Tierquälerei lautete der Tatvorwurf: Deshalb hätte sich am Montag eine Frau aus einer Schurwaldgemeinde vor dem Amtsgericht Göppingen verantworten müssen. Sie war unter anderem in die Schlagzeilen geraten, weil bei ihr im April vergangenen Jahres 20 völlig verwahrloste Rottweiler beschlagnahmt worden waren, ein Tier war beim Einschreiten der Behörden bereits tot. Im Sommer dann fanden Polizei und Veterinäramt 55 Schafe, zwölf Enten, 24 Hühner und neun Kaninchen auf dem Anwesen der damals 59-Jährigen. Auch diese Tiere wurden eingezogen.

Wegen der Rottweiler hatte die Frau einen Strafbefehl bekommen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Ulm, Michael Bischofberger, beziffert die Höhe der Strafe auf 150 Tagessätze – bei mehr als 90 Tagessätzen gilt man als vorbestraft. Gegen diesen Strafbefehl hatte die Frau Einspruch eingelegt, deshalb war für gestern die Verhandlung terminiert worden. Doch kurzfristig zog die Beschuldigte ihren Einspruch zurück – damit ist die Strafe nun rechtskräftig, eine öffentliche Hauptverhandlung findet nicht mehr statt. Wie viel Geld die Tierhorterin genau bezahlen muss, gibt die Staatsanwaltschaft nicht bekannt, weil daraus auf ihr Einkommen geschlossen werden kann. „Die wirtschaftlichen Verhältnisse gehen die Öffentlichkeit aber nichts an“, sagt Bischofberger.

Besonders der Fall der 20 Rottweiler hatte in der Öffentlichkeit für großes Aufsehen gesorgt. Die Hunde hatten in ihrem eigenen Kot und Urin, der bereits von Schimmel überzogen war, gesessen und waren zum Teil völlig abgemagert. Die Leiterin des Göppinger Tierheims, Sophie Schäfer, sagte damals, sie habe „noch nie so dünne Hunde gesehen“. Für den Chef des Göppinger Kreisveterinäramts, Dr. Michael Pettrich, gab es keinen Zweifel an den Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, er bereitete umgehend ein Hundehaltungsverbot vor. Pettrich sprach von einem Fall von „Animal-Hoarding“, einer psychischen Erkrankung, bei der Betroffene viel mehr Tiere horten, als sie versorgen können.