forderung, kein Geld "in die alte Kunsthalle zu versenken, sondern mittelfristig während meiner Amtszeit zusammen mit gewonnenen Förderern eine neue Kunsthalle zu errichten". Außerdem will Stähle "in absehbarer Zeit den Neubau einer Eissporthalle verwirklichen".