Storchen Schoenhuts grandiose Spielzeugwelt im Storchen

Göppingen / Margit Haas 26.12.2017
Göppingen widmet dem Spielzeugfabrikanten Albert Schoenhut die Weihnachtsausstellung im Storchen.

Zu allen Zeiten verlassen Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen ihre Heimat. Nur wenigen gelingt die sprichwörtliche Tellerwäscher-Karriere. Albert Schoenhut ist so jemand. Der Göppinger Drechsler wanderte nach Philadelphia aus und wurde dort zum weltgrößten Spielzeugfabrikanten. Das Göppinger Stadtmuseum „Storchen“ zeigt derzeit als erstes Museum überhaupt eine umfassende Schau seiner Spielwaren.

Museumsleiter Dr. Karl-Heinz Rueß plante die Schau schon lange und hatte im Vorfeld Kontakt mit Nachkommen des erfolgreichen Unternehmers und mit vielen Sammlern. Sie stellten ihre Schätze für die Ausstellung im ersten Stock des Museums großzügig zur Verfügung. Die Stadt verfügt aber auch selbst über einen kleinen Fundus.

So wird etwa in der Dauerausstellung zur Spielzeuggeschichte im Dachgeschoss eine der Zirkuswelten von Albert Schoenhut gezeigt. „Er hielt Kontakt zu seiner Heimatstadt“, weiß Dr. Rueß. Bei einem dieser Besuche war er wohl auch bei der Firma Schmohl. Im Firmennachlass hat sich ein Katalog Schoenhuts erhalten, der die ganze Vielfalt von Schoenhuts Spielzeugwelt zeigt und der ausgestellt ist. „Man“ und auch „frau“ möchte noch einmal Kind sein und sich mit den Schätzen in der Zeit verlieren.

Großformatige Fotos empfangen die Besucher. Sie zeigen, mit welcher Liebe zum Detail die Figuren selbst in großen Stückzahlen hergestellt worden waren. Sie waren ganz aus Holz. Die Gelenke von Armen und Beinen waren beweglich, Hände und Füße hatten Kerben, so dass sie auf einem Seil oder einem Stuhl balancieren und auf einem Pferd stehend reiten konnten. „Der Werkstoff Holz war um 1900 eigentlich schon veraltet“, so Rueß. Aber eben die Beweglichkeit und damit die Vielseitigkeit der Figuren im Zirkus, auf dem Bauernhof oder auf der Safari mit dem ehemaligen Präsidenten Teddy Roosevelt machten ihren besonderen Reiz aus. „Sie erzählten Geschichten und damit war Schoenhut nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa erfolgreich“. Er war nämlich der einzige Spielzeugfabrikant, der auch den europäischen Markt belieferte. Für einige Puppen importierte er Porzellanköpfe aus Thüringen – sie blieben aber die Ausnahme.

„Die größte Erfolgsgeschichte“, so Rueß, war der „Humpty Dumpty Circus“, den Schoenhut 1903 vorstellte. In einzelnen Sets konnte die Zirkuswelt ständig ausgebaut und erweitert werden – auch um ein etwas skurril aussehendes Känguru. Auch die Tiere waren aufwändig gestaltet. Ohren und Schwanz waren aus Leder, Haare aus Fell oder Wolle. So schuf der Spielzeugfabrikant relativ realistische Lebenswelten. Die Ausstellung zeigt aber auch zahlreiche weitere Spiele wie ein Bau-Spiel oder einen Skispringer, der durch die Luft katapultiert wird. „Alles funktioniert noch.“ Schoenhut war auch der erste, der Kinderbuchfiguren aus der Zwei- in die Dreidimensionalität holte und Max und Moritz zum Anfassen schuf.

Selbstständig gemacht hat sich Albert Schoenhut, dessen Vater und Großvater schon Holzspielzeug in Göppingen hergestellt hatten, mit dem „toy piano“. Es ist die einzige seiner Erfindungen, die bis heute produziert wird – freilich nicht mehr von der Familie. „In den wirtschaftlichen Krisenzeiten der 1930er Jahre ging das Unternehmen unter“.

Schoenhut hatte das „toy piano“ in verschiedenen Ausführungen hergestellt und es klingt bis heute unglaublich voll. Tatsächlich gibt es bis heute Komponisten und Künstler, die sich ganz diesem Instrument verschrieben haben.

Die Ausstellung zeigt nicht nur einen Querschnitt durch die Spielzeugwelt von Albert Schoenhut. Ausgestellt ist auch das Wochenblatt aus dem Jahre 1866, das seine Auswanderung öffentlich macht. Und ebenso der Nachruf vom 24. Dezember 1912, der anlässlich seines Todes in der „Göppinger Zeitung“ erschienen war.

Öffnungszeiten und Begleitprogramm zur Ausstellung

Öffnungszeiten Die Weihnachtsausstellung im Storchen ist dienstags bis samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr zu sehen (bis einschließlich 8. April). Führungen auf Anfrage sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich, Tel. (07161) 650-191.

Führungen Geführte Rundgänge werden am 7., 17. und 29. Januar, am 15. Februar, 8. März und 8. April, jeweils ab 15 Uhr angeboten.

Vortrag Am 30. Januar geht es im Storchen um das Thema „Von Göppingen nach Amerika – Auswanderung im 19. Jahrhundert“.

Konzerte Am 24. Februar, 19.30 Uhr, gibt es im Zimmertheater Haus Illig ein Toy-Piano-Konzert mit Isabell Ettenauer, Vera Kappeler und Peter Konradin unterm Titel : „Schoenhuts Traum – Nacht der Toy Pianos“. Am 25. Februar, 11 Uhr, gibt es im Storchen ein Matinee-Konzert mit Isabell Ettenauer unter dem Titel „The Joy of Toy”. Es schließt sich eine Führung durch die Ausstellung an.

Buch Im Februar erscheint ein Band zur Ausstellung.

Info Weitere Informationen gibt es unter www.goeppingen.de/museen.

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