Gewässer Göppingen muss in Hochwasserschutz investieren

Diese Brücke über den Heubach beim Göppinger Freibad sieht harmlos aus. Im Falle eines starken Hochwassers ist sie aber der Haupt-Gefahrenpunkte. Deshalb muss sie umgebaut werden.
Diese Brücke über den Heubach beim Göppinger Freibad sieht harmlos aus. Im Falle eines starken Hochwassers ist sie aber der Haupt-Gefahrenpunkte. Deshalb muss sie umgebaut werden. © Foto: Staufenpress
Göppingen / ARND WOLETZ 24.01.2017

Der Abend des 1. Juli 1987 wird den Göppingern noch lange im Gedächtnis bleiben. Ein verheerendes Hochwasser überflutete damals weite Teile des südöstlichen Stadtgebiets zwischen Jahnstraße, Ulmerstraße und der B10. Zahlreiche Firmengebäude standen unter Wasser, Autos wurden weggespült, Keller gefüllt. Es entstand ein Millionenschaden.

Auslöser war damals ein Wolkenbruch, der über dem Voralbgebiet niederging und den sonst harmlosen Heubach in eine tosende Flut verwandelte, die sich Richtung Stadt wälzte. Wie prekär die Hochwassergefahr am Heubach ist, zeigt aber nicht nur dieser schwarze Mittwoch, sondern auch die aktuelle Hochwassergefahrenkarte des Landes. Bereits bei einem schwächeren Hochwasser droht der Bach auf Höhe der Bereitschaftspolizei an einer zu klein dimensionierten Brücke auf die Heininger Straße zu strömen. Deren Trasse nutzt das Wasser dann, um Richtung Stadt zu fluten. Das hat Folgen: denn aus der Hochwasserkarte folgt praktisch ein Bauverbot in den flutgefährdeten Gebieten mit negativen Auswirkungen auf die Firmen, wie Baubürgermeister Helmut Renftle im Umweltausschuss betonte. Deshalb kommt die Stadt nicht an Gegenmaßnahmen vorbei.

Ein Ingenieurbüro hat im Auftrag der Kommune untersucht, was sie tun müsste, um ein Hochwasser, wie es durchschnittlich alle 100 Jahre vorkommt, zu bändigen. Ergebnis: Der Heubach habe „von der B10 bis zur Fils eine unzureichende Leistungsfähigkeit“, so der Ingenieur Dr. Hans Göppert vom Büro Wald und Corbe. An acht Stellen müssten die Bauarbeiter eingreifen. Kosten: etwa 4,15 Millionen Euro. Neu gebaut werden müssten die Brücke bei der Bereitschaftspolizei und an der Querung des Heubachs mit der Ulmer Straße beim Freibad. Dazwischen müsste die Stadt an mehreren Stellen eine Hochwassermauer bauen oder den Gewässerquerschnitt aufweiten. „Das ist nicht einfach, aber man kriegt es hin“, sagte der Ingenieur. Und: „Eine Alternative haben wir nicht. Die Wassermassen kommen und das Gewässer ist zu schwach.“

Eine weitere Option hat das Büro allerdings doch aufgezeigt: Ein Rückhaltebecken oberhalb des Müllheizkraftwerks. Das Becken müsste eine Dammhöhe von mehr als neun Meter haben und würde 160 000 Kubikmeter Wasser fassen. „Ein gewaltiges Bauwerk“, so Göppert. Das Becken wäre mit Baukosten von geschätzten 5,7 Millionen Euro noch einmal etwas teurer, darin sind die hohen Folgekosten für die Unterhaltung noch gar nicht eingerechnet. Außerdem würde die Wasserfläche fast komplett auf den Gemarkungen von Heiningen und Eschenbach liegen. Deshalb sei ein solcher Damm politisch schwer durchzusetzen, wie die Erfahrung zeige.

Am Donnerstag soll der Gemeinderat entscheiden, ob, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, das Büro Wald und Corbe mit der weiteren Planung für die Hochwasserschutzkonzeption beauftragt wird. Das würde „in einem Gesamtpaket“, so Helmut Renftle, auch die notwendigen Schritte an der Fils umfassen (siehe Kasten). Die Kosten werden mit bis zu 60 Prozent vom Land bezuschusst.

Mauern am Filsufer sind verpönt

Flussufer: Die Unter­suchung des Hochwasserrisikos umfasste auch die Fils im Bereich des Göppinger Bahnhofs. Dort kommt es bei sehr hohen Wasserständen zu Problemen – zuletzt vor drei Jahren.

Mauer: Die Problemlösung des Ingenieurbüros sieht „Eindeichungen“ vor. Im Klartext: Auf einer Länge von mehreren hundert Metern müsste zwischen Fils­ufer und Jahnstraße eine bis zu 80 Zentimeter hohe Mauer gebaut werden. „Das widerspricht jedoch dem städtebaulichen Ziel, den Fluss wieder erlebbar zu machen“, sagt Baubürgermeister Helmut Renftle. „Wir versuchen deshalb ohne die Mauer auszukommen.“

Alternative zur Mauer ist der sogenannte passive Hochwasserschutz, das bedeutet den Schutz einzelner Gebäude vor eindringendem Wasser.
Bei Neubauten, beispielsweise der IHK in der Jahnstraße, ist dieser passive Hochwasserschutz vorgesehen. Bei anderen Gebäuden im gefährdeten Bereich entlang der Jahnstraße müsste nachgerüstet werden – beispielsweise mit Klappen oder druckfesten Kellerfenstern.