Schaltstelle für mehr Naturschutz

Sieht mehrere Vorteile, die für einen Landschaftserhaltungsverband sprechen: Peter Arndt, Ressortleiter für Naturschutz im Göppinger Landratsamt. Foto: Giacinto Carlucci
Sieht mehrere Vorteile, die für einen Landschaftserhaltungsverband sprechen: Peter Arndt, Ressortleiter für Naturschutz im Göppinger Landratsamt. Foto: Giacinto Carlucci
JÜRGEN SCHÄFER 26.03.2013
Mancherorts hagelt es Kritik an dem geplanten Landschaftserhaltungsverband, den der Kreis gründen will. Über den Sinn des Verbands sprachen wir mit Peter Arndt von der Naturschutzbehörde im Kreis.

Herr Arndt, warum braucht der Kreis einen Landschaftserhaltungsverband?

PETER ARNDT: Wir haben von der EU die Vorgabe, Lebensräume für Tiere und Pflanzen in den Natura 2000-Gebieten zu schützen und nach Kräften zu entwickeln. Im Kreis haben wir davon 14. Das kann man über einen Verband besser lösen als mit der Naturschutzbehörde. Weil der Verband nicht hoheitlich arbeitet, das stößt auf hohe Akzeptanz. Wir wollen mit den Grundstückseigentümern ins Gespräch kommen, auf freiwilliger Basis. Darüber hinaus soll der LEV die Landschaftspflege im Kreis zusammen mit den Mitgliedsgemeinden, der Landwirtschaft und dem Naturschutz auf breiter Basis umsetzen.

Was genau soll der Verband machen in den 14 Natura-2000-Gebieten?

ARNDT: Vereinbarungen über die Pflege und Weiterentwicklung der Natura-2000-Gebiete. Dass zum Beispiel eine blumenreiche Wiese erhalten bleibt oder die ökologische Wertigkeit einer Hecke, einer Wacholderheide erhalten bleibt, dass Steilhanglagen nicht verbuschen und Streuobstwiesen weiter bewirtschaftet werden. Dazu muss man mit dem jeweiligen Grundstückseigentümer sprechen, etwa Landwirte oder Hobbylandwirte. Die können dann für die Pflege Zuschüsse bekommen.

So etwas geschieht doch längst, beispielsweise mit Ziegenhaltung auf der Filsalb.

ARNDT: Ja, natürlich. Im letzten Jahr haben wir 169 Fälle abgewickelt, für die es rund 107 000 Euro Zuschuss gab. Aber es bleibt viel zu tun. Wir haben zwei große FFH-Gebiete, also Lebensräume für Tiere und Pflanzen, auf der Filsalb und im Eybtal, dazu das große internationale Vogelschutzgebiet im Bereich der Voralb. Zusammengenommen ist das ein Drittel des Kreisgebiets. Dazu die Naturdenkmale. Mit unseren Kräften schaffen wir das nicht. Wir haben zwei Landschaftspfleger, bei denen die Landschaftspflege nur ein Teil ihres Aufgabengebiets darstellt, eine Stelle ist derzeit vakant.

Bringt Ihnen der Verband denn weitere Landschaftspfleger?

ARNDT: Ja, zwei neue Stellen, die dann eine eigene Einheit bilden und nicht der Naturschutzbehörde unterstellt sind. Der Verband hat dann einen Geschäftsführer, der aber auch seine Arbeit draußen vor Ort hat. Ihre Aufgabe ist es nicht nur, Vereinbarungen zu treffen. Das muss auch kontrolliert werden. Der Landschaftserhaltungsverband muss beraten, Verständnis wecken, bei Konflikten vermitteln. Das ist mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden.

Diese neuen Landschaftspfleger sind ein Muss? Die Stellen müssen geschaffen werden?

ARNDT: Ja, weil zusätzlichen Aufgaben auf uns zukommen. Nachdem bis 2019 vom Land Managementpläne für die Natura-2000-Gebiete entwickelt werden, die umzusetzen sind, lässt sich dies mit dem vorhandenen Personal nicht leisten.

