Hat Göppingen eigentlich ein Wappentier, möchte Annika Fehling von ihrem Publikum wissen? Bis Donnerstagabend nicht. Denn bei ihrem Konzert im rappelvollen Engel beschloss die sympathische Singer-Songwriterin mit einhelliger Zustimmung aller Gäste, dass das fortan der "Schwabenwolf" sei. Nur eines von manchem humorigen Wortspiel aus dem Mund der Sängerin, die das Publikum im charmanten "Denglisch", nicht nur stimmlich in ihren Bann zog. Annika Fehling, 1962 in Visby, der Hauptstadt der Insel Gotland geboren, ist musikalisch in Americana, Folk und Pop verwurzelt und verstand es scheinbar mühelos, mit ihrem eigenwilligen, bisweilen verspielten Gitarrenspiel und einfühlsamen aussagekräftigen Liedern das Publikum zu verzaubern.

Ihre langen blonden Haare, die meist geschlossenen Augen und der melancholische Gesichtsausdruck harmonierten wunderbar zu ihren selbstgeschrieben Liedern, die Zeugnis ihrer Gedanken waren und fast eine Art Botschaft waren. Übergreifend erhellten ihre klangschöne harmonische Singstimme sowie die wohl dosierten Klänge ihrer Akustikgitarre den Raum. Bei einigen Titeln wie "Long to go" oder "I know better" kam zeitgleich zur Gitarre noch die Mundharmonika zum Einsatz.

Prima, dass die Gäste auch zuhörten und sich nicht wie schon oft in Gaststätten erlebt, ungeachtet der Künstler ungeniert unterhielten. So herrschte nicht nur bei einem ihrer Lieblingslieder, dem schwedischen Folksong "Kristallen den fina" absolute Stille, während sie mit hoher klarer, aber nie zu schriller Kopfstimme und sanftem Saitenspiel von den feinen Kristallen sang. Viel hat sie zu erzählen, fast wirkt Annika Fehling wie eine "gute alte Bekannte" auf der Bühne. Sie lacht, scherzt, ruft ein fröhliches "Jahuuuuu" hinaus und ruft so den Schwabenwolf ins Gedächtnis. Auch der etwas poppigere, mit kräftigen Akkorden untermalte Song "Stop" kam gut an. "Stop - Take a Moment to wonder", eine musikalische Aufforderung mal zur Ruhe zu kommen. Annika Fehling geht in ihrer Musik auf, fühlt jedes Wort und jeden Ton, und diese Leidenschaft überträgt sich auf die Zuhörer.

Kleiner Überraschungsgig, als sich Walter Dieterle, Hirschwirt aus Glems und nächster Gastgeber, zu der Sängerin gesellte und mit ihr "If i were a carpenter" von Led Zeppelin schmetterte. Ein durch und durch stimmiges Konzert mit einer hervorragenden Künstlerin, das wieder mal zeigt: es müssen nicht immer die großen Hallen sein.