Geislingen an der Steige Spiel um Liebe, Träume, Begierde

Kann die Beichte seiner Frau Albertine (Sandra Jankowski) zunächst nicht ertragen: Fridolin (Frank Klaffke) in "Gefährliche Leidenschaft". Foto: Markus Sontheimer
Kann die Beichte seiner Frau Albertine (Sandra Jankowski) zunächst nicht ertragen: Fridolin (Frank Klaffke) in "Gefährliche Leidenschaft". Foto: Markus Sontheimer
Geislingen an der Steige / EVA BECK 25.03.2013
Um Treue und Fantasie, Eifersucht und Freiheit, Liebe und Lust dreht sich das Zweipersonenstück "Gefährliche Leidenschaft", mit dem das Reutlinger Theater Sturmvogel bei der Rätsche in Geislingen gastierte.

Mit der Maske nimmt das Verborgene die Macht an sich. Das Dunkle, Tierhafte. Diese Erfahrung machen Fridolin, Arzt im Wien Anfang des 20. Jahrhunderts - und seine Frau Albertine. Die beiden lieben sich - und können doch die Routine des Alltags schwer ertragen, die auf ihrer langjährigen, bürgerlichen Ehe liegt. Beide flüchten - auf ihre Weise - in erotische Abenteuer, in Rausch und Illusion und wollen doch ihre Liebe nicht aufgeben.

Mit "Gefährliche Leidenschaft" war am Samstag das Reutlinger Theater Sturmvogel zu Gast bei der Rätsche im Geislinger Schlachthof. Schon die Vorlage, Arthur Schnitzlers Traumnovelle, erregte bei ihrem Erscheinen 1926 Aufsehen. Stanley Kubricks Verfilmung "Eyes wide shut" mit Nicole Kidman und Tom Cruise nicht minder. Und Sandra Jankowski und Frank Klaffke haben diese Vorlage - als Schauspieler und Regisseure - spannend, dicht, teils konventionell, teils tabulos umgesetzt. Während Frank Klaffke als Fridolin wie in Trance durch das nächtliche Wien zieht, sich treiben und immer tiefer in einen Sog aus Gefahr und Lust ziehen lässt, zeigt Sandra Jankowski dem Geislinger Publikum ihre Wandelbarkeit. Sie schlüpft in die unterschiedlichsten Rollen, spricht Dialekte, trägt Bart oder Strapse, hochgeschlossenes Kleid, eine aufreizende Maske - oder auch gar nichts. Sie ist die frech-frivole Dirne Mizzie unter der Laterne, Fridolins kecker Studienfreund Nachtigall, liebende, zweifelnde Ehefrau, lüsterne Gräfin.

Das Spiel um Lust und Liebe, Fantasie und Traum, Treue und Eifersucht machte den rund 50 Rätschebesuchern sichtlich Spaß. Denn die Fragen, um die sich das fast 90 Jahre alte Stück drehen, kreisen aktuell wie je in unseren Leben.

Gelungen spielen die Inszenierung - und die beiden Akteure - mit Einsprengsel aus Videoprojektionen, die sie an die Betonwände des Schlachthofs werfen, mit Sound- und Lichteffekten, die das Bühnenbild aus Laterne und Barocksofa aufbrechen.

Und die gefährliche Leidenschaft endet versöhnlich. Albertine und Fridolin gelingt es, sich gegenseitig ihre unterdrückten Begierden und unerfüllten Wünsche einzugestehen - und die des anderen zu ertragen und zu verstehen. Die Krise wird zur Rettung ihrer Liebe.

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