Muss soviel Naturschutz denn sein? Was passiert mit der Blumenwiese, wenn Sie keine Pflegevereinbarung treffen?

ARNDT: Gott sei Dank haben wir noch nicht feststellen müssen, dass uns Naturschutzflächen in erheblichem Maße verlorengingen. Aber das ist nicht überall so. Es gibt Landstriche in Baden-Württemberg, die einen kräftigen Schwund haben. Das hat zu tun mit dem zunehmenden Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen z.B. für Biogasanlagen. Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft besteht aber auch die Gefahr, dass Blumenwiesen nicht mehr genutzt werden.

Ist das nicht verboten?

ARNDT: Manchmal passieren Dinge trotzdem.

Der Landschaftserhaltungsverband hat heftige Kritik ausgelöst. Mancher Gemeinderat empfindet es als "Erpressung", dass er einem solchen Verband zustimmen soll. Weil das Land zunächst 1,5 Stellen und später noch eine weitere finanziert, diese Förderung aber an die Existenz eines Landschafterhaltungsverbands knüpft.

ARNDT: Ich sehe es so nicht. Es ist ein Angebot des Landes, das den Kreishaushalt entlastet. Sonst müsste der Kreis eben zwei beziehungsweise später drei Stellen tragen. Die dritte ist der spätere Natura-2000-Beauftragte. Am Kreis bleibt eine halbe Stelle und einen Anteil Sekretariat hängen. Man muss auch nüchtern sehen: Das Geld für die neuen Stellen kommt vom Steuerzahler, ob nun vom Land oder vom Kreis.

Es gibt auch die Befürchtung, diese Stellen müssen über kurz oder lang vom Kreis übernommen werden.

ARNDT: Nein. Die Förderung des Landes Baden-Württemberg ist auf Dauer angelegt.

Weitere Kritik: Es würden Leute losgeschickt, aktive Naturschützer vor Ort herumzukommandieren. Es seien keine Leute, die Hand anlegen.

ARNDT: Die Mitarbeiter des LEV greifen nicht zur Baumschere, das stimmt. Der LEV kümmert sich um Natur und Landschaft. Es ist Naturschützern unbenommen, selber Initiative zu entwickeln. Der Landesnaturschutzverband im Kreis Göppingen sieht das nicht kritisch, er will Mitglied werden.

Sie wollen mindestens zehn Kreisgemeinden als Mitglieder haben. Ist das eine ideelle Mitgliedschaft oder hat eine Gemeinde davon einen konkreten Nutzen?

ARNDT: Sie wird von Verwaltungsarbeit entlastet. Sie müsste sonst selbst Pflegeverträge für ihre Markung ausarbeiten. Der LEV berät und unterstützt die Gemeinden bei Anträgen für Förderprogramme.

Die Mitgliedsbeiträge erscheinen gering - beispielsweise 300 Euro für Hattenhofen. Reicht das für die halbe Stelle eines Landschaftspflegers, die der Kreis trägt?

ARNDT: Die Mitgliedsbeiträge decken das nicht ab. Den Rest übernimmt der Kreis.

Es heißt, mit Landschaftserhaltungsverbänden hat man gute Erfahrungen gemacht. Was wissen Sie darüber?

ARNDT: Man hat erkannt, dass diese Verbände sehr gute Arbeit leisten. Beispiel im Landkreis Emmendingen, wo es den ältesten seit gut 20 Jahren gibt: Dort gelang es, Steilhanglagen im Schwarzwald wieder zu bewirtschaften und vor der Aufforstung zu bewahren. Die konnten das stoppen.

Gibt es auch Beispiele in der Region?

ARNDT: Der LEV Ostalbkreis organisiert eine systematische Hecken- und Gehölzpflege, lässt anfallendes Schnittgut häckseln und führt es einer energetischen Nutzung zu.

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