Radschnellweg Schnell nach Stuttgart radeln

Kreis Göppingen / Peter Buyer 05.06.2018
Der Verkehrsclub Deutschland will auch in Göppingen aktiv werden. Besonders Rad- und Bahnverkehr sollen gefördert werden.

Tschüss Schatz, ich radle mal eben zum Termin, nach Stuttgart.“ Wenn der geplante Radschnellweg durch das Filstal bis nach Stuttgart irgendwann gebaut ist, könnte „Schatz“ mit einem routinierten Kopfnicken oder: „Ja, ja, pass auf dich auf“ antworten. Bis die schnelle Fahrradstrecke fertig ist, wird noch viel Verkehr auf der B 10 fließen.

Womit klar ist: Der Bedarf für Alternativen zum Auto und zur Bahn ist da. Das haben die Macher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) schon lange erkannt. Am Montagabend hatte der Landesverband Interessierte ins Göppinger Bürgerhaus eingeladen, um über Radschnellwege und stillgelegte Bahnstrecken zu informieren und zu diskutieren. Fachkundige Hilfe kam aus dem Landratsamt, dort kümmert sich der Radbeauftragte des Landkreises, Marco Schwab, um das Thema Rad und damit auch die Radschnellwege. Der Landkreis plant einen solchen Weg von Geislingen bis zur Kreisgrenze in Ebersbach, von dort soll er über Plochingen auf den vom Land geplanten Schnellweg über Esslingen bis nach Stuttgart verlaufen. Verkehrsminister Winfried Hermann treibt derzeit drei Radschnellwege im Land voran. Bis 2025 soll es zehn solcher Radschnellwege im Land geben, „auf lange Sicht 30“, sagt Schwab. Das alles hat vor allem das Ziel, den Verkehrsanteil des Fahrrads deutlich zu steigern. Im Blick haben die Macher dabei den Alltags-Verkehr mit dem Rad, vor allem Pendler, weniger die Sportler oder Freizeit-Pedaleure.

Für den vom Landkreis geplanten Radschnellweg im Filstal von Geislingen Richtung Plochingen ist derzeit eine Machbarkeitsstudie in Arbeit. Die genaue Routenführung ist noch unklar. Nahezu kreuzungsfrei sollen die Trassen sein, um Geschwindigkeit von mindestens 20 Kilometern in der Stunde möglich zu machen. Dazu vier Meter breit, damit zwei Radfahrer nebeneinander fahren können und trotzdem noch Platz für Gegenverkehr oder Überholende ist. Die Studie soll dann die Grundlage für mehr öffentliche Beteiligung am Projekt sein. Die Planer haben auch die Strecken rechts und links der Filstal-Fahrradautobahn im Blick. Die alten Bahntrassen in der Region könnten eine wichtige Zubringer-Funktion für den Schnellweg haben. Der „Bähnles-Weg“ auf der alten Trasse der Hohenstaufenbahn von Schwäbisch Gmünd nach Göppingen ist schon ein ausgebauter Radweg, auch auf der Trasse der Boller Bahn ist so ein Radweg gut vorstellbar.

Und wie verträgt sich das mit der Idee, die Boller Bahnstrecke für den Schienenverkehr zu reaktivieren? Kein Problem, sagt Schwab. Wenn die Bahn kommt, hat die Vorrang. Unterstützt wird er dabei auch vom Allgemeinen deutschen Fahrradclub (ADFC). Die Bahn habe Priorität vor dem Rad, sagt ADFC- Kreisvorsitzender Dirk Messer. Und mit Blick auf die Hohenstaufentrasse, auf der angesichts des immer stärker werdenden Verkehrs auf der B 297 irgendwann auch wieder Züge fahren könnten, sagt er: „Wir sind dafür, vorhandene Radwege für eine Bahnstrecke zu opfern.“ Das ist dann wirklich noch ganz leise Zukunftsmusik, nicht nur weil die Trasse gerade in Birenbach für eine Handvoll Parkplätze unterbrochen wird. Zügiger voran kommt sicher der Radschnellweg.

Verkehrsclub Deutschland bald auch im Landkreis?

Verband: Ins Bürgerhaus geladen hatte der Landesverband auch, um den VCD in den Landkreis Göppingen zu bringen, in dem es bisher noch keinen eigenen gibt. Dieser wurde von dem guten Dutzend Interessierter zwar auch am Montag nicht gegründet, aber ein Anfang ist gemacht, einige Interessierte wollen sich wieder treffen. Der Bedarf ist jedenfalls da, meint Klaus Arnoldi, stellvertretender Vorsitzender des VCD Baden-Württemberg. Themen gäbe es genug, vor allem rund ums Rad. Voranbringen würde es die Sache auch, findet der Kreisvorsitzende Dirk Messer vom Allgemeinen deutschen Fahrradclub (ADFC). Messer und der ADFC sind seit Jahrzehnten im Landkreis beim Thema Rad und Verkehr sehr umtriebig unterwegs. „Wenn sich mehrere Vereine und Verbände für ein Ziel einsetzen, werden sie schneller gehört als ein einzelner Verband.“

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