Downhill Rollenkünstler liefern sich heiße Rennen

Göppingen / WERNER SCHMIDT 14.09.2015
Spannende und spektakuläre Rennen lieferten sich Longboarder aus ganz Europa am vergangenen Wochenende beim Staufen Downhill. Rund 1200 Zuschauer zählten die Veranstalter in Hohenstaufen.

Es hatte was von Formel-1-Gefühl. Es fehlte allerdings der Duft von Benzin, von qualmenden Reifen - dennoch war der zweite Staufen Downhill der Longboarder in Hohenstaufen am Wochenende ein Publikumserfolg: Rund 1200 Zuschauer schätzte Organisator Daniel Schindler vom Trendsportclub Hohenstaufen. Ausgetragen wurden am Wochenende vier Deutsche Meisterschaften und die Europameisterschaft der Damen, die Tina Zobel für sich entschied.

Als Favorit bei den Championship Open galt Vorjahresieger Sebastian Hertler aus Stuttgart. Die Strecke wurde am Samstag als anspruchsvoll eingestuft, da sie nach dem Regen am Vormittag insbesondere in den Abschnitten, die durch den Wald führten, noch feucht war. Da sich hier auch einige enge Kurven befinden, deren Belag aber eine schmierseifenähnliche Konsistenz aufwies, wurden in diesen Bereichen die Strohballenpolster besonders häufig in Anspruch genommen. Da für die Rennfahrer, die Maximalgeschwindigkeiten von schätzungsweise 80 Kilometer pro Stunde erreichten, Lederkombi, Sturzhelm und Handschuhe Pflicht waren, gab es keine Verletzten. Zumindest nicht unter den Fahrern. Ein Kind erlitt jedoch eine blutende Wunde am Oberschenkel, als es bei einem Fahrersturz vom davon fliegenden Board getroffen wurde. Das Kind kam ins Krankenhaus. Der Schreck sei wohl größer gewesen, als die Verletzung, meinte der Veranstalter. Nach dessen Feststellungen habe sich das Kind zu dicht an der Rennstrecke aufgehalten - unter Obhut der Eltern. Obwohl mit Lautsprecherdurchsagen immer wieder darauf hingewiesen wurde, ausreichend Abstand zu halten. Dennoch schafften es leichtsinnige Zuschauer, während des Rennens die Strecke zu überqueren.

Der Sieger im "Street Luge", dem Liegendfahren, war schnell ermittelt: Martin Witzigmann aus Kempten im Allgäu wiederholte seinen Sieg vom Vorjahr. Dabei gehe es den meisten gar nicht um die Meriten, sagte der Donauwörther Michael "Eimer" Mayer, Chefschiedsrichter und Chef der Longboard-Liga: "Die meisten wollen nur fahren." Es gebe wenig erlaubte Trainingsmöglichkeiten, denn mit Longboard (das sind Bretter von etwa einem Meter Länge) dürfe im Alltag man offiziell nur auf dem Gehweg fahren.

Umso erfreuter sind die Veranstalter, dass die Gemeinde Hohenstaufen die kurvenreiche, steile Straße mit bis zu zehn Prozent Gefälle von Hohenstaufen - im Ried - hinunter bis zum Stixenhof freigab. Die Fahrer brausten vorbei an Wiesen und Weiden und Kohlrabatten. Die Gartenmauern und der Gehweg vor den und Einfamilienhäusern im Startbereich waren in ein Fahrerlager umfunktioniert, wo geschraubt und die Rollen gewechselt wurden: "Die Anwohner sind unglaublich entspannt und unterstützen uns", freute sich Mayer.

Das Gros der Fahrer komme aus Stuttgart, weil es dort noch die besten Trainingsmöglichkeiten gebe. Auch der Sieger der "German Championship Open", Sebastian Hertler, kommt aus der Landeshauptstadt. Einige Fahrer hatten aber auch eine bedeutend weitere Anreise hinter sich: Daan Gerous kommt aus Holland, andere sind in der Schweiz zuhause oder in Österreich. Sogar aus Dänemark seien Fahrer gekommen, sagte Daniel Schindler. Dabei, das muss man als Zuschauer erst mal kapieren, wird bei den einzelnen Rennen keine Zeit gestoppt. Es ist ein Stechen: Die Fahrer starten in Dreier- oder Vierergruppen, jeweils der erste oder die ersten beiden kommen weiter. Bis am Ende einer übrig bleibt: der Sieger.

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