INTERVIEW Sänger Alexander Klaws über "Jesus Christ Superstar"

Göppingen / ANNEROSE FISCHER- BUCHER 01.08.2015
Alexander Klaws wurde 2003 schlagartig bekannt als erster Sieger der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Mittlerweile feiert er als gefragter Musicaldarsteller große Erfolge.

Wie kommt es, dass Sie gerade in Rechberghausen mit der Lumberjack Bigband ein Konzert gegeben haben? Bei Ihrer Popularität ist das doch eher ungewöhnlich.

ALEXANDER KLAWS: Ich war schon immer ein großer Big Band-Fan und hatte schon lange den Wunsch, mit einer Big Band aufzutreten. Als die Anfrage von Alexander Eissele - dem Big Band-Leader - kam, haben wir ein erstes Treffen arrangiert. Und was soll ich sagen, die Chemie hat gleich von Anfang an gestimmt (lacht).

Sie hätten ja auch mit einer anderen Band musizieren können. Was ist Ihre Erfahrung mit den Lumberjackern?

KLAWS: Ich hätte nicht gedacht, dass das so eine tolle professionelle Band mit einem unfassbar hohen Niveau ist. Sie ist eine der besten Bands, mit der ich jemals auf der Bühne stand. Faszinierend, mit welcher Genauigkeit die arbeiten.

Beim Konzert in Rechberghausen haben Sie auch eigene Songs in ganz neuem Gewand gebracht, da war doch viel Arrangement nötig. KLAWS: Ja, zwei meiner Songs hat Alexander Eissele extra für den Abend umarrangiert. Zum Beispiel wurde aus einer Pop-Ballade eine Swing-Nummer. Das ist schon etwas ganz Besonderes und ich überlege schon, diese beiden Nummern in dieser Form auch mit auf mein neues Album zu nehmen, welches im Herbst erscheinen wird.

Wie sind Sie zur Musik gekommen? KLAWS: Das fing schon im Kindesalter an. Meine Eltern haben zuhause sehr viel Musik gehört, beispielsweise Beatles oder Elton John. Und während andere Jungs mit Benjamin Blümchen eingeschlafen sind, gab es bei mir zum Einschlafen eben die Beatles.

Sie spielen Klavier oder singen Sie nur?

KLAWS: In erster Linie bin ich Sänger - der sich aber auch selbst am Klavier begleiten kann. Früher hatten wir zuhause eine alte Bontempi-Orgel, die verzögert spielte, wenn man die Tasten drückte. Irgendwann stand sie dann nicht mehr im Wohnzimmer, sondern in meinem Kinderzimmer und ich habe immer versucht, alles, was ich gehört habe, nachzuspielen. Ich würde sagen, ich bin eher so der Improvisator (lacht).

Wie lernen Sie Ihre Stücke, wenn Sie eher ein Improvisator sind?

KLAWS: Das Improvisieren hat mich manchmal gerettet, aber genauso oft stand es mir auch im Weg. Ich lerne auch heute noch immer mehr über das Gehör als über Noten. Wenn ich zum Beispiel Auto fahre, höre ich sehr viel Musik und lerne dadurch.

Was bedeutet Musik für Sie?

KLAWS: Musik hat mir schon in ganz jungen Jahren sehr viel gegeben. Ich denke da beispielsweise an Michael Jackson. Ich war fasziniert von seiner Musik, seiner Leidenschaft für die Musik und von seinem legendären Tanzstil. Musik ist Emotion und damit der Schlüssel zu unserer Emotionalität. Musik kann so vieles, zum Beispiel tröstet sie einen bei Liebeskummer. Musik untermauert und kann Emotionen verstärken, man denke beispielsweise an Filme. Wäre die Musik nicht da, die eine Handlung unterlegt, dann wäre eine Szene nur halb so emotional. Musik ist so wertvoll, weil man aus ihr und mit ihr lernen kann. Deshalb ist es wichtig, dass wir Nachwuchsmusiker Sänger und Komponisten fördern.

Haben Sie auch mal Lampenfieber bei Ihren Auftritten gehabt?

KLAWS: Immer. Es wäre auch langweilig ohne (lacht). Dieses Kribbeln kurz vor einer Show oder einem Konzert gibt einem diesen gewissen Kick und macht einen leistungsfähiger.

Sie spielen an der Dortmunder Oper die Hauptrolle im Musical "Jesus Christ Superstar". Was ist an dieser Rolle besonders?

