Srebarna Srebarna lebt

Srebarna / LINDA KOCH, ISABELLE B REICHERT, JENNIFER WENNINGER 10.10.2012
Das zum Unesco-Weltnaturerbe gehörende Naturreservat Srebarna, eine Donau-Aue in Nordbulgarien, beherbergt eine Vielzahl an seltenen Tier- und Pflanzenarten. Das Gebiet liegt an einer wichtigen Zugvogelroute.

Schilfrohre wiegen sich in der sanften Brise. Hoch über den glitzernden Wasserflächen zieht ein Seeadler seine weiten Kreise. In den Duft von Zitronenmelisse gehüllt, erstreckt sich in warmes Sonnenlicht getaucht das Naturreservat Srebarna. Es wird durch die Donau gespeist und zeitweise von ihr geflutet. Der klare Ruf eines Kuckucks dringt durch die Auen - wobei dieser auch in mitteleuropäischen Breiten bekannte Vogel nur eine von 233 dort vertretenen Vogelarten ist. Ein besonderes Schmuckstück des Reservates ist der Krauskopfpelikan, für den das 638 Hektar große Srebarna Naturreservat eine von nur drei Brutstätten in ganz Europa darstellt. Pro Jahr zieht jedes der etwa 60 Brutpaare meist nur ein Junges heran. Mithilfe seines orangerot leuchtenden Kehlsacks beschafft der Pelikan sich und seinem Nachwuchs Fisch, seine Hauptnahrung.

Ausgewachsen kann der Vogel eine Flügelspannweite von bis zu 3,5 Metern erreichen und ist somit einer der größten und schwersten flugfähigen Vögel. Zehn Prozent des Gesamtbestandes der in Europa äußerst seltenen Krauskopfpelikane leben an diesem gerade deswegen so schützenswerten Gewässer. Die majestätischen Vögel mit dem krausen Kopfgefieder locken seit vielen Jahren zahlreiche Forscher und Touristen an. Schon 1875 taucht das Naturreservat als "Eldorado der Wasservögel" in einem Werk des österreichischen Naturforschers Felix Kanitz auf. 1942 wurde es als "Geschützte Brutstätte von Wasservögeln" ausgewiesen. Aber dennoch wäre das Gebiet 1949 durch den Bau eines Dammes an der Donau beinahe zerstört worden. Auf der weitgehend trockengelegten Seefläche sollte neues Ackerland entstehen, jedoch erbrachten die sumpfigen Böden nur niedrige Erträge. Ein weiterer folgenschwerer Eingriff erfolgte 1975, als man das Schneiden von Schilf unterband. Das Zusammenspiel dieser beiden Faktoren führte letztlich zu einer starken Verlandung des Sees, wodurch die Zahl der Brutvögel zurückging.

Glücklicherweise beschloss man daraufhin 1978, den Deich zu öffnen und das Gebiet wieder vom Donauhochwasser fluten zu lassen. Doch die schwimmenden Schilfinseln, auf denen die Pelikane früher ungestört brüten konnten, waren inzwischen festgewachsen. Deshalb baute man künstliche Plattformen, die den Krauskopfpelikan vor Fressfeinden wie dem Schakal schützen. Zudem verhindert eine 450 Hektar große Pufferzone um den See weitere negative menschliche Eingriffe.

Ein Brauner Sichler stakst vorsichtig durch den Sumpf - auch für ihn ist Srebarna die einzige Brutstätte in Bulgarien. Viele weitere stark bedrohte Vogelarten nisten in dem 1983 von Unesco als Naturdenkmal ausgewiesenen Gebiet, darunter auch der Zwergkormoran, eine der 54 national bedrohten Vogelarten Bulgariens. Auch für Amphibien wie die seltene Rotbauchunke, deren Quaken durch die Auen dringt, ist das Reservat ein Paradies. Elegant reckt eine Smaragdeidechse ihren blau schillernden Kopf den warmen Sonnenstrahlen entgegen. Wie ein goldener Pfeil schießt ein Pirol quer über den Himmel. Um diese Artenvielfalt auch zukünftig zu gewährleisten, fördert die Europäische Union das Gebiet mit zahlreichen Schutzmaßnahmen. Ein Beispiel dafür ist die hochmoderne Kläranlage am Seeufer. Da die Bewohner des gleichnamigen Dorfes Srebarna jedoch den Anschluss selbst finanzieren müssen, sind nur wenige Häuser mit der Kläranlage verbunden. Daher ist die Qualität des Wassers starken Schwankungen unterworfen, worunter auch die am See heimische Flora und Fauna leidet. Und viele weitere Gefahren und Probleme wie illegaler Fischfang und Wilderei bedrohen das Naturreservat in seinem jetzigen Zustand. Seine biologische Vielfalt zu bewahren ist eine wichtige Aufgabe unserer Gegenwart.

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