Göppingen Schuler gibt weiter Vollgas

Gestern wehten Schuler-Fahnen vor der Göppinger Stadthalle. Um weiter zu wachsen, will der Konzern verstärkt in China Flagge zeigen. Foto: Giacinto Carlucci
Gestern wehten Schuler-Fahnen vor der Göppinger Stadthalle. Um weiter zu wachsen, will der Konzern verstärkt in China Flagge zeigen. Foto: Giacinto Carlucci
SUSANN SCHÖNFELDER 19.04.2012
Rekordergebnisse, deutliche Kursgewinne und wieder eine Dividende für die Aktionäre: Der Göppinger Pressenbauer Schuler schwimmt auf der Erfolgswelle. Wachstumsmotor ist vor allem das Asiengeschäft.

"Wir alle können stolz sein auf unsere preisgekrönte Innovationskraft und den exzellenten Geschäftserfolg", meinte Vorstandschef Stefan Klebert. "Schuler hat ein hervorragendes Jahr hinter sich", beim Auftragseingang erreichte der Konzern mit 1,32 Milliarden Euro den höchsten Wert in der 170-jährigen Unternehmensgeschichte. Klebert geizte gestern nicht mit Superlativen, als er den Aktionären bei der Hauptversammlung in der Göppinger Stadthalle die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahrs präsentierte. Nach einer rasanten Talfahrt während der Krise hat sich das börsennotierte Unternehmen nicht nur berappelt. Vielmehr befindet sich der Technologie- und Weltmarktführer in der Umformtechnik im Höhenflug.

"Das Durchhalten hat sich gelohnt", dankte der Vorstandschef den Aktionären, dass sie der Schuler AG auch in schwierigen Zeiten die Stange gehalten haben. Ihre Treue wird belohnt: Erstmals seit sechs Jahren zahlt der Konzern wieder eine Dividende. Dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat, etwa 5,8 Millionen Euro auszuschütten (25 bzw. 12 Cent je Stückaktie), stimmten die 440 Aktionäre, die zur Hauptversammlung gekommen waren, mehrheitlich zu.

Dass es "ihrem" Unternehmen wieder gut geht, belegen die Zahlen: Der Konzernumsatz stieg im Geschäftsjahr 2010/11 um 47,4 Prozent auf 958,5 Millionen Euro und habe damit etwa wieder das Vorkrisenniveau erreicht, erklärte der Vorstandsvorsitzende. In diesem Jahr peilt Schuler einen Umsatz von mindestens 1,1 Milliarden Euro an - "da bildet unser Auftragsbestand von mehr als einer Milliarde Euro ein gutes Polster", ist Klebert optimistisch. Mit einem Jahresergebnis von 23,9 Millionen Euro ist das Unternehmen in die Gewinnzone zurückgekehrt, nachdem es 2010 noch einen Verlust von 11,8 Millionen Euro vermelden musste. "Heute ist die Finanzlage von Schuler stabil und deutlich verbessert", fasste Klebert zusammen. Die Eigenkapitalquote stieg von 16 auf 23 Prozent, mittelfristig werden mindestens 30 Prozent angestrebt. Erfreulich für die Anteilseigner ist auch der Kurs-Verlauf, der steil nach oben zeigt.

"Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein wichtiger Teil unseres Erfolgs", betonte der Vorstandschef. Schuler setze daher auf eine gute Ausbildung und biete den Azubis anschließend einen unbefristeten Arbeitsvertrag an. Konzernweit werden 300 junge Menschen in 15 Berufen ausgebildet. Insgesamt beschäftigt Schuler derzeit 5168 Mitarbeiter - das entspricht einer Steigerung von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die neuen Stellen wurden sowohl im In- als auch im Ausland geschaffen.

Weiteres Wachstum hat der Konzern auch in Zukunft im Visier. Dabei vertraut die Schuler-Chefetage nicht allein auf die konjunkturelle Entwicklung, sondern konzentriert sich auf zehn strategische Marktsegmente. "Damit wollen wir unabhängiger von den Konjunkturzyklen der Automobilindustrie werden", erklärt Klebert. Der Vorstandsvorsitzende verspricht sich vor allem beim Ausbau des Service-Bereichs ein "erhebliches Wachstums- und Umsatzpotenzial" und rechnet damit, in einem Jahr den Aktionären von einem weiteren Rekordjahr berichten zu können.

Dass der Pressenbauer sein China-Geschäft massiv ausbauen will, stieß nicht bei allen Zuhörern auf Zustimmung. "Wie zuverlässig ist dieses Land? Wird das nicht in einem Fiasko enden?", fragte einer der Anteilseigner. Stefan Klebert ist jedoch überzeugt: "Wachstum heißt immer auch neue Märkte. Und hier kommt keiner an China vorbei." Der Vorstandschef sieht ein "ungeheures Potenzial" in diesem Land, bereits im vergangenen Geschäftsjahr habe Schuler dort 32 Prozent des Konzernumsatzes erzielt. Der Pressenbauer wird daher stärker als bisher in China "Flagge zeigen" und seine Produktionskapazitäten von derzeit 5000 auf 15 000 Quadratmeter erweitern. Der Spatenstich ist für kommende Woche geplant. Auch Vertrieb und Service sollen an verschiedenen Standorten in China ausgebaut werden. Schuler will dafür rund 16 Millionen Euro investieren, die Zahl der Mitarbeiter soll auf rund 300 steigen (derzeit sind es mehr als 200).

Das Thema regenerative Energie kam in Kleberts 22-seitigem Bericht nicht vor. Auf Nachfragen zweier Aktionäre, was denn aus dem Thema Windkraft geworden sei, antwortete Klebert, dass die Suche nach einem Partner andauere: "Wir sind noch in Gesprächen, und die sind nicht ganz einfach." Er geht jedoch davon aus, bis Mitte des Jahres ein Ergebnis vermelden zu können.