Die Parteibasis bestimmt. Sie hat tatsächlich die Wahl. Ihr präsentiert sich heute Abend in der Autalhalle in Bad Überkingen eine personelle Alternative: Soll der aus Süßen stammende, gelernte Kriminaloberkommissar Klaus Riegert (52), der seit just 20 Jahren Bundestagsabgeordneter ist, im kommenden Jahr erneut für die CDU um ein Mandat im Berliner Parlament antreten oder Hermann Färber (49), Landwirtschaftsmeister aus Böhmenkirch, seit einem Jahr CDU-Mitglied und seit Langem Vorsitzender des Kreisbauernverbandes.

Die Nominierung des CDU-Kandidaten ist mehr als die halbe Miete auf dem Weg in den Bundestag. Seit der Gründung der Bundesrepublik errang immer der CDU-Bewerber im Wahlkreis Göppingen das Direktmandat - manchmal mit haushohem Vorsprung, ein einziges Mal hauchdünn, nur 1998 landete Klaus Riegert bloß einen Zittersieg.

Es spricht für beide Bewerber, den Arrivierten und den Herausforderer, wie sie im Vorfeld des morgigen Showdowns ihre Vorstellungs- und Diskussionstour durch die 28 Stadt- und Ortsverbände der CDU absolviert haben. Nach allem, was man über diese internen Veranstaltungen hört, blieben sie sachbezogen, gingen fair miteinander um und rissen keine Gräben auf, die die Partei auf Dauer spalten würde.

Sich einem Gegenkandidaten gegenüber zu sehen, ist für Riegert im Übrigen keine neue Situation. 2001 wollte ihm die Kreisvorsitzende Nicole Razavi - mittlerweile Landtagsabgeordnete - die Bundestagskandidatur streitig machen, die heutige Landtagsabgeordnete unterlag damals deutlich. Nach einer kämpferischen Rede votierten damals 334 CDU-Mitglieder für Riegert, nur 184 für Razavi.

Womöglich hat Riegert durch falsche Signale die neuerliche Gegenkandidatur provoziert. Nach persönlichen Ups und Downs heiratete er wieder und zog zu seiner neuen Ehefrau nach Kirchheim - verließ also den Wahlkreis. Nein, kein Abschied und keine Mandatsmüdigkeit, betonte Riegert zwischenzeitlich. Ansonsten hat er keine Fehler gemacht.

Als Mittelstürmer des FC Bundestags steht er auf dem Fußballplatz in der vordersten Reihe - politisch tat er das noch nie. Er erscheint für die CDU als pflegeleichter Parlamentarier, er eckt nicht an und macht sich damit keine Feinde. Er ist kein großer Redner - aber eben auch kein Dampfplauderer oder einer, der ins Rampenlicht drängt. Arroganz ist Riegert völlig fremd. Seine Erfolge für den Wahlkreis Göppingen - siehe B 10-Weiterbau - sind überschaubar. Sein jahrelanger sozialer Einsatz im Kreis hingegen - Stichworte: Kreisbehindertenring, Hohenstaufenstiftung, Hospiz, Benefiztouren - kennzeichnet Riegert als Person und zeichnet ihn aus. Man weiß, was man an ihm hat - und was nicht sein Ding ist.

Was kann demgegenüber Hermann Färber in die Waagschale werfen? Zu Recht betont er, dass man einen selbstständigen Landwirt nicht auf Ackerbau und Viehzucht reduzieren dürfe. Seit 1999 ist er Vorsitzender des Kreisbauernverbandes - einst hätte er damit eine beachtliche Hausmacht hinter sich gewusst. Doch hat der rasante Strukturwandel in der Landwirtschaft die Zahl der Landwirte erschreckend schrumpfen lassen.

Als junge Lichtgestalt oder christdemokratischer Hoffnungsträger hat sich Färber, der nur ein Intermezzo als Kreisrat vorweisen kann, nicht profiliert. Andererseits signalisieren die vielen Parteieintritte in jüngster Zeit aus Färbers Heimatort Böhmenkirch, dass er bekannt und beliebt ist - nur in Böhmenkirch oder auch noch im Raum Göppingen, Ebersbach und im Schurwald?

Diese über 100 Parteieintritte mögen im Übrigen ein Gschmäckle haben - das fällt aber nicht auf Färber zurück, sondern auf die Gepflogenheiten und Aufnahmemodalitäten der Partei.

Die Böhmenkircher CDU organisiert für Freitag einen kostenlosen Buszubringer zur Bad Überkinger Autalhalle, darin zieht nun auch der Göppinger Stadtverband nach. Mag Klaus Riegert auch der haushohe Favorit sein, sieht man daran, was heute Abend zählt: Wie viele Anhänger aus der großen Schar der 1800 CDU-Mitglieder im Kreis Göppingen jeder der beiden Kontrahenten für sich zu mobilisieren in der Lage ist.