Göppingen / DIRK HÜLSER Der Göppinger Stadt- und Regionalrat Joachim Hülscher ist auch nach Jahren noch beim Andreas-Hofer-Bund aktiv, der für ein freies Südtirol eintritt. Eine junge Frau wirft ihm Rassismus bei einem Straßenfest vor.

Auf seiner Homepage steht nichts vom Andreas-Hofer-Bund. Er sei Mitglied im Göppinger Apfelsaftverein oder bei Odeon - vom Verein, der sich vehement für die Loslösung Südtirols von Italien stark macht, schreibt Joachim Hülscher nichts. Der Göppinger Stadt- und Regionalrat sowie frühere Baubürgermeister und OB-Kandidat räumte ein, auch nach Jahren noch immer bei dem separatistischen Verein, der unter anderem das Gedenken an den terroristischen "Befreiungsausschuss Südtirol" (BAS) hochhält, aktiv zu sein. "Das ist doch ganz klar, ich habe doch da unten Freunde", sagte Hülscher.

Dass er immer wieder zu Gedenkveranstaltungen für den BAS-Gründer Sepp Kerschbaumer fährt, sieht der Lokalpolitiker der Freien Wähler nicht problematisch. Nach diversen Bombenanschlägen und einem Toten war Kerschensteiner 1964 verurteilt worden und in der Haft gestorben. Kerschensteiner selbst habe nie ein Attentat verübt, sagt Hülscher. "Dieses Verhalten einer Staatsmacht wird von mir nicht goutiert." Deshalb stehe er zu seiner Meinung.

Was sich Hülscher unter der Aufgabe des Bunds vorstellt, verbreitete dessen Obmann Winfried Matuella 2010 in Hülschers Namen: "Offen und zielorientiert für die Selbstbestimmung kämpfen, wie die sich dann als mögliche ,Zwischenstufe darstellt (zehntes Bundesland in Österreich oder eigener Staat usw.), ist im Moment egal." Hülscher war auch als Pressesprecher für den Verein aktiv, verbreitete in dieser Funktion Thesen wie, "dass es den Südtirolern nach Beseitigung der italienischen Fremdherrschaft wirtschaftlich noch besser gehen wird".

Rassismusvorwürfe gegen Hülscher

Eine junge Frau wirft dem 61-Jährigen jetzt Rassismus vor. Auf einem Straßenfest in Murnau, von dort stammt Hülschers Frau Astrid Rahlves-Hülscher, habe er unlängst als Fest-Organisator ihrer Familie die Hand geschüttelt - nur ihrem farbigen Freund aus Kenia nicht. "Nach meinen Eltern und mir war zuletzt mein Freund an der Reihe und hob die Hand um sie Herrn Hülscher zu reichen. Dieser drehte sich erst Mal weg", sagt die Frau. Ihr Freund wartete weiter mit ausgestreckter Hand, als sich Hülscher wieder umgedreht haben soll. "Herr Hülscher hob jedoch abwehrend die Hände und gab so etwas wie ,Nein, lassen Sie mal von sich."

Hülscher bestreitet dies, er habe auf dem Fest nicht jedem Gast die Hand schütteln können. Außerdem, wirft seine Frau ein, sei es heiß gewesen und "bäppig". Hülscher meint jedenfalls: "Die haben da vollkommen etwas in den falschen Hals gekriegt." Seine Frau ergänzt: "Heute die Rassismus-Keule zu schwingen, geht ja schon bei jedem Fußballspiel schnell."

Dabei hat sie selbst durchaus auch schon Bekanntschaft mit Rechtsextremisten gemacht. So etwa bei einer Tagung der Stiftung "Kontinent-Europa" in der Räumen der NPD-Fraktion im Landtag in Schwerin im Jahr 2008. Dort hielt sie laut der NPD eine Rede - andere Redner waren unter anderem der führende NPD-Mann Udo Pastörs sowie einer von Europas bekanntesten Rechtsextremisten: der Deutsch-Schwede Patrik Brinkmann. Themen der Reden waren laut NPD "Russland und Deutschland" sowie "Europäische Vernetzung der Rechten". Astrid Rahlves-Hülscher bestreitet die Fakten auch gar nicht, sie habe dies aber nur für ihren seinerzeit schwerkranken Vater getan. Der habe sein letztes Buch nicht mehr selbst vorstellen können, sei aber kein Nazi gewesen - er habe nur keinen anderen als den umstrittenen Verlag "Libergraphix" gefunden. Und sie habe nur die Rede ihres Vaters vorgelesen. "Da kann ich nichts dafür, wenn die NPD das dann auf ihre Seite stellt."

Von ihrem Vater Rudolf Rahlves gibt es mehrere Bücher. Zu seinem Werk "Jüdisch - was ist das?" kommt man direkt per Mausklick - von der Seite der Autonomen Nationalisten Göppingen.