Göppingen Serie: Geschichten aus der Göppinger Hauptstraße

Die Hauptstraße 29: Hier eröffnete einst Johann Jakob Rau einen Webstoffladen. Foto: Margit Haas
Die Hauptstraße 29: Hier eröffnete einst Johann Jakob Rau einen Webstoffladen. Foto: Margit Haas
Göppingen / MARGIT HAAS 22.04.2013
Die Göppinger Hauptstraße hat im Laufe der Zeit immer wieder ihr Gesicht verändert. Die NWZ will in einer Serie Geschehen und Gebäude der Straße und ihre wechselvolle Geschichte vorstellen.

Eine moderne Bankfiliale findet sich seit Jahren im Gebäude Hauptstraße 29. Nach dem Stadtbrand hatte Johann Jakob Rau hier einen Webstoffladen eröffnet. Gleichzeitig wollte er eigene Web-stühle aufstellen für "leinene, baumwollene und halbseidene Zeuge". Er wollte bereits Ende des 18. Jahrhunderts die Textilherstellung von der Hausweberei in eine industrielle Produktion überführen. "Der herzogliche Rat hatte gegen sein Gesuch nicht viel einzuwenden und Rau erhielt am 4. September 1790 die Erlaubnis zur Errichtung der ersten Barchantfabrik in Göppingen mit sechsjähriger Zollfreiheit", überliefert eine historische Quelle. Der Begriff Barchent oder Barchant kommt aus dem arabischen und meinte ursprünglich "Stoff aus Kamelhaar". Er ist ein Mischgewebe aus Baumwolle und Leinen, das auf einer Seite glatt und auf der anderen aufgeraut ist. Ein Viertel Jahrhundert lang gab Rau 30 bis 40 Webern Arbeit, zeigte sich als Arbeitgeber sehr sozial und stiftete 1839 das Grundkapital zur Gründung der Wilhelmshilfe. Sein Sohn führte das Unternehmen nicht weiter fort. Er produzierte beim heutigen Bahnhof Blechwaren. Das Haus in der Hauptstraße ging an Kaufmann Friedrich Mozer über, später kaufte es Karl Gentner.

Ende des 19. Jahrhunderts gründete Karl Riede sein "Spezereien"-Geschäft, also seinen Gewürzhandel, hier. Sein Sohn verkaufte dann zusätzlich auch Sämereien und Kleintiere, dann eröffnete der Göppinger Konsumverein eine Zweigstelle. Im Haus hatten in den 30er Jahren auch zwei Ärzte ihre Praxis: die Kinderärztin Ottilie Budde und der Dentist Eugen Schneider. In den 70er Jahren war anstelle des Konsumladens der Textilfachhandel "Hosen-Reiter" eröffnet worden. Hier wurde die Jeans, die damals ihren weltweiten Siegeszug angetreten hatte, in allen denkbaren Variationen angeboten. Nach dem Umzug des Geschäftes in die Grabenstraße öffnete eine Bankfiliale (heute Targo-Bank).