Ausstellungsbesuchern fallen als erstes die Skulpturen und Reliefs ins Auge, die Klaus Hack mit Axt, Säge und Stechbeitel aus Holzböcken herausholt. Die rätselhaft-mystisch anmutenden und im Wortsinn vielschichtigen Gebilde bringen die Fantasie des Betrachters schnell auf Betriebstemperatur. Bei allen, die sich nicht damit begnügen möchten, das handwerkliche Geschick des Künstlers zu bewundern, folgt die Frage nach seiner Intention. Wer ist O.T. in gleich doppelter Ausführung? Warum stehen ihm die Haare zu Berge? Ist er auf dem Sprung zur Flucht? Hält er sich erschrocken den Mund zu oder lacht er sich eins ins Fäustchen? Schreit aus dem weit aufgerissenen Mund der lebensgroßen Figur namens „Schreikleid“ Schmerz, Angst, Entsetzen, Wut oder aber pure Freude und Lebenslust?

Es bleibt dem Betrachter überlassen die fantastischen Figuren je nach Tageslaune und -Befindlichkeit zu deuten. Welche psychische Verfassung des Künstlers sich Ausdruck verschafft, wenn er einen babylonischen Turm zum Reifrock mutieren lässt oder eine menschliche Gestalt mit unzähligen Fensteröffnungen zum Fantasiegebäude macht, bleibt ein Geheimnis. Die kompakten Skulpturen und Reliefs, deren Holzstruktur mit weißer Farbe unsichtbar gemacht wurde, zeigen sich mit ihrer rauen Oberfläche kantig-grob und fragil-durchlässig zugleich. Gebäude oder menschliches Wesen? Die grafische und serielle Züge aufweisenden Werke, die viel Geduld und Akribie vermuten lassen, vereinen bauliche Architektur und menschlichen Körperbau. Die zahllosen Öffnungen gewähren nicht nur Einblicke und vermitteln das Gefühl, es gäbe in ihrem Innersten etwas Verstecktes zu entdecken. Sie machen die „zweite Haut“ auch filigran und verletzlich.

Verletzlich wirken auch die bizarren Wesen auf Hacks kleinformatigen Bildern. Dass sie dicht geballt nebeneinander hängen, macht die Einzelnen nicht zur Gruppe. Vielmehr scheinen Individualität und Einsamkeit auf dem schmalen Flur, der die Wahrnehmung als Gesamtbild gar nicht zulässt, verstärkt zum Ausdruck zu kommen. Auch die großformatigen Holzschnittdrucke zeigen menschliche Figuren bei denen der Fokus meist auf der Umhüllung, dem Kleid, liegt, in dem sie sich verbirgt. cz