Eislingen / Iris Ruoss Die Eislinger Gymnasiasten haben im Vorfeld der Gemeinderatswahl die Stadträte mit Fragen gelöchert. Dabei standen nicht nur lokale Themen im Fokus.

Alle Eislinger Gemeinderatsfraktionen waren bei der Erstwählerkampagne vom Eislinger Kinder- und Jugendbüro und Erich-Kästner-Gymnasium vertreten, Jugendliche waren in großer Zahl gekommen, um den Bürgervertretern auf den Zahn zu fühlen. „Ehrlich, offen, spontan“, so sollten die Stadträte auf die Fragen der jungen Eislinger Antworten, sagte Tobias Friedel vom Kinder- und Jugendbüro.

Die Veranstaltung war dazu gedacht, den Jugendlichen einen Einblick in die Kommunalpolitik zu geben, viele Fragen zielten eher auf das politische Geschehen auf Landes- oder Bundesebene ab. Die Jugendlichen wollten beispielsweise wissen, wie die Fraktionen zur Urheberrechtsreform oder zum Dieselfahrverbot stehen. „Wir beschäftigen uns mit Lokalpolitik und verstehen teilweise selber nicht, was die Politiker in Berlin machen“, sagte CDU-Fraktionsvorsitzender Manfred Strohm.

Wer macht die bessere Politik, die Jungen oder die Alten? Die gute Mischung macht’s, da waren sich die Eislinger Kommunalpolitiker einig. „Es ist wichtig, dass auch die Jungen in den Stadtrat gewählt werden, um die Interessen der Kinder und Jugendlichen zu vertreten“, meinte Ingrid Held (SPD). Tobias Friedel half der Fragerunde etwas auf die Sprünge und lenkte in die kommunalpolitische Richtung: „Wofür setzen sich die Fraktionen im Kinder- und Jugendbereich besonders ein?“ Dass die Ausstattung von Kindergärten und Schulen, die Sprachförderung und Integrationsarbeit ganz oben auf der Prioritätenliste stehen, genauso wie Sportstätten, Bolz- und Spielplätze oder die beiden Jugendhäuser, machten die Stadträte klar.

Auch Kritik gab es von den Jugendlichen

Kritik gab’s aus Reihen der Jugendlichen dennoch. Das Radwegekonzept wurde von den Erstwählern bemängelt, aber auch die Ausstattung der Schulen in puncto Computer und schnelles Internet oder der fehlende öffentliche Grillplatz. Die radelnden Jugendlichen wünschen sich überdachte Fahrradabstellplätze.

Auch bei der Speed-Fragerunde ging’s zur Sache. Für die amtierenden Stadträte und Kandidierenden hieß es spontan antworten und das glückte nicht immer gleich gut. Warum man Vertreter der SPD in den Stadtrat wählen sollte, wurde beispielsweise mit „weil die SPD immer sexy ist“, beantwortet, was bei den Jugendlichen zur sicht- und hörbaren Erheiterung führte.

Wie Eislingen in 20 Jahren aussehen soll, da haben die Kommunalpolitiker ganz unterschiedliche Visionen. Die SPD-Vertreter sehen Eislingen im Jahr 2039 als Fahrradstadt ohne Unterführungen, dafür mit gebührenfreien Kinderbetreuungseinrichtungen. Die CDU-Fraktion setzt auf den Abriss der Bahnüberführung und den Bau eines schönen Stadtzentrums mit Aufenthaltsqualität, während die Grünen vor ihrem geistigen Auge superschnelles Internet haben und ausschließlich Elektroautos durch die Stadt fahren sehen.

Um einen besseren Einblick in die Aufgaben der Kommunalpolitiker zu bekommen, luden die Stadträte die angehenden Wähler in eine Sitzung des Gemeinderats ein.