Konzert Sommernachtskonzert mit Liedern zur Liebe

Die Mitglieder des Kammerchors boten ein Gesamtkunstwerk, in dem die Sinne angeregt wurde.
Die Mitglieder des Kammerchors boten ein Gesamtkunstwerk, in dem die Sinne angeregt wurde. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Ulrich Kernen 27.06.2018

Hinter der Ankündigung des Göppinger Kammerchors unter der Leitung von Fabian Wöhrle „Das Hohelied der Liebe in Wort und Klang“ verbarg sich kein gewöhnliches Konzert. Jenseits von jeglichem Kitsch und Klischee, fern von allem Schrillen, Deftigen und Vulgären, mit dem man sich beim Thema Liebe heute mehr und mehr abgefunden hat, spürten alle Mitwirkenden in der Göppinger Oberhofenkirche feinste Aspekte auf.

In diesem „Sommernachtskonzert“ wurde das Geheimnisvolle, das Faszinierende lebendig. Da wurde nicht einfach ein Stück ans andere gereiht, sondern alles griff, dem Text des biblischen „Hohenliedes“ folgend, ineinander. Schon die Sprecherin Sybille Schmid trug den Text Salomos emotional bewegt vor. Die Saxophonistin Anne Siebrasse verband in zahlreichen Zwischenspielen zart fantasierend die gesanglichen Beiträge: Nachklingen und Hinführen – ohne Worte!

Die Sopranistin Fanie Antonelou pendelte zwischen Werken des Barock und des 20. Jahrhunderts. In Arien von Monteverdi und Casati steigerte sie die emotionale Spannung durch ausladende Koloraturen und Triller. Grenzen des Gewohnten überschritt sie mit kraftvollen, natürlichen Jauchzern in „Désir“ von Georges Aperghis. In „Kiss my lips, Misses“ von Pascal Dusapin kommunizierte sie mittels Tontechnik sogar mit sich selbst, erotische Geräusche nachahmend.

Ein weiterer Mosaikstein war dazwischen die witzige, provozierende, ernste und herrlich spleenige Rezitation des berühmten Dadaisten Kurt Schwitter „An Anna Blume“: dieses Sprachspiel in der Nähe zum Kabarett beleuchtete das Thema Liebe von einer völlig unerwarteten Seite her. Und in dieses Feuerwerk hinein platzierte Frank Wöhrle fünf Chorwerke: zwei psalmodierende Stücke von Yahezkel Braun, die in kollektives Lachen mündeten; drei zarte Motetten von Ivan Moody, in denen Liebe mit Klängen und Düften des Frühlings verbunden wurden.

Im Sechsachteltakt wiegte sich der Chor dann genussvoll in „Ich hab mich verliebt!“ von Paul Ben-Haim, das in einem schmerz- und lustvollen Schrei gipfelte. Auch Leonhard Lechners Motetten gingen ein ums andere Mal ins Tänzerische über und in Edvard Griegs „Wie bist du schön“ spürte man das Herzklopfen der Verliebten.

So fügte sich alles zu einem Gesamtkunstwerk, in dem die Sinne angeregt wurden. Da war es nur folgerichtig, dass man sich dann noch vor der Kirche zu einem genussvollen Ausklang traf.

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