Kreis Göppingen Schulen wappnen sich gegen Amokläufe

Um sich im Extremfall verständigen zu können, erhält jede Schule im Landkreis Göppingen einen so genannten Pager. Foto: Archiv
Um sich im Extremfall verständigen zu können, erhält jede Schule im Landkreis Göppingen einen so genannten Pager. Foto: Archiv
JAKOB KOTH 18.04.2012
Manche Schulen sind schon mit Notfallmaßnahmen im Falle eines Amoklaufes vertraut. Nun soll landesweit jede Schule mit einem "Pager" ausgestattet werden, der die Schule ständig erreichbar macht.

Mittlerweile sind drei Jahre seit dem schrecklichen Ereignis vergangen, das jedem im Gedächtnis geblieben sein wird: Bei einem Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden tötete ein 17-Jähriger 15 Menschen und am Ende sich selbst.

Die Handynetze waren schnell überlastet, weil viele der verzweifelten Schüler versuchten, mit ihren Eltern in Kontakt zu treten, Informationen drangen nur schwer nach außen. Doch gerade die sind in solchen Fällen lebenswichtig.

Seit dem Massaker im Jahr 2009 hat sich an den Schulen einiges getan: Sicherheitskonzepte wurden überarbeitet und verschiedene Vorkehrungen getroffen, um in Zukunft schneller reagieren zu können. Nun wird darüber hinaus jede Schule im ganzen Landkreis, beginnend mit dem 23. April, einen so genannten Pager erhalten. Das Ziel sei es, mit dem Gerät einen Alarmweg zu schaffen, der unabhängig vom Mobilfunknetz funktioniert und nur im Krisenfall eingesetzt werden soll, erklärt Hans-Jörg Polzer, Leiter des staatlichen Schulamtes Göppingen. Wer den Pager trägt, mit dem im Ernstfall eine bis zu 160 Zeichen lange Notfallmeldung abgesetzt werden kann, ist dabei Sache der jeweiligen Schule. Auch Gefahrensituationen wie ein Schulhausbrand können mit dem Gerät schnell gemeldet werden.

Dejan Mrkaja von der Pressestelle Göppingen berichtet, dass in Gemeinschaftsarbeit der Polizei und Feuerwehr auch ein neues Anti-Amok-Konzept ausgearbeitet wurde. "Ebenfalls werden in den Schulen die Lautsprechersysteme in Zukunft über ein externes Telefon oder den Pager ansteuerbar sein um vor dem Amokläufer zu warnen", erklärt Mrkaja. Auch sollen spezielle Schulungen für Lehrer und Schüler auf ein richtiges Verhalten im Ernstfall vorbereiten. "Bei einem drohenden Amoklauf muss von den Betroffenen ein ganz anderes Verhalten an den Tag gelegt werden, als beispielsweise bei einem Brand", sagt Polzer und fährt fort: "Anstatt sich vom Gebäude zu entfernen, gilt es, sich beim Amoklauf in Rückzugsorten wie einem abgeschlossenen Klassenzimmer zu verbarrikadieren."

Zu dem überarbeiteten Sicherheitskonzept gehört auch, dass jede Schule ein so genanntes Krisenteam bereithält, das weiß, um was es sich im Ernstfall zu kümmern hat. Darüber hinaus gehören detaillierte Gebäudepläne, die auch der Polizei vorzuliegen haben, zum festen Bestandteil des Konzepts. Diese Pläne müssen wiederum jedes Jahr aktualisiert werden. So soll gerade bei größeren Gebäuden ein Eingreifen der Einsatzkräfte erleichtert werden. Auch die Funktionsfähigkeit der Pager solle regelmäßig überprüft werden.