Schwäbisch Gmünd Soko Mord ermittelt im Wohnmobil

Schwäbisch Gmünd / MARCUS ZECHA 12.01.2012
Wo schreibt man einen Krimi für Camper? Am besten im Wohnmobil und drum herum. Angelika Wesner hat für ihren Debütroman knapp über der Grasnarbe ermittelt. Das Resultat kann sich sehen lassen.

Am Anfang stand die Gründung einer ganz speziellen Sonderkommission: der "Soko Camping". Ihre Mitglieder: Angelika Wesner, ihr Mann Andreas, Tochter Melanie und die Hundedame Schoby. Ermittelt wurde in Italien, Kroatien, den Niederlanden, am Bodensee und im Lautertal. Auf die richtige Krimifährte aber brachte Angelika Wesner der Bogensport-Parcours Donzdorf und der Adelberger Campingplatz.

Doch der Reihe nach. Die Wesners sind schon seit vielen Jahren begeisterte Camper. Ebenso lang haben sie einen großen Traum: ein Wohnmobil. Also bewarb sich die Familie vor gut einem Jahr für die "Camp Trophy 2011". Als Preis lockte ein Campingfahrzeug. Denn jedes der zehn Trophy-Gewinnerteams durfte mit einem niegelnagelneuen Gefährt sieben Monate lang mietfrei reisen.

Nun ist Angelika Wesner nicht nur Ortsvorsteherin in Degenfeld, sondern hat seit vielen Jahren als freie Journalistin, unter anderem auch für die NWZ, ihre Spürnase unter Beweis gestellt. Und ihr Mann ist Kriminalkommissar - Spezialgebiet Spurensicherung. Also gründete das Paar für seine Trophy-Bewerbung kurzerhand die "Soko Camping" und entwarf ein Logo sowie das Handlungsgerüst für einen Krimi. Eine pfiffige Idee, meinte die Jury - und kürte die Wesners unter 1500 Bewerbern zum Gewinnerteam. Im Januar 2011 erhielten sie auf der CMT von den Ausrichtern der Camp Trophy, dem ADAC sowie dem Wohnmobil- und Camperhersteller Knaus-Tabbert, ihr Fahrzeug: den "BoxStar Solution 4". Die große Fahrt konnte beginnen.

In der Folge wurde auf vielen europäischen Campingplätzen ermittelt. Ehrensache, dass einige Begegnungen mit anderen Campern in den Krimi einflossen. Doch bei ihrem Projekt - einer Art Stipendium im Wohnmobil - ließ sich Angelika Wesner nicht nur von den eigenen Erlebnissen inspirieren. "Ich habe die Geschichte mit dem sterbenden Campingplatz in Adelberg sehr aufmerksam verfolgt und in meinem Buch verarbeitet", betont die Journalistin. Und da ihr Mann leidenschaftlicher Bogenschütze ist - seinen Sport betreibt er in Donzdorf auf einem 3D-Parcours -, lag es nahe, den Mordfall mit Pfeil und Bogen in Verbindung zu bringen. Als Angelika Wesner ihren Mann eines Tages nach Donzdorf begleitete und dabei die Spitze eines Gewindepfeils fand, nahm der Krimiplot konkrete Züge an.

Der Mord - wie könnte es anders sein - handelt im Camper-Milieu: Der Unternehmensberater Rüdiger Molch liegt tot im Badesee des Campingplatzes "Swimming Paradise". Bei der Obduktion stellt sich heraus: Molch ist nicht, wie alle glauben, ertrunken, sondern wurde durch einen Pfeil getötet. Seine Pläne, den von Dauercampern dominierten Platz in einen kinderfreundlichen Freizeitpark mit Trainingszentrum für Bogenschützen zu verwandeln, nimmt er mit ins Grab.

Die Soko Camping stößt zunächst auf eine Mauer des Schweigens. Als Ehepaar getarnt schleusen sich deshalb Kriminaloberkommissar Rainer Sommer und seine Kollegin Jennifer Reitmann auf dem Campingplatz ein. Von ihrem Mietwohnwagen aus starten sie ihre verdeckten Ermittlungen. Dabei stellen die Undercover-Ermittler rasch fest: Hinter Gartenzwergkolonien und geranienberankten Veranden verbergen sich menschliche Abgründe. Während sich Jennifer schnell mit dem "Campervirus" infiziert, ist sich Rainer angesichts der Schwächen und Marotten der ihn umgebenden Camper sicher: Er hasst Camping aus tiefstem Herzen!

Info Angelika Wesner: Soko Camping. Der Tod macht niemals Urlaub, 264 Seiten, Taschenbuch. Zu bestellen ist der Krimi über soko.camping@t-online.de.