Badhaus Sanierung Jebenhausens ältester Gebäude nicht in Sicht

Rettung vor dem Verfall, aber die Generalsanierung lässt auf sich warten: Badherberge und Badhaus in Jebenhausen.
Rettung vor dem Verfall, aber die Generalsanierung lässt auf sich warten: Badherberge und Badhaus in Jebenhausen. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Helge Thiele 06.07.2018
Badherberge und Badhaus in Jebenhausen zählen zu den ältesten Gebäuden Göppingens. Doch die 1987 beschlossene Sanierung lässt auf sich warten.

Der Feststellung, dass Göppingen nicht nur, aber vor allem wegen des Stadtbrands von 1782 mit historischen Gebäuden nicht gerade reich gesegnet ist, mag kaum jemand widersprechen. Gerade mal eine Handvoll Liegenschaften im Eigentum der Stadt gelten als wertvolle Baudenkmale: Das Adelberger Kornhaus, in dem die Stadtbibliothek untergebracht ist, der „Storchen“ (städtisches Museum) und die alte Kirche in Jebenhausen (Jüdisches Museum) stammen aus dem 16. Jahrhundert, das Göppinger Rathaus aus dem 18. Jahrhundert.

Und dann gibt es in Jebenhausen die ehemalige Badherberge (Naturkundliches Museum) aus dem Jahr 1610 und das dahinter liegende Badhaus, das 1482 erbaut wurde und der erste Wohnsitz der Liebensteiner war. Die beiden Gebäude werden notdürftig vor dem Zerfall bewahrt. Doch die bereits 1987 vom Göppinger Gemeinderat beschlossene Generalsanierung lässt auf sich warten.

Jetzt war sie wieder Thema im Stadtparlament – doch in der Sitzung wurde schnell klar: Bis die Sanierung kommt, wird erneut sehr viel Wasser die Fils hinabfließen, auch wenn Stadtarchivar und Museen-Chef Dr. Karl-Heinz Rueß zu bedenken gab, dass der Zustand von Badherberge und Badhaus im Lauf der Jahre „nicht besser geworden ist“ und das Naturkundliche Museum, das weder barrierefrei noch beheizbar ist, leider weiter an Attraktivität eingebüßt habe.

Prompt gab es Kritik an der jahrelangen Hängepartie. So stellte die Grünen-Stadträtin Christine   Lipp-Wahl fest: „Die Badherberge ist über Jahrzehnte vernachlässigt worden. Es muss jetzt gehandelt werden.“ Jan Tielesch (CDU) erinnerte daran, dass eine Sanierung „eine ganze Stange Geld kostet.“ Fachbereichsleiterin Christiane Fitschen, in der Stadtverwaltung für Immobilienwirtschaft und Hochbau zuständig, klärte die Stadträte über weitere Hindernisse auf:  Der Brandschutz muss geklärt werden, ein Konsens mit dem Landesdenkmalamt wird benötigt, die Planung muss weitergeführt werden, die Kosten müssen ermittelt werden, das Baugesuch muss erarbeitet werden und schlussendlich muss die Stadt einen Antrag auf „denkmalschutzrechtliche Zustimmung“ stellen. Und allen ist klar: Die benötigten Millionen müssen bereitgestellt werden.

Es war also keine Überraschung, dass Christiane Fitschen „kein konkretes Jahr“ nennen konnte, in dem die Stadt in die Sanierung einsteigt. Zumal die Bauverwaltung derzeit viele andere Projekte zu stemmen habe – gerade im Bereich des Ganztagesangebots an Schulen und Kindergärten. „Wir können nicht alle Aufgaben gleichzeitig zur Umsetzung bringen“, sagte Fitschen. Sie wies jedoch darauf hin, dass es nicht stimme, wenn behauptet werde, dass bisher nichts passiert sei. Es habe viele Untersuchungen der Gebäude gegeben und es seien weitere geplant – als Vorarbeiten für eine Sanierung.

Oberbürgermeister Guido Till versprach, dass am Baukonzept „weiter gearbeitet wird“. Der Rathauschef meinte aber auch: „Wir sind von einer Realisierung weit entfernt.“ Till sagte den Stadtpolitikern zu, sie „regelmäßig über die Untersuchungsergebnisse zu informieren“. Auch zum Thema Denkmalschutz äußerte sich der OB: „Da wird jeder Holznagel vorgeschrieben. Die Denkmalschutzkassen sind aber leer. Da wird gefordert, nicht gefördert.“ Oberstes Ziel sei deshalb, das Gebäude „nicht weiter verfallen zu lassen“.

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