Das Ebersbacher Stadtmuseum wurde von der Corona-Pandemie ausgebremst und ist doch erstaunlich rührig. Nur ein Teil der 2020 geplanten Veranstaltungen konnte stattfinden. Hinter den Kulissen werden schon neue Projekte für das laufende Jahr vorangetrieben. Museumsleiter und Stadtarchivar Uwe Geiger ist auf vielen Gebieten tätig, das wurde jetzt bei der Vorstellung des Museums-Jahresberichts deutlich.
2019 erlebte das Museum einen wahren Höhenflug bei den Besucherzahlen: Bei vier Ausstellungen und 1412 Besuchern wurde ein Fünf-Jahres-Höchststand erreicht. 2020 kam der pandemiebedingte Einbruch mit nur noch 663 Besuchern. Nur zwei von vier geplanten Ausstellungen konnten stattfinden, nur zwei von vier geplanten Vorträgen und sogar nur eine von fünf Veranstaltungen.
2020 war aber auch das Jahr des 850. Stadtjubiläums, und eine Menge Vorbereitung, Arbeitszeit und Herzblut waren in die Vorbereitungen des vermeintlichen Großereignisses geflossen. Umso bitterer, dass ein großer Teil der Veranstaltungen wegen der Pandemie gestrichen werden musste.  Museumsleiter Geiger hatte eigens eine Mittelaltergruppe gegründet, die sich auf die Spuren der Menschen im Jahre 1170 machte. Der Öffentlichkeit vorstellen konnte sich die Gruppe beim „Dreiklang“ im Februar.
Es sollte ein Vorgeschmack sein auf das große Mittelalterlager im Sommer, das dann abgesagt werden musste. Immerhin konnten die zwei Ausstellungen „Wie vor 850 Jahren – Alltag in der Stauferzeit“ und „850 Jahre Mobilität“ stattfinden. Letztere soll, wenn das Museum wieder geöffnet ist, bis zu den Sommerferien verlängert werden.
Auch die Medizin des Mittelalters war ein Schwerpunkt. Gemeinsam mit dem Homöopathischen Verein gab es einen Vortrag über die Geschichte der Medizin, und im September wurde ein historischer Kräutergarten im Ebersbacher Burggarten eröffnet. Wer hätte gedacht, dass das Stadtmuseum auch auf dem Gebiet der Botanik aktiv ist? Den „Ebersbacher Rosenapfel“ gab es seit über 120 Jahren nur in Ebersbach und Umgebung – doch er galt als verschollen. Zusammen mit der Zukunftswerkstatt Umwelt und Landwirtschaft wurde diese Rarität gerettet und wieder erfolgreich vermehrt.
Amtlich bestätigt sind inzwischen fünf lokale Apfelsorten: neben dem Rosenapfel der „Bünzwangener Niederwiesler“, der „Londoner“, der „Sparwieser Edelapfel“ und der „Lorcher Sämling“.
In Ebersbach stand einst ein Galgen. Dank einer geophysikalischen Prospektion weiß man jetzt, wo er stand: im Gewann Langenfeld westlich der Stadt. Er ist zwar nur als Bodenartefakt erhalten, berichtet Uwe Geiger, doch er konnte auf diese Weise exakt lokalisiert werden.
Ein großes Projekt in diesem Jahr ist die Neuhängung der Werke Jakob Grünenwalds. Deren Eröffnung findet am 30. September statt, und das aus gutem Grund: Es ist der 200. Geburtstag des aus Bünzwangen stammenden Künstlers. Seine Gemälde sind bisher in der Jakob-Grünenwald-Gedächtnisstätte in Bünzwangen zu sehen, die dank des langjährigen ehrenamtlichen Engagements des Ehepaares Hettfleisch zu einer 72 Arbeiten umfassenden Kunstsammlung angewachsen ist.
Im Stadtmuseum sollen sie bessere Bedingungen finden und einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Das hat Auswirkungen auf die Dauerausstellung. Im Stadtmuseum sieht man dies als Chance zur Modernisierung.
Künftig soll jeder Besucher sein eigenes Smartphone leicht als Audioguide nutzen können. Dann soll jeder auch das Ebersbacher Ortsmodell interaktiv zum Leben erwecken können. Noch im abgelaufenen Jahr wurde dazu ein Zuschussantrag für 21 000 Euro beim Bundesprogramm „Neustart Kultur“ gestellt. Noch Zukunftsmusik sind weitere Modernisierungsschritte der Dauerausstellung, die für 2022 und 2023 geplant sind. Lerninhalte und Schulen sollen dann besser eingebunden werden.
Ausstellungen und Veranstaltungen zu organisieren sind bei weitem nicht die einzigen Aufgaben von Stadtmuseum und Stadtarchiv. Sie bewahren und hüten schriftliche Dokumente, Medien aller Art und Objekte. Dabei wird die Digitalisierung immer wichtiger. Bis Ende 2020 war der Bestand auf rund 14 000 digitale Zeitungsartikel und rund 19 600 digitale Bilder angewachsen. Die Daten des Rechenzentrums werden im Kreisarchiv Göppingen aufbewahrt.
Und die Bestände wachsen laufend, sei es 2020 durch Schenkungen wie etwa von Werken des Künstlers Johannes Woelffle, der Bibliothek von Karl Schmid, Objekte aus der NS-Zeit und seltene Zinnobjekte. Auch Ankäufe gibt es. 143 Inventarnummern kamen letztes Jahr hinzu.
Bürgermeister Eberhard Keller weiß, was er an seinem Stadtmuseum, dem -archiv und dessen Leiter hat: „Uwe Geiger leistet mit seiner wertvollen Arbeit einen identitätsstiftenden, wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung und Sichtbarmachung unserer Stadtgeschichte“, sagte er.