KLAWS: Das Stück von Andrew Lloyd Webber ist ja eine Rockoper. Es ist spannend, dass hier die Genres Oper und Musical aufeinander treffen. In Dortmund ist die Inszenierung modern, da trage ich keine weiße Kutte, sondern Jeans. So, wie sie da inszeniert ist, könnte das Geschehen in der heutigen Zeit stattgefunden haben. Ab Januar 2016 spiele ich die Rolle dann am Theater Basel, aber in einer anderen Inszenierung. Da freue ich mich sehr drauf und bin gespannt.

Was fordert die Rolle stimmlich? KLAWS: Die Partie ist einzigartig, aber auch eine der härtesten, die man als Mann zu singen und zu spielen hat. Sie fordert einen nicht nur stimmlich, sondern auch physisch. Und ohne Herzblut kann man diese Rolle nicht spielen.

Welche Rolle spielt für Sie das Publikum?

KLAWS: Ohne ein Publikum würde es uns so gar nicht geben. Ich für meinen Teil versuche das Publikum - sei es im Theater oder im Konzertsaal - immer zu überraschen und zu berühren. Wenn man das schafft, ist es das Größte, was man als Künstler schaffen kann.

Wie sind Sie zum Musical gekommen?

KLAWS: Nachdem ich Joop van den Ende, Gründer der Stage Entertainment GmbH, kennenlernen durfte, habe ich 2005 eine Ausbildung in Schauspiel und Gesang an seiner Academy in Hamburg gemacht. Er hat mich in die faszinierende Welt des Musical geführt, mit der sich für mich noch einmal ganz neue Türen geöffnet haben.

Wie war das damals 2003 bei DSDS? KLAWS: Das war gigantisch. Eine unfassbar tolle, verrückte und aufregende Zeit. Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Das war der Startschuss meiner Karriere.

Sie geben Benefiz-Konzerte. Warum?

KLAWS: Ich möchte gerne denjenigen helfen, die benachteiligt sind oder denen es nicht so gut geht im Leben. Ich unterstütze unter anderem die "Deutsche Schlaganfallhilfe für Kinder" und als Projektpate die Initiative "Hamburger Weg", die es jedem Kind ermöglichen will, in einem Verein Sport treiben zu können. Das Benefizkonzert in Rechberghausen war speziell für die "Friends Kinderhilfe International e.V.". Sie unterstützt verarmte Kinder in Sri Lanka, indem Kinderheime für Straßen- und Waisenkinder gebaut werden und ihnen eine Ausbildung ermöglicht wird.



Steckbrief Alexander Klaws

Name: Alexander Klaws

Geburtstag: 3. September 1983

Geburtsort: Ahlen 

Aufgewachsen: in Sendenhorst

Werdegang: Gymnasium in Münster, Fernsehdebüt als Zehnjähriger, 2003 Sieger bei „Deutschland sucht den Superstar“, Plattenvertrag bei Sony BMG, Debüt-Single „Take Me Tonight“ eine Million mal verkauft, Platz 1 der deutschen Charts mit „Free Like The Wind“, 2005 bis 2006 Musical-Ausbildung an der Yoop van den Ende Academy in Hamburg, 2014 Sieger der 7. Staffel der RTL-Show „Let’s Dance“ zusammen mit Isabel Edvardsson

Singles und Songs: Himmel und Hölle, Morgen explodiert die Welt; Maniac, Welt, All I Ever Want

Alben: Take Your Chance, Here I Am, Attention, Was willst Du noch, Für alle Zeiten

Rollen: 2006 bis 2008 Alfred in Tanz der Vampire, Lars Hauschke in Anna und die Liebe in SAT 1, 2010 bis 2013 Tarzan in Hamburg, 2013 als Ranger in Der Schuh des Manitu an der Freilichtbühne Tecklenburg, 2014 als Joseph in Joseph And The Mazing Technicolor Dreamcoat an der Freilichtbühne Tecklenburg, 2014 und 2015 Jesus in Jesus Christ Superstar an der Oper Dortmund, 2016 Jesus Christ Superstar am Theater Basel geplant

Buch: 2003 Autobiographie „Ich bin’s – Alexander“
 
Auszeichnungen: Comet 2003: in der Kategorie „Newcomer national“; ECHO Pop 2004: in der Kategorie „Single des Jahres“ (We Have A Dream); Da Capo – Musical Award 2013: Platz 1 „Bester männlicher Darsteller“ – Kategorie „Short Term Musical“ (Joseph und Jesus); Broadway World Award – Germany 2014: Bester Schauspieler in einem Musical (Joseph), Musical – Award 2014: Bester Musicaldarsteller 2014

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