Göppingen Serie: Geschichten aus der Göppinger Hauptstraße

In der Hauptstraße 38 in Göppingen befand sich über viele Jahrzehnte das Hutgeschäft der Familie Lang. Foto: Margit Haas
In der Hauptstraße 38 in Göppingen befand sich über viele Jahrzehnte das Hutgeschäft der Familie Lang. Foto: Margit Haas
MARGIT HAAS 24.04.2013
Die Göppinger Hauptstraße hat im Laufe der Zeit immer wieder ihr Gesicht verändert. Die NWZ will in einer Serie Geschehen und Gebäude der Straße und ihre wechselvolle Geschichte vorstellen.

Ihr 100-jähriges Bestehen hätte die Firma Lang im vergangenen Oktober feiern können, wenn sie nicht vor wenigen Jahren ihr Geschäft in der Hauptstraße 38 geschlossen hätte. 1912 hatten Mina und Adolf Lang das Fachgeschäft für Hut- und Filzwaren von Carl Kreeb übernommen und ihr Geschäft für Herrenhüte, Mützen und Herrenartikel eröffnet.

Nach dem Stadtbrand hatte sich hier ein Weißgerber niedergelassen, später ein Nadler feine Nadeln hergestellt. Mina und Adolf Lang verkauften bis lange nach dem Krieg auch weiterhin Filzprodukte wie übergroße Filspantoffeln oder Gipser-Filze, auf denen es sich Knie schonend auf dem Boden arbeiten ließ. Denn Hüte waren in dieser Zeit des Mangelns nicht sehr gefragt.

Freilich wurden viele Hüte umgearbeitet und so verlegte sich Adolf, der Sohn des Gründers, auf Reparaturen. Denn wenn auch kein Geld im Haus war: Ohne Hut ging Mann nicht aus dem Haus. Die Tochter von Adolf Lang, Gisela Weinert, hat sich vor Jahren erinnert:. Nach dem "Abgarnieren" der Hüte wurden die "Stumpen", also die "formlosen Dinger wie vom Geißenpeter oder vom Wurzelsepp" zunächst gewaschen und dann wieder in Form gebracht. Dann wurden sie wieder garniert und erschienen nun wie neu. 1980 hatte Gisela Weinert das Geschäft übernommen. Sie bot nicht nur Herrenhüte und -mützen an, sondern erweiterte das Sortiment um Hemden und Strickwaren, um Ärmelhalter und Accessoires. Doch dann lohnte sich das Geschäft nicht mehr. Hüte trug kaum mehr jemand, große Kaufhäuser und Herrenausstatter boten alles, was Mann gerne trägt. Seit einigen Jahren gibt es in der Hauptstraße 38 Erinnerungen an die eigene Kindheit zu kaufen: Geschirr, Gläser, Spielwaren oder Möbel bietet ein Antiquitätengeschäft an.