Kreis Göppingen SPD-Kandidatin Heike Baehrens kämpft für Mindestlohn

"Die Schere bei Vermögen und Einkommen klafft zu weit auseinander", sagt SPD-Kandiatin Heike Baehrens.
"Die Schere bei Vermögen und Einkommen klafft zu weit auseinander", sagt SPD-Kandiatin Heike Baehrens. © Foto: STAUFENPRESS
Kreis Göppingen / ARND WOLETZ 28.08.2013
Auf Platz 16 der Landesliste hat sie gute Chancen, für die SPD in den Bundestag einzuziehen. Im NWZ-Redaktionsgespräch machte Heike Baehrens deutlich, mit welchen Themen sie bei den Wählern punkten will.

Zu ihren Haustürgesprächen bringt sie eine Rose mit. Doch stachelig ist sie selber nicht gerade. Der plumpe Angriff auf politische Gegner ist nicht Sache von Heike Baehrens, SPD-Kandidatin im Wahlkreis Göppingen. Im Redaktionsgespräch mit der NWZ kommt kein böses Wort über die Konkurrenz über ihre Lippen.

Stattdessen setzt die Sozialdemokratin auf Argumente, auf Themen, die die Menschen bewegen - und auf das Regierungsprogramm ihrer SPD. Dabei verhehlt sie nicht, dass die derzeit schlechten Umfragewerte aufs Gemüt schlagen, sie sich "ein geschlosseneres Auftreten der Parteispitze gewünscht" hätte und manchen Zank in den eigenen Reihen für wenig hilfreich hält. Abgeschrieben hat sie die angepeilte Regierungsübernahme aber beileibe nicht. Die kommenden Wochen bis zur Wahl werden zeigen, "dass der Wechsel klappen kann", davon ist sie überzeugt. Dabei stellt sie sich klar gegen ein Koalitionsbündnis mit der Linken: "Das ist definitiv ausgeschlossen."

Mit Platz 16 auf der Landesliste stehen Baehrens Chancen nicht schlecht, dass sie als Abgeordnete für den Wahlkreis in das Parlament einziehen könnte, auch wenn sie das Direktmandat nicht holen sollte.

Wissen, wo der Schuh drückt

Bisher hat die 57-jährige Bankkauffrau und Religionspädagogin als Geschäftsführerin im Diakonischen Werk Württemberg Karriere gemacht. Sie ist Mitglied in mehreren überregionalen Verhandlungsgremien und Aufsichtsräten im Sozialbereich. Dennoch weiß die Stuttgarterin dank zahlloser Gespräche inzwischen sehr gut, wo die Menschen im Kreis Göppingen der Schuh drückt. Beispielsweise der Verkehr: Die neue B 10 und die A 8 müssten schnell fertig werden, sagt sie. Die Autobahn sei schließlich ein zentrales Verkehrsprojekt mit Bedeutung weit über den Landkreis hinaus. Sie plädiert dafür, dass sich der Landkreis Göppingen für die A 8 ebenso engagiert einsetzt wie für den Weiterbau der B 10.

Den Ausbau des schnellen Internets, das im Kreis noch "erhebliche Lücken" aufweise, hält sie inzwischen für einen Teil der Daseinsvorsorge auch für Kleinunternehmen und Privathaushalte. Damit liegt sie auf Linie mit ihrem Spitzenkandidaten. Überhaupt Steinbrück: Der sei bisher nicht gerade zimperlich behandelt worden, dabei schaffe er es, "kritisch darauf zu schauen, was die aktuelle Regierung versprochen, aber nicht umgesetzt hat" - etwa eine Reform der Rentengesetze.

Für richtig hält Baehrens auch Korrekturen an der Agenda 2010, die zwar wirtschaftliche Impulse gegeben, aber auch prekäre Beschäftigungsverhältnisse begünstigt habe. Dass Millionen von Arbeitern für weniger als 8,50 Euro pro Stunde malochen, rege die Menschen auch im Kreis Göppingen auf, glaubt sie. Auch das ist eine Erkenntnis vieler öffentlicher Auftritte und von bisher etwa 200 Haustürgesprächen. Zum Mindestlohn gebe es "fast nur Zustimmung". In Deutschland klaffe die Schere bei Einkommen und Vermögen immer weiter auseinander, sagt die gelernte Bankkauffrau. Die von der SPD anvisierte Vermögenssteuer treffe lediglich die fünf Prozent der Spitzenverdiener. Die zusätzlichen Einnahmen von den Konten der besonders Reichen würden ja auch nicht für abstrakte Dinge abgeschöpft, sondern um bessere Bildung, Infrastruktur oder Kinderbetreuung zu finanzieren.

Ein Heimspiel ist für 57-Jährige das Thema Pflege, denn "Gesundheit, Alter und Pflege" ist eines ihrer Fachgebiete im Diakonie-Vorstand. Viele Pflegekräfte steigen ausgelaugt aus dem Beruf aus, beklagt die Kandidatin. Das müsse sich ändern.

Reform der Pflegeversicherung

Als Abgeordnete werde sie helfen, die überfällige Reform der Pflegeversicherung voranzutreiben - und endlich dafür zu sorgen, dass auch Demenz bei der Kostenerstattung besser erfasst werde. Außerdem müsse die Pflegeversicherung entschlackt werden, "denn viele Angehörige blicken gar nicht mehr durch", meint die Kandidatin. Was das Zusammenleben mit älteren Menschen bedeutet, kennt Heike Baehrens auch privat. Sie und ihr Ehemann, mit dem sie seit 1977 verheiratet ist, haben die Schwiegereltern im Alter von 89 und 93 Jahren aufgenommen. Einen Umzug können sie sich nicht vorstellen. Das ist auch der Grund, warum sie nicht in den Landkreis Göppingen ziehen könne, selbst wenn sie hier bald ihren Wahlkreis haben sollte.

Packt sie dafür jetzt bald die Peitsche gegen den politischen Gegner aus? Nein, sie setze auch in der heißen Phase des Wahlkampfs eher auf inhaltliche Gespräche denn auf Massenveranstaltungen, betont die Sozialdemokratin aus Stuttgart. Heike Baehrens hofft auf "intensive Kontakte mit den Menschen". Dann hat sie sicher auch wieder ihre Rosen im Gepäck.

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