Musik Schüler für Mangelinstrumente sind gesucht

Mihoko Stock-Shiraga mit einer ihrer Schülerinnen. Die Musiklehrerin an der Jugendmusikschule Göppingen, einst Mitglied im Opernorchester Stuttgart, weiß: Wer besondere Instrumente wie Fagott gut beherrscht, wird von den Orchestern mit Handkuss genommen.
Mihoko Stock-Shiraga mit einer ihrer Schülerinnen. Die Musiklehrerin an der Jugendmusikschule Göppingen, einst Mitglied im Opernorchester Stuttgart, weiß: Wer besondere Instrumente wie Fagott gut beherrscht, wird von den Orchestern mit Handkuss genommen. © Foto: JMS
Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 07.04.2018

Eigentlich ist jedes Instrument ein ganz besonderes. Allerdings gibt es in einem Orchester bestimmte Anforderungen, um Konzertstücke wie etwa eine Beethoven-Sinfonie spielen zu können. So benötigt man etwa Geigen in größerer Zahl ebenso wie Bratschen, Celli oder Kontrabässe. Bei den Holzbläsern sieht es schon anders aus. Bei den Oboen oder Fagotti treten sie paarweise in Erscheinung, bei den Blechbläsern wie der Tuba oder dem Euphonium oft nur eines, bei den Hörner sind sie manchmal zu dritt oder zu viert, bei den Posaunen können es je nach Komponist auch mehr sein.

Die Göppinger Jugendmusikschule bietet deshalb samstags regelmäßige Informationen zu Instrumenten an, auch um ihren Nachwuchs zu sichern. „Besonders gefragt sind Spieler von sogenannten Mangelinstrumenten“, sagt Stadtmusikdirektor Martin Gunkel, weil diese Instrumente von relativ wenigen Menschen erlernt würden.

Deshalb möchte die Jugendmusikschule mehr Kinder und Jugendliche dazu ermuntern, ein solches Instrument zu erlernen. „Wir unterstützen es dadurch, dass solch ein Instrument in kindgerechter Form und Größe sowie zu besonders günstigen finanziellen Bedingungen ausgeliehen werden kann“. Ein früher Einstieg unter qualifizierter Anleitung sei enorm wichtig und es werde neben dem regulären Instrumentalunterricht auch das frühe Zusammenspiel in kleinen Gruppen oder Orchestern gefördert.Mihoko Stock-Shiraga beispielsweise, die Mitglied im Opernorchester Stuttgart war, unterrichtet an der Jugendmusikschule Fagott. Sie ist begeistert, dass es spezielle Kinderfagotti gibt, mit denen man schon im Grundschulalter mit dem Unterricht beginnen kann. Bereits nach etwa zwei Jahren könne man schon in verschiedenen Orchesterformationen mitspielen, sagt die Japanerin, die in Detmold Fagott studiert hat und seit 20 Jahren in Stuttgart lebt. Wenn ein Kind ein Instrument in einer kostenlosen Schnupperstunde ausprobieren wolle, sei das jederzeit möglich, aber die Eltern sollten in jedem Falle dabei sein, sagt sie.

Und sie erzählt schmunzelnd von einem jungen Geiger, der gesagt habe, wenn seine Schwester nur den Fagottkoffer aufmache, dürfe sie schon mitspielen. Tatsächlich sind die besonderen Instrumente so gefragt, dass sie mit Handkuss genommen werden – bei gutem Spiel versteht sich –, denn in einem Orchester werden alle Instrumente gebraucht. „Die Schüler wachsen in eine Marktlücke hinein“, so Stock-Shiraga.

Wenn man sie beim Unterrichten beobachtet, stellt man fest, wie individuell sie auf den jeweiligen Schüler oder die jeweilige Schülerin eingeht. Schon das Zusammenbauen der fünf Teile des Fagotts ist eine kleine Kunst. Seinen italienischen Namen „il fagotto“ verdankt das Fagott, das im 16. Jahrhundert in Frankreich entstanden ist, diesem „Bündel“. Und das schmucke und mehrfach gekrümmte Rohr von knapp drei Metern Länge mache „ordentlich was her“, so Gunkel, der schon den nächsten Glanzpunkt im Orchesterleben des Jugendsinfonieorchesters im Blick hat, nämlich im kommenden Mai ein Konzert in der Basilica dei Santi Giovanni e Paolo in Venedig im Rahmen des Venezia Music Festivals. Da werden sie dann Beethoven, Mendelssohn und Schostakowitsch aufführen, bei denen alle Instrumente gefragt sind.

Orchester brauchen genügend Nachwuchskräfte

Jugendsinfonie Das Orchester der Göppinger Jugendmusikschule gehört inzwischen zu den gefragtesten Jugendsinfonieorchestern, auch auf internationaler Bühne. Und seitdem die jungen Musiker in der New Yorker Carnegie Hall aufgetreten sind, muss deren Leiter Martin Gunkel immer wieder Angebote ablehnen, weil sie ausgebucht sind. Damit aber das Leistungsniveau des Ensembles gehalten werden kann, mahnt Gunkel, brauche es im Orchester eben auch genügend Nachwuchs- und Ersatzkräfte bei den besonderen Instrumenten.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel