Geschichte Rundgang erinnert an Gefallene der Kriege

Ein Steinblock an der Stadtkirche erinnert an die Gefallenen.
Ein Steinblock an der Stadtkirche erinnert an die Gefallenen. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Margit Haas 01.09.2018

Stolpersteine für die Opfer des NS-Terrors, eine Tafel am Synagogenplatz, ein „großer Stein des Anstoßes“ im Schlosswäldle – sie erinnern an Menschen, die Hitlers Unrechtsregime zum Opfer gefallen sind, weil sie nicht in sein System gepasst haben. Andere Denkmale nennen Menschen, die manchmal freudig und freiwillig, oft mit Grausen für ihr Land in den Krieg zogen.

Beim stadtgeschichtlichen Rundgang, zu dem Stadtarchiv und Geschichts- und Altertumsverein traditionell im Sommer einladen, stellte Dr. Karl-Heinz Rueß die Erinnerung an Gefallene und die Opfer von Krieg und Gewalt in den Mittelpunkt. Nur wenige dürften einem massiven Steinblock im Turmeingang der Stadtkirche Beachtung schenken. Er erinnert an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges – nur an die evangelischen, etwa 600.

„Wichtig war ein zentraler Ort des Gedenkens für die Toten, die in fremder Erde ruhten“, so der Archivar. Zum Steinquader, gestaltet vom Gmünder Künstler Jakob Wilhelm Fehrle, gehören Steingusstafeln, die sich an der südlichen Kirchenwand befinden. Sie enthalten alle Namen der Toten und zeigen, dass wenige Wochen nach Kriegsbeginn mit Adolf Dangelmaier das erste Göppinger Opfer zu beklagen war.

Am Alten Friedhof steht das umstrittenste Denkmal: Fritz Nuss hat es geschaffen und es nahm den Platz einer an eine Pieta erinnernde Skulptur von Fehrle ein, die den Nazis nicht soldatisch genug war. Die Skulptur von Nuss „war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Gegenstand heftiger politischer Debatten“. Der Gemeinderat beschloss, die in Stein geschlagenen Soldaten zu belassen, sie aber in einen Kontext zu stellen. Tafeln klären auf, dass die Pieta, die ursprünglich an die Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnern sollte, jetzt am Hauptfriedhof steht. Weitere Tafeln erinnern daran, dass dem Zweiten Weltkrieg in 60 Staaten 60 Millionen Menschen zum Opfer gefallen waren. In Göppingen waren es 2000 Soldaten, an die namentlich erinnert wird. Den Opfern des Schönhengstgaus und des Banats haben ihre Verbände Denkmale gesetzt. Das jüngste Kunstwerk, das zur Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt auffordert, ist die „Schalung“ von Nasan Tur. „Es nimmt eine Gegenposition ein“. Initiiert hat es der Göppinger Kunstverein, der jetzt Spenden sammelt, damit es dauerhaft bleiben kann.

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