Bad Boll Schmackhafte Wildkräuter

INGE CZEMMEL 11.08.2012
Giersch, Gundermann und Brennnessel - wie schmackhaft und zugleich gesund Wild-pflanzen sind, erfuhren beim Sommer der Ver-Führungen die Gäste bei einem Kräuterspaziergang rund um Bad Boll.

Wer bisher dachte, dass Wald und Wiesen ausschließlich dem tierischen Speiseplan dienen, wird beim Sommer der Ver-Führungen von Gerda Sautter schnell eines Besseren belehrt. "Die Bezeichnung Kräuterspaziergang ist eigentlich ein bisschen irreführend", erklärt die Gästeführerin von der Schwäbischen Landpartie, denn eigentlich handelt es sich bei dem "Grünzeug", das auf Wiesen zum Verzehr geerntet werden kann um Wildpflanzen und Wildgemüse.

Der frauenlastigen Gästeschar, die nur durch drei interessierte Herren verstärkt wird, ist schnell klar: Wer frisches Gemüse und wohlschmeckende Kräuter ernten möchte, braucht keinen Garten. Die Vorteile der Wiesenernte liegen auf der Hand: "Man muss nicht säen, nicht gießen und sich nicht über Schnecken ärgern", erklärt Gerda Sautter, räumt aber ein: "Es gibt in der Pflanzenwelt allerdings auch Dinge, die man nicht essen sollte. Deshalb sollte man wissen, was essbar und wertvoll ist." So fordert sie die 20 Teilnehmer bei dem Rundgang in Bad Boll auf, sich zwei Pflanzen vorzunehmen und zu merken.

"Also, jede merkt sich zwei andere", verabredet ein Vierergrüppchen, das gemeinsam in den Startlöchern steht und vorhat, den Speiseplan künftig mit selbst gesammelten Wildpflanzen anzureichern. Nur ein paar Schritte vom Badhotel Stauferland entfernt erstreckt sich die von der Sonne beschienene "Übungswiese". Die den Gästen als Draufgabe gebotene fantastische Sicht auf das umliegende Panorama wird nicht lange gewürdigt. Die Blicke wenden sich schnell dem saftigen Grün am Boden zu, um nach Spitz- und Breitwegerich Ausschau zu halten, den die Expertin bereits in der Hand hält. "Der Daumennagel muss leicht durch gehen, dann ist die Pflanze zart", erklärt sie die Erntetechnik. Sautter, die auch über die Heilwirkung der einzelnen Pflanzen Bescheid weiß, fordert zum Probieren auf.

Als nächstes zeigt sie den Giersch, auch Zipperlein- oder Gichtkraut genannt. "Rotklee hilft bei Wechseljahresbeschwerden", verrät die Führerin weiter. Die Blütenköpfchen sind gesund? Schwuppdiwupp sind sie im Mund. Frisch von der Wiese in den Mund ist ohnehin eine der Devisen bei der Wildpflanzenernte. Ansonsten empfiehlt Gerda Sautter sortenreines Pflücken. "Auf keinen Fall in Plastik-, sondern in Papiertüten", mahnt sie. Ob Schafgarbe, Gundermann, Gänsefingerkraut, Frauenmantel oder Johanniskraut - die Fachfrau weiß genau, wofür und wogegen welches Kraut gewachsen ist. Sie hat auch jede Menge Rezepte zur Verarbeitung der Blätter, Blüten und Wurzeln auf Lager.

"Ein Energiekick schlechthin sind grüne Getränke", verrät sie. "Eine Handvoll Blattmasse mit gutem Wasser fein pürieren, durch ein Tuch filtern und dann das reine Chlorophyll sofort trinken", erklärt Sautter. Geeignet sei alles, was dem persönlichen Gaumen am besten schmeckt. Zum Beispiel Löwenzahn, Brennnesseln und Giersch, lauter Vitamin C-Bomben, die auch als Salat verzehrt werden können. "Bei 100 Gramm Blattmasse enthält die Brennnessel 333 Milligramm Vitamin C und der Löwenzahn 117", weiß Gerda Sautter. Zum Vergleich: Kopfsalat kann nur mit mageren 13 Milligramm aufwarten. "Aber Brennnessel brennt doch", meint eine Teilnehmerin skeptisch. Die Fachfrau weiß einen einfachen Trick: Erst mit dem Wellholz drüber und dann ganz klein schneiden. Das zerstöre die Brennhärchen. Während sich die vom Sommer Verführten auf der Wiese und im Wald tummeln, bereitet Heiko May, Küchenchef des Badhotels Stauferland, schon das Drei-Gänge-Menü vor, das die Gäste im Anschluss an den Spaziergang erwartet.