Göppingen Sprachkunst beim Mehrgenerationenfest

Zurückhaltung ist seine Sache nicht. Der polnische Comedian Marek Fis kommentiert mit scharfer Zunge das Zeitgeschehen.
Zurückhaltung ist seine Sache nicht. Der polnische Comedian Marek Fis kommentiert mit scharfer Zunge das Zeitgeschehen. © Foto: Sandra Thurner
Göppingen / SANDRA THURNER 28.07.2014
Die ganze Bandbreite der Sprachkunst erlebten Besucher des Poetry Slams in Göppingen. Feinfühlig bis knallhart waren die Beiträge der Künstler.

Der rote Faden, des so gelungenen Abends der unterschiedlichsten Künstler, wurde zweifellos aus Wortwitz, Sprachakrobatik und grenzenloser Originalität gezeichnet.

Den Auftakt im Festzelt des CVJM bildete die Stuttgarter Liedermacherin Bettina Kienle alias Chantal Fatale; sich selbst begleitend mit Akkordeon und Gitarre. Chantal Fatale sang und bezauberte mit eigens getexteten Chansons, die vom bunten Leben, vom Sterntalerjungen, von Wurstfachverkäuferinnen, kleinen skurrilen Alltagsmomenten und großen Lieben erzählten. Mit tiefsinnigen und humorvollen Versen wie "Ich schau dich so gerne an, und das mache ich diskret konkret, wenn du bestellst" - überzeugte sie textlich und klangschön. "Sing, was ich dir bin. Sing ganz wie du willst und ganz wie du bist." Das hat sich Chantal Fatale selbst zu Herzen genommen. Ein Auftritt, der an Authentizität und gesungener Poesie kaum zu überbieten war.

Der polnische Comedian Wojciech Oleszczak alias Marek Fis dagegen scheute sich nicht der lauten Töne. Fans waren aus weit über den Landkreis hinaus angereist. Marek Fis war im November 2013 neben Bülent Ceylan zu Gast bei der Sendung "Typisch Deutsch?!", die auf RTL ausgestrahlt wurde. Er kann seit 2006 auf eine aufsteigende Karriere im Genre Comedy zurück- und optimistisch nach vorne blicken. Sein Markenzeichen sind eine graue Jogginghose und ein rotes T-Shirt, diesmal mit dem Aufdruck "Ostblock Latino".

Auch in Göppingen rockte er das Publikum mit seinen frechen und originellen Pointen. Seine sarkastische Zunge machte vor nichts halt, die eigene Nationalität inbegriffen. "Puta" ließ er ein Stück Ukraine verschenken und Philipp Lahm kitzelten die Grashalme; als Anspielung auf dessen Größe. Er karikierte Schwulenklischees - "dich polen wir auch noch um" - und machte den VFB zu einem Verein von "Behinderten und in Not Geratenen".

Die RTL-Serien "Bauer sucht Frau" oder "Schwiegertochter gesucht" bekamen gnadenlos "ihr Fett weg". Giftiger ging es stellenweise nicht. Vieles ging unter die Gürtellinie, die für Marek Fis gar nicht vorhanden war. Spürbar war, dass Fis absolut in seinem Element agierte und kreativen Wortwitz und Ironie mit Leichtigkeit transportierte. Er scheute sich auch nicht vor spontanen Aktionen und kommunizierte schlagfertig mit dem Publikum, baute Antworten nahtlos ein und sorgte für viele Lacher.

Nach diesem rasenden Auftritt mussten die Zuschauer erst einmal durchatmen, bevor sie sich dem anschließenden Poetry Slam widmen konnten: Fünf Slammerinnen und fünf Slammer maßen sich in einem poetischen Wettstreit, der sowohl leise als auch laute Töne anstimmte. Leise geht auch.