Spendensammeln Stadtrat warnt vor Masche mit dem Mitleid

Kirchheim / ANDREAS VOLZ 16.12.2017

Ralf Gerber schlägt Alarm: Der Stadtrat aus Kirchheim und Ladeninhaber beobachtet immer wieder, wie Menschen um Unterschriften betteln, etwa um die Lage von Taubstummen zu verbessern. Wer unterschreibt, wird im Anschluss um eine Spende gebeten. Wild gestikulierend zeigen die Unterschriftensammler dann auf die größeren Geldscheine im Portemonnaie ihrer Opfer. Später müssen diese feststellen, dass ihnen der Geldschein, den sie gar nicht spenden wollten, trotzdem fehlt. Und wem ein „Spenden“-Sammler zum Dank um den Hals fällt, dem fehlt am Ende oft der Schmuck.

Ralf Gerber stellt sogar fest, dass Kunden bis hinein in die Läden „verfolgt“ werden. Er fürchtet, dass die Innenstadt ins Hintertreffen geraten könnte: „In Einkaufszentren kann man diese Trickbetrüger vor die Tür setzen. In der Innenstadt geht das nicht.“ Wenn er sich an das Ordnungsamt wende, heiße es immer: „Da kann man nichts machen, solange die nicht massiv auf die Leute zugehen.“

Geld geht an Hintermänner

Das bringt Gerber auf die Palme: „Genau das machen die aber mit ihrer Unterschriftensammlung. Die gehen massiv und aggressiv auf die Leute zu.“ Weil er nicht weiß, was helfen kann, setzt er auf Aufklärung: „Wer glaubt, durch eine Spende Gutes zu tun, weil vielleicht noch ein EU-Logo auf dem Unterschriftenformular auftaucht, irrt. Das ist meistens Quatsch.“ Die Personen, die da betteln oder in betrügerischer Absicht Unterschriften sammeln, seien bedauernswerte Menschen. „Aber man hilft ihnen nicht, wenn man ihnen Geld gibt. Das Geld landet beim Auftraggeber. Der Einzelne hat gar nichts davon.“

Bei der Stadt Kirchheim ist das Problem bekannt. „Betteln ist ein Dauerthema, überwiegend handelt es sich hierbei aber um kein aggressives Betteln. Aggressives Betteln liegt dann vor, wenn angebettelte Personen festgehalten, angefasst, bedrängend verfolgt oder durch massives Auftreten mehrerer Personen belästigt oder bedroht werden.“ Wenn notwendig, gehe der Vollzugsdienst dagegen vor, auch mit der Polizei.

Dass häufig organisierte Gruppen am Werk sind, hat die Stadtverwaltung ebenfalls festgestellt: „Wichtig wäre es, an die jeweiligen Hintermänner zu gelangen.“ Hinweise auf die Fahrzeuge, mit denen Bettler in die Stadt gelangen, leite der Vollzugsdienst deswegen an die Polizei weiter. Wer Straftaten wie einen Trickdiebstahl beobachtet, sollte unbedingt sofort die Polizei benachrichtigen. Eine Schwierigkeit der Polizei besteht darin, dass sie meistens nicht schnell genug am Tatort eintreffen kann.

Polizei: Auf Abstand achten

Pressesprecher Frank Natter vom Polizeipräsidium Reutlingen erklärt: „Nur in den wenigsten Fällen ist noch jemand anzutreffen. Das liegt sicherlich auch an der sehr hohen Mobilität dieser Personen, die nur selten länger als ein paar Minuten an derselben Stelle verweilen.“

Frank Natterer rät: „Der beste Schutz ist, sich von aggressiven Bettlern oder Unterschriftensammlern gar nicht erst ansprechen zu lassen.“ Falls doch, solle man auf ausreichenden Körperabstand achten. Wolle man trotzdem spenden, sei Vorsicht geboten – im Hinblick auf Geldbeutel und Taschen. Auch auf die organisierte Bettelei verweist er: „Jeder entscheidet selbst, ob er etwas gibt. Er muss aber wissen, dass in den seltensten Fällen, wenn Bettlergruppen unterwegs sind, die Leute das Geld auch behalten.“

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