Die ausgebrannte Göppinger Bierakademie in der Grabenstraße war nicht immer ein Lokal für Gerstensaft-Spezialitäten. 1938 eröffnete dort Pio Valentini einen Eispavillon. Der Speiseeis-Fachmann hatte bereits 1929 in der Kellereistraße eine Eisdiele eröffnet. Der aus Perugia bei Rom stammende Italiener war 1906 nach Deutschland gekommen, drei Jahre später zog er mit seiner Familie nach Göppingen, wo er bald zu einer „populären Figur“ wurde, wie die NWZ im Juli 1952 berichtete.

„Pio“ war in Göppingen bekannt

Seine Wirkungsstätte war nach seiner Ankunft in Göppingen zunächst am Schillerplatz und in der unteren Marktstraße beim „Bären“, wo er seinen Eisstand aufschlug. In der kalten Jahreszeit verkaufte er Esskastanien und Südfrüchte. Als Pio Valentini sich mehr und mehr auf die Eisherstellung spezialisierte, war dies noch ein mühsames Handwerk. Das Eis wurde damals mit Roheis und Salz gestampft. An besonderen Feiertagen stand Valentini schon morgens um zwei Uhr auf, „um unter dem Gesang italienischer Lieder das Eis zu machen“, wie in der NWZ zu lesen war.

„Pio“ war in Göppingen bei Jung und Alt bekannt. Eigentlich wollte der Italiener Sänger werden, doch eine Erkrankung der Stimmbänder zwang ihn dazu, sein Gesangsstudium aufzugeben. Im April 1949 feierte „Pio“ bereits sein 40. Geschäftsjubiläum als Eismann. Aus diesem Anlass richtete er seine Eisdiele in der Kellereistraße neu ein.

Im Juli 1952 eröffnete er in der Hauptstraße sein drittes Eiscafé. 1971 starb Pio Valentini, doch die Tradition der Familie lebte weiter. Am 8. April 1981 berichtete die NWZ unter der Überschrift „Pio eröffnet wieder“, dass Umberto Valentini, ein Sohn des Göppinger Originals nach einem Umbau seine Eisdiele in der Hauptstraße 12 neu eröffnete.

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