Kreis Göppingen Rivalen der leisen Töne

Kreis Göppingen / SUSANN SCHÖNFELDER 08.09.2012
Erstmals gibt es in der Kreis-CDU einen Kampf um die Nominierung zur Bundestagswahl. Klaus Riegert und Hermann Färber sind daher auf Werbetour, zuletzt bei der MIT. Ein faires Treffen der leisen Töne.

Es war ein Stammtisch der besonderen Art: Bei ihrer Tour durch den Landkreis legten die Bewerber um die CDU-Bundestagskandidatur einen Zwischenstopp beim monatlichen Treffen der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) ein. Gut 20 Besucher waren ins "Gerberbräu" nach Uhingen gekommen, um sich einen Eindruck von den Kontrahenten Klaus Riegert und Hermann Färber zu verschaffen.

"Konkurrenz belebt das Geschäft", meinte ein MIT-Mitglied - und war damit mit dem Vorsitzenden der Vereinigung, Eduard Freiheit, einer Meinung. Ein anderer Teilnehmer sah die Kampfabstimmung jedoch skeptisch: "Ich bin nicht für Experimente und setze lieber auf Bewährtes." Beide Besucher hatten sich - zumindest vor der Vorstellung der Bewerber - noch nicht entschieden, wen sie 2013 in den Bundestagswahlkampf schicken wollen: den langjährigen Abgeordneten Riegert oder seinen Herausforderer Färber. Noch ist auch Zeit: Am 28. September werden die rund 1800 CDU-Mitglieder im Kreis ihren Favoriten küren.

Hermann Färber verteilte zunächst Flyer und hatte dann - rein alphabetisch - als Erster das Wort. Der 49-jährige Landwirtschaftsmeister aus Böhmenkirch stellte sich als "bodenständig und werteorientiert, aber dennoch modern und aufgeschlossen" dar. "Und ich bin kein Einzelkämpfer, sondern gewöhnt, als Netzwerker zu arbeiten". Zudem mag er klare Positionen - "nicht auf ideologischer Basis, sondern faktenorieniert". Färber, der von 2004 bis 2009 ohne Parteibuch für die CDU im Kreistag saß, streifte Themen wie die Europapolitik, Wirtschafts- und Verkehrsfragen, machte jedoch bei genauerer Nachfrage, beispielsweise beim Thema Windkraft, nur vage Aussagen. Der Böhmenkircher, der etwas angespannt wirkte, versprach aber, sich in die Sachverhalte einzuarbeiten. "Und ich möchte für Sie regelmäßig da sein - nicht nur jetzt, wenn gerade Nominierung ist."

Klaus Riegert, der seit zehn Jahren im Bundestag sitzt, gab einen kurzen Abriss über seine Vita und hob seine zahlreichen Ehrenämter hervor. Außerdem berichtete er kurz über seine Stippvisite bei den Paralympics in London - ein Ereignis, das ihn sehr beeindruckt habe. Anders als bei der öffentlichen Vorstellungsrunde bei der Jungen Union verlor der 53-Jährige kein Wort über sein Privatleben: Der Umzug von Süßen nach Kirchheim nach seiner erneuten Heirat hatte ihm viel Kritik eingebracht. Auch Riegert unterstrich, dass persönliche Gespräche, sei es in Schulen oder Unternehmen, ein wichtiger Bestandteil seines Alltags seien.

Anschließend hatten die MIT-Mitglieder Gelegenheit, den Bewerbern auf den Zahn zu fühlen. Vielleicht lag es am knurrenden Magen - das Abendessen war der nächste Programmpunkt - auf jeden Fall fielen die Fragen eher spärlich aus und richteten sich in erster Linie an den "Neuen". Eine Besucherin wollte von Färber wissen, warum er erst kürzlich in die CDU eingetreten ist, ob dieser Schritt mit der Nominierung zusammenhänge. "Mit dem Regierungswechsel im Land war es an der Zeit, Farbe zu bekennen", erklärte Färber. "Und ich werde der CDU treu bleiben, auch wenn ich nicht nominiert werde." Ein weiterer Zuhörer hakte nach, wie Färber als Landwirtschaftsmeister und Vater dreier Kinder Arbeit, Familie und Politik unter einen Hut bekommen will. Der Böhmenkircher sah da kein Problem: Die zwei ältesten Söhne seien bereits in den Betrieb integriert, und auch die anderen Kinder packten mit an. "Die Kandidatur ist mit der Familie besprochen", versicherte der 49-Jährige.

Einig waren sich beide Kandidaten, die fair miteinander umgingen, dass es keine "Vergemeinschaftung der Schulden" in Europa geben dürfe. Und auch der Energiewende stehen die Kontrahenten offen gegenüber - wobei Riegert positiv denkt, während Färber skeptisch ist. Bisher schlagen die Rivalen eher leise Töne an. Sie haben noch knapp drei Wochen Zeit, die Werbetrommel zu rühren.

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