Als gegen 20 Uhr ein Sanka mit Blaulicht die Salacher Stauferlandhalle ansteuerte, aber vorbeirauschte, meinte Sascha Binder: „So weit ist es noch nicht, dass man uns mit dem Notarztwagen abholen muss.“ Der Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der SPD räumte aber ein, dass die Sozialdemokraten durchaus Blessuren aus der Bundestagswahl davongetragen hätten. „Das ist kein vorzeigbares Ergebnis“, meinte Binder mit Blick auf das Resultat auf Kreis- , Landes- und Bundesebene. Die Stimmung war nach der ersten Hochrechnung entsprechend verhalten, so manchem Genossen mochte der Kartoffelsalat mit Fleischküchle nicht so recht schmecken. „Ich glaube, ich muss auswandern“, entfuhr es einer Sozialdemokratin bei einer vorübergehenden absoluten Mehrheit von CDU/CSU.

Als die Kreis-SPD den Regierungswechsel abgeschrieben und den Rauswurf der FDP mit Genugtuung quittiert hatte, begann die Zitterpartie um Heike Baehrens. „Ich bin sicher, dass du drin sein wirst“, machte Leni Breymaier, stellvertretende Vorsitzende der Landes-SPD, der Kandidatin, sich selbst und den knapp 100 Genossen in der Stauferlandhalle Mut und plauderte aus, dass Baehrens in Eislingen liebevoll als „Rampensau“ bezeichnet werde. Dass es die Göppinger Bewerberin, die auf der Landesliste Platz 16 einnahm, nach Berlin schafft, war gestern alles, was für die SPD zählte.

Baehrens selbst machte aus ihrer Enttäuschung über das Gesamtergebnis aber keinen Hehl: „Wir hatten auf einen Regierungswechsel hingearbeitet und gedacht, die Zeit des Aussitzens ist vorbei.“ Erschüttert sei sie, dass die AfD eine solche Zustimmung erfahren habe, indem sie Stimmen am rechten Rand gefischt habe. Schon bevor feststand, ob sie auf dem Listen-Ticket in den Bundestag einziehen wird, zog Baehrens eine positive Bilanz: „Was wir machen konnten, haben wir getan“, sagte die 58-Jährige.

Es hat gereicht: Eine halbe Stunde vor Mitternacht konnte Heike Baehrens mit ihrer Familie und ihren Unterstützern anstoßen. Die Erleichterung war groß: „Ich freue mich sehr, dass der Wahlkreis mit zwei Abgeordneten in Berlin vertreten ist.“