Göppingen Schwäbische Leistungsverdichtung

Nicht immer korrekt gekleidet präsentierten sich Hannes (Albin Braig, re.) und der Bürgermeister (Karlheinz Hartmann) dem hellauf begeisterten Publikum.
Nicht immer korrekt gekleidet präsentierten sich Hannes (Albin Braig, re.) und der Bürgermeister (Karlheinz Hartmann) dem hellauf begeisterten Publikum. © Foto: Sabine Ackermann
Göppingen / SABINE ACKERMANN 08.10.2014
"Hannes und der Bürgermeister" ist noch immer Garant für guten schwäbischen Humor. Der bauernschlaue Amtsbote Hannes lockte in Göppingen die Besucher zwei Mal in Scharen in die Stadthalle.

"Do muss mer scho schnell sei, sonschd gibt's koine Karda meh", wissen eingefleischte Fans von "Hannes und der Bürgermeister". Seit 1985 (ab 1994 im Südwestrundfunk) ziehen Albin Braig als loyaler und bauernschlauer Amtsbote und der selbstgefällige Dorfschultes alias Karlheinz Hartmann Jung und Alt in die Komedescheuer "Mäulesmühle" ins Siebenmühlental bei Leinfelden-Echterdingen.

Doch was ist eigentlich so Besonderes an dem Komiker-Duo, das harmlos, aber nicht einfältig, eigensinnig, aber nicht starrköpfig, fast wie nebenbei die Hallen im Südwesten füllt? Es ist die geniale Mischung aus Episoden, humorvollen Szenen, zwar einfach gestrickt, aber stets auf den Punkt gebracht - aus dem Leben eben. Und es ist die Musik, die mal witzig, mal nachdenklich den perfekten Rahmen gibt. Die kommt von den schwäbischen Haus- und Hof-Mundartmusikern "Herrn Stumpfes Zieh & Zupfkapelle", bestehend aus Manfred "Manne" Arold, Michael "Flex" Flechsler, Marcel "Selle" Hafner und Benny "Banano" Jäger.

Begeistert das Quartett quasi als musikalisches Hauptamt im Rathaus, sind der Dorfschultes und dessen Bote gleichwohl die Zugpferde. Besonders der Hannes, denn ohne ihn läuft im Rathaus nichts. Deshalb werden die Hierarchiestufen zwischen Dienstherr und Amtsboten permanent umgekehrt. Fast wie bei einem alten Ehepaar. Keiner kann ohne den anderen, der Mann (Bürgermeister) hat die Hosen an, und die Frau (Hannes) hat das Sagen. Kein Wunder, bei dem gemeinsamen Hobby aus der Schreibtischschublade, sind beide dem Alkohol verfallen. Hat der Schultes schwer mit der Bürde des Amtes sowie dem "unterbelichteten" Naturell seines Untergebenen zu tragen, schlägt Hannes ("Ich höre mich nicht ,nein sagen") keinen der vielen Schnäpsle aus. Zumal er dadurch besser "nachdenken" kann.

Trotzdem oder gerade drum erweist sich Hannes fortwährend als bauernschlauer Retter in der Not, selbst wenn der Weg seiner Worte vom Hirn zum Mund ständig "durcheinander wuseln". Gespickt mit raffiniert verpackten Doppeldeutigkeiten und Anzüglichkeiten sind die beiden auch bisweilen am Puls der Zeit. War doch das Büro des Bürgermeisters verwanzt! Amerikanische Geheimagenten, des Schwäbischen eher nur bedingt mächtig, überwachten den Telefonverkehr. Und wenn dann eine Berg- und Tal-Bahn zur "Taliban" wird, eine harmlose Verabredung "ob am a Doschdig odr ob am a Freidig" und der verabredete Wochentag danach bombensicher eingehalten wurde, bekam das Thema anhand der Stichworte "Obama" und "Bomben" die nötige Würze.

Herrlich "bleed" dann die Espresso-Bohnen-Probier-Aktion, wobei sich Hannes nach dem Genuss von 36 Tassen buchstäblich müde schafft. In einer Nacht prüfte, genehmigte und stempelte der Amtsbote alle unbearbeiteten Akten, eine Leistungsverdichtung-Initiative, die zwar der Landrat, nicht jedoch der Bürgermeister zu würdigen wusste. Denn letzterer wurde vom Friedhofsamt benachrichtigt, dass am Wochenende der halbe Gemeinderat verstorben sei. "Des han i für die Schnarchzapfa vom Friedhofsamt älles wegschafft", so der Hannes, der mit seinen fünf Mitstreitern unter tosendem Beifall noch eine kleine Zugabe vom Stapel ließ.

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