Während Außenminister Maas bis 14. Juni weiter unterschiedslos von Auslandsreisen abrät und per Kabinettsbeschluss die entsprechende Reisewarnung verlängert hat, geht die Reisebranche am heutigen Mittwoch (29. April) deutschlandweit in 40 Städten auf die Straße, um für ihr Überleben zu kämpfen. Die Kontaktbeschränkungen mit 1,5 Meter Abstand sollen dabei strikt eingehalten werden.
Göppinger Reisebüros sind ab 11.30 Uhr am Stuttgarter Karlsplatz mit von der Partie und fordern von der Bundesregierung ein Rettungspaket für die Branche. „Es kann nicht sein, dass die großen Konzerne von der Regierung Milliarden bekommen, während man die Reisebüros völlig hängen lässt“, so Manfred Hegenloh vom gleichnamigen Göppinger Traditionsunternehmen. Neben einer Gutscheinlösung für coronabedingt abgesagte Reisen, sei auch ein Stabilisierungs- und Entschädigungsfonds im Gespräch, so Hegenloh, der sich vor allem um das Überleben von Ein- oder Zwei-Mann-Betrieben große Sorgen macht. Wenn bei einem kleinen Büro dem Inhaber die Einnahmen wegbrächen, sei das wie bei einem freien Künstler, der plötzlich vor dem Nichts stehe.

Täglich ab 8 Uhr Umbuchungen im Reisebüro

Unterdessen sind Hegenloh und ein harter Kern seiner Mitarbeiter jeden Tag um 8 Uhr im Büro, um weiterhin Umbuchungen und Stornierungen für die nächste Zeit abzuwickeln, nachdem es im März darum gegangen war, festsitzende Urlauber nach Hause zu holen. Reisebüros hält Manfred Hegenloh auch in Zukunft für dringend nötig, wenn man das Geschäft nicht dem unregulierten Internet überlassen wolle.

Göppingen

Österreich und Kroatien wollen baldige Grenzöffnung

Die Perspektiven für die Sommersaison gelten in der Branche indes als unklar, obwohl es inzwischen zaghafte Vorstöße für eine Öffnung der Grenzen gibt, so etwa in Kroatien oder Österreich, wo bereits am 15. Mai die Gastronomie wieder starten wird, und ab 29. Mai die Hotellerie folgen soll.

Hick-Hack um Einreisequarantäne für Deutsche

Unterdessen gibt es in Baden-Württemberg ein Hick-Hack um die so genannte Einreisequarantäne, in die man sich derzeit in der Regel nach privaten Auslandsreisen für einen Zeitraum von 14 Tagen zu begeben hat. Die entsprechende Verordnung sollte ursprünglich pauschal bis 15. Juni gelten, wurde vom Sozialministerium aber auf den Zeitraum bis 3. Mai verkürzt, nachdem es offenbar verfassungsrechtliche Bedenken gegeben hatte. Außerdem wurden Erleichterungen für berufliche Auslandsreisen in Kraft gesetzt. Diese sind nun unter bestimmten Voraussetzungen fünf Tage lang statt nur für 48 Stunden möglich.

Bei Rückreise bis 3. Mai droht Freiheitsentzug

Unklar ist noch, ob die Quarantäne-Verordnung für einreisende Deutsche, die es auch in anderen Bundesländern gibt, nach dem 3. Mai wieder verlängert werden soll. Von Freiheitsentzug durch drohende Zwangsquarantäne sind unter anderem binationale Paare oder getrennt lebende Familien betroffen. Zur Begründung der drastischen Regelung verwies die Pressestelle des Sozialministeriums nach Anfrage auf eine Musterbegründung aus dem Bundesinnenministerium.
Die Reisewarnungen der Bundesregierung haben hingegen nicht den Charakter eines Verbots, sondern stellen nur eine Empfehlung dar, die sich allerdings reiserechtlich auswirken kann.
Kommentar zur Kurzarbeit Seltsamer 1. Mai

Göppingen

„Tourismus-Korridore“ könnten trotz Corona die Ferien retten

Im Übrigen haben Länder wie Spanien und Italien derzeit noch ihre Grenzen für ausländische Urlauber gesperrt. Wie zu hören ist, laufen hinter den Kulissen aber Verhandlungen über so genannte „Tourismus-Korridore“ zu sicheren Reisedestinationen. Wann Urlaub im Inland wieder möglich sein wird, haben Bund und Länder ebenfalls noch nicht kommuniziert. Ferienhausbesitzer an Nord- und Ostsee sollen im Mai den Anfang machen.

Göppingen/Geislingen