Einen „städtebaulichen Glücksfall“ nennt es Werner Stepanek, dass im Zentrum von Faurndau ein historischer Ortskern besteht, der „ein Ensemble mit einer noch kaum veränderten dörflichen Struktur“ aufweist. Selbst der 1330 erbaute Mühlkanal sei in seinem Verlauf noch erkennbar. Solch ein Ensemble gebe es im regionalen Umfeld sonst nicht mehr, schreibt der Vorsitzende der „Initiative Alter Farrenstall“ im Namen seiner Mitstreiter in einem offenen Brief an den Rathauschef und an die Gemeinderäte.

Die Initiative, die vor Jahren mit Hilfe der Stadt den historischen Farrenstall gerettet und saniert hat und derzeit auch das ehemalige Michhäusle renoviert, weitet nun den Blick auf den gesamten Bereich rund um die Stiftskirche mit der Stiftsstraße, der Hirschstraße, dem Freihof, der Friedhofstraße und die Hofgärten. Dieses Ensemble sei es Wert, dass es konsequent erhalten wird. Zumal die Stadt Göppingen in einer Broschüre über den Historischen Rundgang Faurndau selbst dafür wirbt.

Doch die Initiative fürchtet, dass es aktuelle Pläne gebe, mehrere ortsbildprägende Bauerngehöfte abzureißen, „um Platz zu schaffen für eine anders dimensionierte Dorfentwicklung“. Als Beispiele für Gebäude, die auf der Kippe stehen, nennt Stepanek beispielhaft das Haus Hoffmann in der Stiftsstraße 7, das im Besitz der städtischen Wohnbau sei, sowie das Haus Rau nahe der Feuerwehr im Eigentum der Stadt, aber auch ein Privathaus im Adlergässle. Die Initiative warnt davor, das weitgehend erhaltene Dorfbild nachhaltig zu zerstören. „Es wäre fatal, wenn die Stadt Göppingen dieses kulturelle Erbe in Faurndau trotz besseren Wissens den opportunen und rein marktwirtschaftlichen Wünschen opfert“, heißt es in dem Brief. Nicht zuletzt wegen der Stiftskirche, die ganze Busladungen von Besuchern anlockt, habe das Gebiet auch touristische Bedeutung.

Wie es möglich wäre, dass durch den Erhalt von Gebäuden der historische Ortskern von Faurndau als Lebensraum aufgewertet werden kann, zeige neben dem Beispiel Alter Farrenstall auch das Alte Rathaus, das nur vor dem Abriss verschont geblieben sei, weil es von Faurndauer Vereinen vorbildlich saniert wurde.

Historische Bausubstanz „identitätsstiftend“

Der Appell von Stepanek und seinen Mitstreitern bezieht sich „auf die gute und zukunftsweisende Studie zur Entwicklung Faurndaus, die selbst nahelegt, den Ortskern weiter zu stärken und die historische Bausubstanz als identitätsstiftend bezeichnet.“ Immerhin: „Da gibt es gar keinen Dissenz“, sagt Stepanek.

Baubürgermeister Helmut Renftle weist tatsächlich darauf hin, es sei auch im Sinne der Stadt, dass die städtebauliche Qualität im Ortskern erhalten bleibt. Es sei Ziel der anstehenden Mehrfachbeauftragung von Planungsbüros, die Entwicklung im Ortskern entsprechend dem Stadtteilentwicklungskonzept Faurndau weiter fortzuführen und Vorschläge zu bekommen, die im Gremium und in der Bevölkerung diskutiert werden können. Ob die Gebäude, die im Eigentum der Stadt oder der Wohnbau sind, erhalten werden, und ob es Möglichkeiten gibt, eine Nutzung zu finden, sei aber noch nicht entschieden. Das soll gemeinsam mit den städtebaulichen Entwürfen diskutiert werden, so Renftle. Als Anreiz für private Hausbesitzer, in ihre Immobilien zu investieren, bietet die Stadt die Unterstützung bei der Sanierung der Fassaden mit dem Stadtqualitätsprogramm an.

Wie es mit dem Gebiet Freihof weiter gehen soll


Unterstützung Werner Stepanek betont, dass er und die Initiative ausdrücklich die Entwicklung eines neuen Wohnquartiers im Freihof unterstützen.

Ankündigung Baubürgermeister Helmut Renftle kündigte gestern an, der Gemeinderat werde darüber im Februar einen Vorschlag vorgelegt bekommen. Er gehe davon aus, dass es bis Mitte des Jahres Ergebnisse gibt.