Theater Shakespeares „Kaufmann“ gefällt im Uditorium

Das Ettlinger Schauspiel-Ensemble bot in Uhingen eine überzeugende Leistung. Im Bild: Christopher Krieg (r.) als Kaufmann Antonio, der für seinen naiven Freund Bassanio bürgt. Hinter ihm: Henrik Pape als Gratiano, Freund von Portias Dienerin Nerissa.
Das Ettlinger Schauspiel-Ensemble bot in Uhingen eine überzeugende Leistung. Im Bild: Christopher Krieg (r.) als Kaufmann Antonio, der für seinen naiven Freund Bassanio bürgt. Hinter ihm: Henrik Pape als Gratiano, Freund von Portias Dienerin Nerissa. © Foto: Giacinto Carlucci
Uhingen / Sabine Ackermann 24.07.2018

Die höchst vortreffliche Historie vom Kaufmann von Venedig. Mit der Grausamkeit des Juden Shylock gegen den erwähnten Kaufmann, von dem er ein richtiges Pfund seines Fleisches schneiden will. Und die Erlangung Portias durch die Wahl von drei Kästchen.“ So lang war einst der Titel des anno 1600 erstmals veröffentlichten Werkes von William Shakespeare. Das klingt irgendwie sperrig. Und doch: Auch heute gilt Shakespeare als weltweit bedeutendster, Mainstream-tauglicher Dramatiker.

Shakespeare erhebt nie den moralischen Zeigefinger, will nicht belehren, sondern zeigen. Eigenschaften, die sich Intendant Udo Schürmer sowie das 14-köpfige Darsteller-Team in der Parabel über den Verlust  menschlicher Gefühle zu Herzen genommen haben. Links und rechts zwei große Stellwände mit angedeuteten Gebäudeansichten, dazwischen ein etwa 30 Zentimeter hohes rotes Podest – mehr gibt das Bühnenbild nicht her. Ebenso aufs Wesentliche reduziert die Requisiten der Schauspieler zu den jeweiligen Szenen sowie die musikalische Untermalung: Nur zweimal tanzt das maskierte Volk ausgelassen zu den mittelalterlich anmutenden Melodien.

Recht außergewöhnlich sind die Kostüme von Birgit Barth. Versetzt einen die Garderobe der Damen mit viel Wohlwollen gerade so in jene Epoche, wirkt die Kleidung der Männer zumindest unterhalb der Gürtellinie wie eben mal aus dem Schrank geholt. Sehr findig dagegen: die fantasievollen Jacken und Westen aus Jeansstoff, die mit Rüschen, Volants, Glitzerknöpfe oder bunten Stoffen ihren eigenen Charme hatten. Gleichfalls raffiniert gelöst, dass die Protagonisten als Überraschungseffekt mitunter wie aus dem Nichts von allen Seiten auf die ungewohnt kleine Bühne kommen.

Bis in die kleinste Rolle gut besetzt, gehen die Hauptakteure  ihre jeweilige Figur offensiv an, ohne zu überzeichnen. „Ein jeder hat seine Rolle, und meine heißt nun mal Melancholie“, sagt Kaufmann Antonio (Christopher Krieg) zu Bassanio (Jörg Pauly) und bürgt für seinen naiven Freund, der sich vom Geldverleiher Shylock (Peter Kempkes) für die Heirat mit seiner geliebten Portia (Maya Müller) 3000 Dukaten auf drei Monate leiht. Ganz in blutrot gehüllt, ist Shylock im Grunde ein nicht beachteter „trauriger Judenmensch“, der Rache will und vehement auf sein Recht pocht.

Dies ist nur ein Handlungsstrang von vielen, die zwischen Venedig und Belmont mal düster-schwermütig, mal freudetrunken die Moral jedes Einzelnen und der damaligen Gesellschaft aufzeigen. So macht sich bei Portia und ihrer Dienerin Nerissa (Juliane Fechtner), die sich fast auf Augenhöhe befindet, Reichtum und Bildung bemerkbar, beide sind starke, kluge Frauen, die über die Männerwelt lästern und sich als Personen des Rechts sehen. Dagegen schämt sich Shylocks Tochter Jessica (Isabel Kott) ihrer Herkunft und flüchtet mit Lorenzo (Tobias Gondolf) nach Belmont.

Nach über zwei Stunden gab es viel Applaus für ein unaufdringlich und ergreifend gespieltes Stück über Hass, Blasiertheit und intrigantes Verhalten. Udo Schürmer beleuchtet die Charaktere stets nah an Shakespeares Worten und versteht es dennoch, in zeitlosen Szenen den Staub der Jahrhunderte wegzublasen.

Ex-Schultes Wolfgang Rösch unter den Gästen

Spielort „Wir haben uns schwer getan, doch es ist berechtigt, es regnet in Strömen“, unterstreicht Bürgermeisterin Carmen Marquardt die Entscheidung, ins Uditorium zu gehen.

Dank Bereits 1978, zum 800-jährigen Klosterjubiläum, freute sich ihr Vorvorgänger Wolfgang Rösch, der am Sonntag ebenfalls anwesend war, über eine Finanzspritze des Fabrikanten Erni. „Bleiben Sie bitte unser Hauptsponsor“, so Marquardt, die Vorsitzende des Kultur- und Kunstvereins Adelberg, zum Geschäftsführer Wolfgang Vetter, der die Familie Erni vertrat.

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