Göppingen Roboterinstallation in Kunsthalle Göppingen

„Roboter können keine Kunst machen“, sagt der Stuttgarter Künstler Joachim Fleischer. Doch sie bringen Licht ins Dunkel der Kunsthalle Göppingen. 
„Roboter können keine Kunst machen“, sagt der Stuttgarter Künstler Joachim Fleischer. Doch sie bringen Licht ins Dunkel der Kunsthalle Göppingen.  © Foto: Hans Steinherr
Göppingen / Hans Steinherr 02.11.2018
Joachim Fleischers Roboterinstallation „Weiß isst schwarz“ ist bis 25. November in der Kunsthalle Göppingen zu sehen.

Der Lichtkünstler Joachim Fleischer führt hinters und setzt ins rechte Licht. Mit Robotern bringt er Menschen zum Meditieren. Sobald Strom durch die Kabel fließt – wie Blut durch menschliche Adern –, beginnen die Maschinen zu agieren. Der Lichtkünstler Joachim Fleischer hat sie animiert und lässt sie mit dem Licht, das am ausgestreckten Armgelenk abstrahlt, nach Dunkelheit suchen. Um Finsternis zu vertreiben, um Licht ins Dunkle zu bringen, um es zu schlucken und am Ende dann doch wieder Düsterheit zurück-, wieder aufkommen zu lassen.

Fleischer fordert Licht und Dunkel auf, miteinander zu tanzen und den Ausstellungsbesucher wenigstens mit den Augen mitschwingen zu lassen. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das eine kann nicht ohne das andere. Nur: was war zuerst? Am Anfang? War es so, wie es in der Bibel steht? „Und die Erde war finster, bis Gott sprach: Es werde Licht!“

Der mehrfach ausgezeichnete Stuttgarter Künstler zeigt in der Kunsthalle Göppingen eine bemerkenswerte Installation. „Weiß isst schwarz“ ist das Spiel zweier Roboter mit Licht. Jeder für sich und doch im dialogisierenden Duett. Den Terminus „Maschine“ mag Fleischer nicht. „Klingt so unmenschlich“, sagt er.

Viel ist nicht zu sehen im Raum. Tageslichtweiß und Tageslichtdunkel, im ständigen Wechsel auf Hallenwänden und Säulen hin und her wandernd, von Fleischer im Sechs-Minutenzyklus programmiert, sich ständig wiederholend, ohne dass man es gleich bemerkt. Nur am Ende (oder am Anfang?), wenn sich die Roboter im Scheinwerferlicht gegenseitig beäugen, nimmt man den Rhythmus Licht, Raum und Zeit wahr.

Der Besucher kann nicht anders, als stehenzubleiben und zuzuschauen. Andere Ausstellungen regen Besucher rasch zum Dialog an, Fleischers Spielroboter zu Stille und Meditation. Fragen kommen. In welcher Zeit befinden wir uns? Am Anfang oder Ende einer Epoche, in der der Mensch vielleicht überhaupt keine Rolle mehr spielt, Entwicklung ihn zurückgelassen hat, und Roboter Zukunft in Besitz nehmen? Befinden wir uns augenblicklich an dieser Schwelle?

Dass man sich solche Gedanken macht, will Joachim Fleischer. Man soll Fragen stellen. Wer will, kann aus seiner spielerischen Installation Antworten generieren. Muss es aber nicht. Weil es ja viel, viel schwieriger geworden sei, Zukunft vorher zu sehen, wie er sagt.

Im hinteren Teil der Ausstellung hängen drei Scannings an der Wand. Im stehenden Licht drehen sich hier Drahtgeflechte, lassen ihren Schatten ebenfalls tanzen. Bei intensiver Betrachtung wird erkennbar, dass das visuelle Erlebnis zum Sinnlichen tendiert. Sinnlichkeit, so Fleischer, brauche keine Farbe.

Ist das nun Kunst? „Roboter können keine Kunst machen“, sagt Joachim Fleischer. Er macht sie. Er programmiert sie. Noch hat der Mensch dies in der Hand.

Früher Stipendiaten der Akademie Schloss Solitude

Biographie Joachim Fleischer (geb. 1960) studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Bildhauerei bei Prof. Jürgen Brodwolf und intermediales Gestalten. Er wurde vielfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Er war einer der ersten Stipendiaten der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart. Seine Werke wurden in vielen internationalen Museen gezeigt. Die Kunsthalle Göppingen zeigte vor 30 Jahren seine erste Einzelausstellung.

Öffnungszeiten Di. bis Fr. 13 bis 19 Uhr; Sa., So. und feiertags 11 bis 19 Uhr; Mo. geschlossen (bis 25. November)

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