Ehingen Seltene Tiere im Museum

Hier teilt sich ein Affe mit einem Fuchs die künstliche Landschaft im Ehinger Museum. Fotos: Julia-Maria Bammes
Hier teilt sich ein Affe mit einem Fuchs die künstliche Landschaft im Ehinger Museum. Fotos: Julia-Maria Bammes
JULIA-MARIA BAMMES 08.04.2015
Eine ungewöhnliche Sammlung präsentiert sich Besuchern im Ehinger Museum: Über 100 Jahre alte ausgestopfte farbenfrohe Vögel und andere Tiere. Es sind Arten dabei, die es heute nicht mehr gibt.

Das Äffchen hält eine Walnuss in der Hand, es schaut ein wenig irritiert. Kein Wunder. Der Affe muss sich sein Zuhause mit einem Fuchs, einem Igel und so anderen Waldtieren teilen. Der kleine Affe ist Teil der Tiersammlung, die das Ehinger Museum präsentiert. Sowohl die Sammlung als auch deren Geschichte sind ungewöhnlich.

Eine Meldung im "Volksfreund für Oberschwaben" vom September 1891 belegt, dass Friedrich Kaulla, der damalige Besitzer des Rittergutes Oberdischingen, die Sammlung an das Ehinger Gymnasium schenkte, berichtet Stadtarchivar Dr. Ludwig Ohngemach. Außer Vögeln umfasste sie damals auch Vierfüßler, von Raubtieren ist die Rede, sowie Käfer, Schmetterlinge und Vogeleier. Auch ohne Raubtiere macht die Sammlung staunen: Die Vogelsammlung umfasst den wahrscheinlich vollständigsten Bestand einheimischer Arten, der aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben ist. Viele Vögel, die heute bei uns ausgestorben sind, sind zu sehen. Außerdem gibt es drei Schaukästen mit tropischen Vögeln. Deren Gefieder leuchtet so bunt, dass man es kaum glauben mag, dass die Tiere schon seit mehr als einem Jahrhundert tot und konserviert sind.

Eine Großtrappe ist ausgestellt, außerdem Zeisige, Finken, ein Pirol, ein Bienenvogel, Dohlen, eine Blauracke, verschiedene Eisvögel. Brachvögel recken elegant ihre langen und leicht gebogenen Schnäbel. Ein Handkatalog erklärt Besuchern, um welchen Vogel und welches Tier es sich handelt.

Irgendwann muss die Sammlung das Gymnasium verlassen haben, schreibt Ohngemach. Später gingen die Kisten in den Besitz des Bezirksaltertumsvereins über und gelangten in dessen Museum. Die Kulissen imitieren den natürlichen Lebensraum der jeweiligen Arten. Hinter den Schneehühnern erhebt sich etwa ein Gebirge, Seevögel tummeln sich am gemalten Bodensee. Jene Kulissen geben auch einen Hinweis auf die Entstehung der Sammlung, berichtet der Stadtarchivar: Auf einer der Malereien ist die Ruine von Schloss Montfort am Bodensee zu sehen. Die Mauern wurden Mitte der 1850er Jahre abgetragen und durch einen Neubau ersetzt. Im Vordergrund ist das Dampfschiff "Kronprinz" abgebildet, das im Jahr 1839 in Dienst gestellt wurde.

Risse an den Kästen wurden mit Leinwand und Papier verschlossen. Mit besonderem Papier. Zum Teil handelt es sich laut Ohngemach um Abfallpapier aus der Zeit des sogenannten Malefizschenken, Graf Franz Ludwig Schenk von Castell (1736 bis 1821). Daneben finden sich Zeitungen aus der Kaulla'schen Zeit, das heißt nach 1851. Geht man also davon aus, dass die Kästen gleichzeitig entstanden sind, dürfte dies nach 1851 gewesen sein.

Info Geöffnet ist das Museum am Viehmarkt 1 mittwochs 10 bis 12 Uhr sowie 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 14 bis 17 Uhr.