"Es handelt sich um die ältesten profanen Wandmalereien nördlich der Alpen." So stimmte der Göppinger Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß die Besucher im Storchen auf den Vortrag über "Die einzigartigen Wandmalereien des Kreuzzuges Kaiser Friedrich Barbarossas im Saalbau der Gamburg" ein. Tatsächlich fasziniert diese mittelalterliche Ausgestaltung der Burg die Fachwelt ebenso wie Laien. Zum einen haben die Malereien selbst eine ungewöhnliche Geschichte, waren bei Renovierungsarbeiten vor 30 Jahren eher zufällig ans Tageslicht gekommen. Zum anderen begeistern die Protagonisten der Bilder.

Goswin von Mallinckrodt, Burgherr auf der Gamburg und Kunsthistoriker, kennt die bisher freigelegten Flächen wie seine Westentasche. Seine Begeisterung für die Kunst des zwölften Jahrhunderts, die den ungewöhnlichen Saalbau der Gamburg schmückt, übertrug sich schnell auf die Besucher seines Vortrages. Zu sehen ist nämlich eindeutig Kaiser Friedrich Barbarossa während seines Kreuzzuges, als er in die Stadt Adrianopel (heute Edirne an der türkisch-bulgarischen Grenze) einritt. Eindeutig ist der Kaiser zu erkennen und auch sein Begleiter ist kein Unbekannter im Landkreis. Es ist der Würzburger Bischof und Kanzler des Kaisers, Gottfried von Spitzenberg. Mit dabei und den Kreuzzug überlebt hatte der damalige Burgherr Beringer von Gamburg. Als er ins Taubertal zurückkehrte, ließ er die Burg aufwendig ausbauen und ausgestalten. "Damit wollte er die Nähe zu den Staufern zeigen."

Die in vielen Details gemalte Stadt zeigt Verzierungen, die sich auch im großen Saal der Gamburg finden lassen. Zu sehen ist die Überfahrt über den Hellespont mit einem typischen Drachenboot. Auch hier begleitet der Kanzler seinen Kaiser. "In einer weiteren Szene sehen wir die älteste Darstellung eines Rosspanzers", so der Referent. An der Südwand des Saales wurde "nur eine Befundinsel freigelegt", bedauerte der Wissenschaftler. Und dies, obwohl es sich dabei vermutlich um die Hauptseite des Saales handelte. Bislang sperre sich aber der staatliche Denkmalschutz gegen weitere Untersuchungen. Zu sehen ist ein Wagen, der von einem Mann "mit damals hochmodernen Puffärmeln" gelenkt wird. Handelt es sich dabei um den Leichenzug Barbarossas?. Wohl nicht. "Es ist eher ein ganz normaler Gepäckwagen."