Bei der Versteigerung des Auktionshauses Hohenstaufen in dessen Räumen am Rosenplatz kamen Lokomotiven und altes Blechspielzeug der Firma Märklin, vereinzelt aber auch Raritäten anderer Firmen, wie etwa Fleischmann, zum Aufruf. Das Auktionshaus war im vergangenen Jahr vom früheren Märklin-Pressesprecher Roland Gaugele, vom Nachrichtenmagazin Spiegel schon als "Mister Märklin" geadelt, und dem vereidigten Sachverständigen für altes Blechspielzeug, Hans Georg Grupp, gegründet worden.

Bereits heute zählt es in diesem Gebiet zu den bedeutensten Auktionshäusern weltweit. Eberhard Haas hat seine Anfahrt aus Remshalden nicht bereut und will wieder kommen: "Das nächste Mal würde ich Geld mitbringen", sagt der Liebhaber von Blechspielzeug.

Bieter waren aus ganz Europa angereist, vor allem aus den benachbarten Benelux-Staaten sowie aus Österreich und der Schweiz. Besonders scharf auf das Blechspielzeug aus good old Germany scheint man in Übersee zu sein. Mit Telefonbietern, die vor allem aus den USA zugeschaltet wurden, seien 65 Prozent des Umsatzes erzielt worden, verrät Grupp. Zahlreiche Interessenten für die über 600 Objekte der ersten Auktion des Hauses hatten sich bereits im Vorfeld gemeldet. "Steht die Leitung?", gehörte daher zu den regelmäßig von Roland Gaugele während der Auktion gestellten Fragen.

Sie standen in Konkurrenz zu den Bietern im Saal, der zu Spitzenzeiten mit bis zu 100 Interessenten knallvoll war. Trotzdem war der Ablauf geordnet, es herrschte gespannte Stille. Wer allerdings die Präsentation der Objekte durch weiß behandschuhte Hände erwartete, wurde enttäuscht. Die jeweiligen Versteigerungsgegenstände wurden beim Aufruf mittels Beamer an die Leinwand hinter dem Auktionator geworfen. Zudem waren sie in einem Katalog verzeichnet.

Auf besonderes Interesse stießen eine Kutsche aus dem Jahre 1895, mit der Eugen Märklin schon gespielt hatte, sowie das 1899 hergestellte, 105 Zentimeter lange Schiff "Resolution", das über einen noch immer intakten Originalantrieb (Uhrwerk) verfügt. 86.000 Euro war das Schiff einem Bieter wert. Die für 5000 Euro aufgerufene Kutsche ging bei 15 500 Euro weg. Weitere Schwergewichte waren eine Dampfmaschine, die 20.000 Euro erzielte. Für die größte Überraschung sorgte der "Südbahnhof" aus dem Jahre 1909, der für 66.000 Euro einen neuen Besitzer fand.

Die Bieter sind scheue Wesen. Ein Teilnehmer aus dem Ostalbkreis verrät den Grund. Die wertvollen Eisenbahnen seien nicht nur für Liebhaber, sondern auch für Diebe höchst interessant. Gaugele weiß dies genau. Er trug maßgeblich zur Ergreifung der Täter des großen Raubs aus dem Märklinmuseum vor knapp zehn Jahren bei.

Ziel des Auktionshauses ist es, Ansprechpartner für Sammler und Händler weltweit zu sein. "Ein Kundenstamm von über 1000 Adressen bietet für Sammler und Händler alter Spielsachen eine Plattform Objekte zu marktgerechten Preisen zu veräußern oder zu erwerben", betont Grupp. Um die angestrebte Rolle einnehmen zu können, solle das Marketing verstärkt werden. Die nächste Auktion ist für die Monate August/September geplant.