Einmal lächeln für den Neuanfang: Bevor die Veranstaltung im Göppinger Hotel "Hohenstaufen" beginnt, lässt sich Hans-Ulrich Rülke vor dem FDP-Plakat im neuen Design noch schnell mit den Landtagskandidaten Martin Kaess und Armin Koch ablichten. Danach geht's zur Sache. Rülke, Spitzenkandidat der Partei für die Landtagswahl, lässt beim ersten "Staufer-Dialog", zu dem die Kreis-FDP eingeladen hatte, erwartungsgemäß kein gutes Haar an der grün-roten Landesregierung. Die verfehlte Schulpolitik mache das duale Ausbildungssystem kaputt, Verkehrsminister Winfried Hermann habe ein "Problem mit der Wahrheit" und beim Ausbau der Infrastruktur und bei der Energiewende komme das Land kaum voran, schimpft Rülke.

Auch die Große Koalition in Berlin bekommt ihr Fett ab. Sie denke "nur ans Verteilen, aber nicht ans Erwirtschaften", moniert der 53-Jährige. Das belaste die Wirtschaft, vor allem den Mittelstand. Rülke, in Tuttlingen geboren und seit 2009 Chef der FDP-Fraktion im Landtag, schaltet die Kreis-FDP auf Wahlkampfmodus. Er zeichnet das Bild einer Partei, die ihre "tiefe Durststrecke" nach der Niederlage bei der Bundestagswahl 2013 überwunden habe. Auch die neue Farbe Magenta soll symbolisieren: Die FDP hat sich verändert. Rülke sagt: "Die FDP hat einen Markt." Eine aktuelle Meinungsumfrage, die der Partei im Land erstmals wieder fünf Prozent zutraut, kommt dem früheren Lehrer Rülke gerade Recht. Als die gut 20 Besucher des "Staufer-Dialogs", der künftig vier Mal pro Jahr stattfinden und die früheren "Schlater Gespräche" der Kreis-FDP ersetzen soll, über mögliche Koalitionen - selbstredend mit FDP-Beteiligung - sinnieren, tritt Chef-Motivator Rülke dann doch auf die Bremse und empfiehlt, "erst einmal unsere Inhalte zu definieren". Themen gebe es für die FDP genügend.