Dialog Schmerzhafte Schäge und rote Ohren

Stadtarchivar Karl-Heinz Ruess (links) mit älteren und jüngeren Diskussionsteilnehmern.
Stadtarchivar Karl-Heinz Ruess (links) mit älteren und jüngeren Diskussionsteilnehmern. © Foto: Margit Haas
Göppingen / Margit Haas 20.03.2018

Schmerzhafte Schläge, „Tatzen“, auf die empfindlichen Handflächen, langgezogene Ohren, die noch Stunden später rot glühen – die körperliche Züchtigung war bis vor wenigen Jahrzehnten normaler Schulalltag. Erst die Sechziger und Siebziger mit ihren einschneidenden gesellschaftlichen Umwälzungen brachten auch frischen Wind ins Bildungswesen. Die antiautoritäre Erziehung wurde propagiert, gar der „Antipädagogik“ das Wort geredet.

Heute ist das eine wie das andere nicht mehr vorstellbar. Beim „Dialog der Generationen“ in der Erzählwerkstatt des Stadtseniorenrates Göppingen ließen sich Schüler von heute von Senioren in einen Schulalltag mitnehmen, der sich in fast Allem von ihrem unterscheidet. Die Zeitzeugen hatten im Bürgerhaus in den Jugendlichen der Klasse 9c der Hermann-Hesse-Realschule um den Lehrer Jürgen Schölch aufmerksame Zuhörer, als sie ihren Schulalltag in den 30er, 40er und 50er Jahren erinnerten. „Gab es Schikanen“, wollte ein Schüler wissen. „Es war eher so, dass die Lehrer überfordert waren und falsch reagierten“, so ein älterer Herr. Ein anderer hatte einen dünnen Bambusstock mitgebracht, mit dem der Lehrer die gefürchteten Tatzen verteilte.

Bevor Jung und Alt miteinander ins Gespräch kamen, stimmte Stadtarchivar Dr. Karl-Heinz Rueß in das Thema ein, hatte die Veränderungen „vom Rohrstock zum Kinderladen“ aufgezeigt. Und konnte aus dem eigenen Erleben berichten. Als er 1960 eingeschult wurde, gab es noch die Prügelstrafe. In der kleinen Dorfschule „waren alle acht Klassen zusammen unterrichtet worden“.

Ganz anders sah der Schulalltag der Nachkriegsgeneration aus. „Es gab die Hoover-Speisung, weil viele Menschen wirklich arm waren und nichts zu essen hatten“. Ein anderer älterer Herr erinnert sich an „Ohrfeigen, wenn die Schrift nicht wirklich schön war“. Christa Hell vom Stadtseniorenrat moderierte eine der Gesprächsrunden. Wie war der Schulalltag? Hatten alle die gleichen Bildungschancen? Was war die prägendste Erinnerung? Im Vorfeld hatten sich die Realschüler Fragen überlegt und so „sprechen wir miteinander und nicht übereinander“, freute sich die engagierte Seniorin.

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