Betreuung Schülerhort: Nach der Grundschule ist Schluss

Im Schülerhort Barbarossa werden ab Sommer nur noch Grundschüler aufgenommen. Die Proteste der Eltern älterer Kinder waren vergebens.
Im Schülerhort Barbarossa werden ab Sommer nur noch Grundschüler aufgenommen. Die Proteste der Eltern älterer Kinder waren vergebens. © Foto: Staufenpress
Göppingen / ARND WOLETZ 12.01.2017

Eltern, die darauf angewiesen sind, ganztags zu arbeiten – das ist keine Seltenheit. In Göppingen hatte ihnen bisher der Schülerhort Barbarossa an der Lorcher Straße ein gutes Angebot gemacht. Hier konnten auch Kinder der 5. und 6. Klasse bis in den Abend hinein betreut werden. Doch im Sommer ist damit Schluss. Sehr zum Leidwesen mancher Eltern hat der Gemeinderat beschlossen, dass der Schülerhort nur noch Grundschulkinder aufnimmt.

Die betroffenen Eltern haben eine Unterschriftensammlung ans Rathaus geschickt mit der Bitte, die Entscheidung zu überdenken. Begründung: Es bestehe über die Grundschulzeit hinaus ein hoher Bedarf an Betreuung bis 17 Uhr. Außerdem sei die pädagogische Qualität bei der Betreuung an den Ganztagsschulen nicht mit der im Schülerhort vergleichbar, denn dort übernimmt Fachpersonal die Aufgabe. Immer wieder wechselten auch Kinder von der Ganztagsbetreuung der Grundschulen in den Schülerhort, da die Eltern dort nicht zufrieden seien, hieß es in einem Schreiben an den Ober­bürgermeister.

Die Stadtverwaltung beruft sich darauf, dass es mittlerweile an allen weiterführenden Schularten Ganztagsangebote gibt, mit denen die Fünft- und Sechstklässler gut zurecht kämen. Klagen seien nicht bekannt.

Das sah auch die klare Mehrheit der Stadträte so. Da nutzte es auch nichts, dass die Grünen-Fraktion im Rahmen der Etatberatung nochmals beantragte, das bisherige Angebot zu belassen. Lediglich einige Sozialdemokraten stimmten ebenfalls für die Beibehaltung. Ulrich Drechsel, Fachbereichsleiter für Schulen, Sport und Soziales bei der Stadtverwaltung, nannte  den Schülerhort für die Klassen 5 bis 6 ein „Luxusangebot“. Außerdem werde es nur von einer Handvoll Eltern nachgefragt.

Das will Margitta Burkhardt, Vorsitzende des Elternbeirats, so aber nicht gelten lassen. Denn auch viele derzeitige Viertklässler im Schülerhort würden das Angebot gerne weiter nützen. Sie nennt das Beispiel eines Ehepaars, bei dem beide Elternteile arbeiten müssen, „und zwar nicht zur Selbstverwirklichung“. Für sie reiche die Ganztagsbetreuung der Schulen schon zeitlich nicht aus. Auch viele Alleinerziehende, die keine Großeltern in der Nähe haben, seien auf verlässliche Betreuung der Kinder angewiesen. In den Ferien werde an weiterführenden Schulen nichts angeboten.

In seinem ausführlichen Antwortschreiben hatte Oberbürgermeister Guido Till Verständnis für die Anliegen der Eltern gezeigt sowie in Aussicht gestellt, die Qualität der Schulkindbetreuung intern nochmals zu diskutieren, um beispielsweise dem Wunsch nach einer Ferienbetreuung für die Fünft- und Sechstklässler gerecht zu werden. Es sei aber vom Land politisch gewollt, dass die Ganztagsbetreuung an den Schulen stattfinden solle. Hort und Ganztagsbetreuung könne die Stadt auf Dauer nicht parallel finanzieren.

Margitta Burkhardt berichtet, dass den betroffenen Eltern nun nichts anders übrig bleibe, als auf eine Einzelfallregelung zu hoffen.

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