"Verantwortlich und schuldig" fühlt sich Wim Wenders gegenüber Arthouse-Kinobetreibern. Denn die haben vor vier Jahren eigens wegen Wenders Dokumentarfilm "Pina" auf 3-D umgerüstet - und dann ist nicht mehr viel nachgekommen im Bereich des ambitionierten Kinos. 3-D sei aber nicht nur für Action und Spektakel gut, findet der deutsche Regisseur: "Das wäre ein Riesenskandal in der Filmgeschichte, wenn eine solche unglaubliche Chance mit solch phantastischen Ausdrucksmöglichkeiten ungenutzt vorbeistreichen würde." Und so hat er nun das Drama "Every Thing Will Be Fine" in 3-D gedreht.

Wenn man es nun nicht nett mit Wenders meint, könnte man behaupten, die dreidimensionalen Bilder täuschten Tiefgang vor, wo er in der Story fehlt. Nun, einerseits wirken die Bilder in ihrer Raumwirkung sehr sorgfältig komponiert, ob in Naturaufnahmen oder Innenaufnahmen. Andererseits kommt der Film nur langsam voran und ist nicht gerade durchgehend von glühender Intensität.

Der Anfang der Geschichte ist allerdings durchaus packend erzählt: Die Szene, in der der Schriftsteller Tomas einen Jungen überfährt, geht unter die Haut. Und damit nimmt das Drama seinen Lauf. Hätte Tomas (James Franco) früher bremsen können? Hätte die Mutter Kate (Charlotte Gainsbourg) ihre Söhne nicht mehr draußen spielen lassen dürfen? Hätte der ältere Bruder, Christopher, besser aufpassen müssen?

Wenders begleitet die Figuren von da an mehr als zehn Jahre lang. Tomas' Beziehung zu seiner Freundin (Rachel McAdams) zerbricht, erlässt andere Menschen nicht mehr an sich heran, aber er reift als Autor und feiert Erfolge. Kate kapselt sich ab, auch Christopher hat schwer an der Geschichte zu tragen.

Es geht also weniger um Schuld und Sühne denn um Schmerz, Verantwortung und um (Selbst-)Vergebung. Wenders' Inszenierung ist ruhig und gediegen. Desplats melancholische Musik wirkungsvoll. Das Drehbuch des Isländers Bjørn Olaf Johannessen aber wirft psychologisch und emotional allerhand Fragen auf. Info D/CAN/F/S/N 2015, 118 Min. FSK 12