Gut 30 Grad, die Sonne brennt auf die „Wettkampfbahn“ am Ort der Vielfalt, direkt beim Alten E-Werk in Göppingen. Die Anlage ist aus bestem Beton, Hitzeblasen wie auf der Autobahn gibt es hier auch bei deutlich über 30 Grad Celsius nicht. Auch Fahrer und Zuschauer bleiben cool, auf den Schattenplätzen unter den Linden drängeln sich Zuschauer, Fahrer und BMX-Räder. Der Göppinger Skateverein S.I.S. hat zum Skate-Open-Contest geladen. Skateboards, Scooter und BMX-Räder treten am Samstag in jeweils eigenen Wettbewerben gegeneinander an. So ganz ernst geht es allerdigs nicht zu: „Es geht nicht ums Gewinnen, so richtig auf Sieg fährt keiner“, sagt ein junger Mann, den sie Huddl nennen. Huddl ist Vorsitzender des Göppinger Skate-Vereins, heißt eigentlich Simon Zimmermann, ist aber seit Jahren als Huddl mit und ohne BMX-Rad unterwegs. Der Verein organisiert den Wettbewerb im Göppinger Skatepark. „Das Wichtigste ist: einen guten Tag und Spaß zu haben.“

Na, dann los. Unter der großen Rotbuche direkt an der Beton-Buckel-Piste sitzt die Jury im Schatten, die Scooter fangen an. Die Roller mit den kleinen Rädern sind auch bei Kindern sehr beliebt, deshalb gibt es bei den Scootern eine Qualifikations-Runde, nur die besten sieben kommen in den Finallauf. Die Stimmung ist zwar locker, aber „Kinder, die keine gerade Linie fahren können, sollen heute nicht mitfahren“, sagt Huddl. Warum, das weiß er leider zu genau und zeigt auf die Narben an seinem linken Bein. „Ich war mit dem BMX-Rad hoch in der Luft, unter mir taucht ein Knirps mit Roller auf.“ Huddl hat innerhalb des Bruchteils einer Sekunde die Wahl: „Entweder auf den Kleinen draufknallen oder Rad wegwerfen und irgendwo in der Bahn landen.“ Er entscheidet sich für die zweite Variante und landet mit Scheinbeinbruch und sonstigen Kollateralschäden im Krankenhaus.

Schwamm drüber, ist ja schon zwei Jahre her. Aber klar ist: Die Rot-Kreuzler sind mit ihrem Krankenwagen nicht nur für Hitze-Opfer vor Ort am Theodor-Heuss-Platz. Arbeit gibt es am Samstagmittag für sie nicht, schon im Vorlauf zeigen die Scooter-Piloten, dass sie nicht zum ersten Mal mit ihren Rollern abheben und für einen Moment die Schwerkraft Schwerkraft sein lassen.

Yannik aus Karlsruhe ist der Erste, 45 Sekunden hat er Zeit zu zeigen, was er drauf hat. Er rollt, springt und schleift über die Anlage, „alles sehr safe“, also sicher gestanden, sagt der Moderator. Nach der Dreiviertel-Minute darf jeder nochmal einen Trick nach Wahl fahren, Yannick muss aber erst durchatmen, 45 Sekunden in der heißen Betonwanne können richtig anstrengend sein. Beim dritten Anlauf klappt es: Yannik nimmt Anlauf, fliegt samt Scooter hoch, springt in der Luft ab, gibt dem Roller mit dem Fuß einen Tritt, der Roller dreht sich, bei der Landung steht Yannik wieder auf der Trittfläche. Applaus, der Nächste bitte. Anthony ist 14, dreht und wirbelt sich und seinen Roller, der auch einen Salto macht, noch wilder durch die Luft. „Wirklich richtig krass“, ruft der Moderator ins Mikro, und ein „wirklich richtig krass“ ist schon so etwas wie ein kleiner Ritterschlag. Dann kommt Willi. Aus Wien ist er nach Göppingen gefahren, die Szene ist gut vernetzt. „Vor allem Süddeutschland, Schweiz und Österreich sind heute hier“, sagt Huddl. Der Wiener Willi trägt seinen Scooter in der Luft auf dem Rücken, landet immer wieder sicher. „Jawoll Willi, richtig geil“, dröhnt es aus den Boxen und als – wieder beim dritten Versuch – der Schlusstrick funktioniert, strahlen Willi, Huddl, Jury, Moderator, Zuschauer und Sonne um die Wette.