Kreis Göppingen Sozialdezernent klagt: Es gibt zu wenig Unterkünfte für Asylbewerber

Mehr als 200 Asylbewerber leben in den Unterkünften in der Pappelallee in Göppingen. Dringend wird weiterer Wohnraum benötigt.
Mehr als 200 Asylbewerber leben in den Unterkünften in der Pappelallee in Göppingen. Dringend wird weiterer Wohnraum benötigt. © Foto: Giacinto Carlucci
Kreis Göppingen / MICHAEL SCHORN 19.07.2014
Im Kreis Göppingen gibt es nicht genügend Platz für Asylbewerber. Die Unterkünfte sind überbelegt, sagt Kreissozialdezernent Hans-Peter Gramlich. Er kritisiert auch das Land und einige Kreiskommunen.

Etwa 515 Asylbewerber leben derzeit im Kreis Göppingen und die Flüchtingsströme reißen nicht ab. Das stellt den Landkreis, der für die Unterbringung der Asylbewerber zuständig ist, vor massive Probleme. Denn aktuell gibt es im Kreis nur Platz für rund 480 Asylbewerber, die Unterkünfte sind überbelegt. "Die Lage ist dramatisch", meint der Sozialdezernent des Landkreises, Hans-Peter Gramlich. Zumal immer weitere Menschen hinzukommen, alleine im Juli sind es 48. Und die angespannte Wohnsituation für die Flüchtlinge werde sich wohl in naher Zukunft noch weiter verschärfen, glaubt der Sozialdezernent.

Die vom Land geforderte Mindestwohnfläche von 4,5 Quadratmetern Wohnfläche pro Asylbewerber werde im Kreis schon unterschritten, so Gramlich. Die grün-rote Landesregierung hat die Mindestwohnfläche vor kurzem noch erhöht. Zum 1. Januar 2016 sollen es sieben Quadratmeter pro Flüchtling sein. "Prinzipiell ist das ja gut. Aber mir ist es angesichts der derzeitigen Lage schleierhaft, wie das funktionieren soll", sagt Gramlich.

"Ich halte es für einen großen Fehler von der Landesregierung, dass sie vor einigen Jahren die Verpflichtung der Kommunen aufgehoben hat, Asylbewerber aufzunehmen. Denn der Kreis hat keine eigenen Unterkünfte und ist jetzt auf die freiwillige Hilfe der Städten und Gemeinden angewiesen. Wir haben keine Durchgriffsmöglichkeiten gegenüber den Kommunen. So ist die Asylpolitik nicht vernünftig machbar."

Nur 16 der insgesamt 38 Kommunen im Landkreis hätten bislang Unterkünfte für Asylbewerber zur Verfügung gestellt. "Teilweise hab ich das Gefühl, dass sich einige Kommunen beim zur Verfügungstellen von Wohnraum für Flüchtlinge nicht so anstrengen, wie es erforderlich wäre", sagt Sozialdezernent Gramlich.

Dabei sollten sich die Städte und Gemeinden im Kreis eigentlich auch untereinander solidarisch zeigen. Denn es könne nicht sein, dass einige wenige Kommunen alles alleine schultern. "Die Stadt Göppingen ist da vorbildlich", lobt Gramlich. "Denn sie hat schon über 200 Plätze für Asylbewerber zur Verfügung gestellt."

Der Sozialdezernent würde sich wünschen, dass wieder die alte gesetzliche Regelung gelten würden, und die Kommunen verpflichtet wären, eine bestimmte Zahl von Asylbewerbern aufzunehmen. "Die komplette Logistik könnte ja weiterhin beim Landkreis bleiben", meint Gramlich. Teilweise fühle man sich schon alleine gelassen mit der Problematik.

Händeringend sucht man im Göppinger Landratsamt nach weiteren Unterkünften im Kreis, ob bei Kommunen oder Privatleuten. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir nehmen alles, was menschenwürdig ist", erklärt Gramlich. "Ideal sind Wohnflächen ab 70 Quadratmetern aufwärts." Von Vermietern sollte auch bedacht werden, dass der Landkreis ein sehr verlässlicher Mieter sei. "Natürlich gibt es einige wenige schwarze Schafe unter den Asylbewerbern. Aber die allermeisten sind ordentliche Leute in einer Notlage, die sich hier bemühen, sich zu integrieren", beugt Gramlich Vorurteilen vor.

Dies zeige auch die Sprachkurskonzeption des Landkreises für die Asylbewerber, der der Sozialausschuss des Göppinger Kreistages jetzt einstimmig zugestimmt hat. Fünf Grundsprachkurse in Deutsch und ein Alphabetisierungskurs werden auf freiwilliger Basis für Erwachsene angeboten. "Die Kurse werden von den Asylbewerbern gut angenommen", erklärt Gramlich. "Erwähnt werden muss, dass das Land fast die gesamten Kosten trägt." Zudem sei das Engagement der Freundeskreise im Landkreis für die Flüchtlinge lobenswert. "Da herrscht eine richtige Willkommenskultur", stellt Gramlich fest.

Der Landkreis Göppingen sucht dringend weiteren Wohnflächen für Asylbewerber. Wer Wohnraum zu vermieten hat oder die Flüchtlinge anderweitig unterstützen möchte, kann sich bei Marco Lehnert vom Aufnahme- und Eingliederungsamt des Landkreises Göppingen unter Telefon: (07161) 202-445 oder unter der E-Mail-Adresse: aufnahmeamt@landkreis-goeppingen.de melden.